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Brauereichef Ehrnsperger: „Bio lebt von Glaubwürdigkeit.“

Lammsbräu

Wieder in Familienhand

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Generationswechsel: Der 28-jährige Johannes Ehrnsperger ist nun alleiniger Chef der Bio-Brauerei Lammsbräu und voller Tatendrang.

Man könnte sagen, Johannes Ehrnsperger hat Biobier mehr oder weniger mit der Muttermilch aufgesaugt. „Ich bin in einer Unternehmerfamilie aufgewachsen, bei der immer Bio-Lebensmittel auf dem Tisch gestanden haben“, sagt der jugendlich wirkende Oberpfälzer. Er spricht lebhaft und versprüht Tatendrang. Seit Februar kann der 28-Jährige dem freien Lauf lassen. Anfang Februar ist er zum alleinigen Chef des Neumarkter Lammsbräu und damit des führenden deutschen Bio-Brauers geworden.

Der begeisternd auftretende Jungmanager dürfte damit jüngster Brauereichef im Land sein. Mulmig stimmt dieser Gedanke den nach eigenem Bekunden früh vom Bio-Virus Infizierten nicht. „Ich bin gut vorbereitet“, sagt der neue Alleingeschäftsführer des fast 400-jährigen Familienunternehmens.

Das kann man mit Blick auf Doppelstudium, Brauer- und Mälzerlehre sowie ein Jahr als Teil einer Doppelspitze in der Neumarkter Unternehmensführung durchaus so sehen. Studiert hat Ehrnsperger Betriebswirtschaft und Getränketechnologie. Bei einem Biobrauer, der seinen Umsatz voriges Jahr um gut ein Zehntel auf knapp 27 Millionen Euro geschraubt hat, gehe es an der Spitze weder ohne das eine noch das andere, ist der neue Chef überzeugt: „Ich will die Dinge richtig machen und fundiert.“

Deshalb hat er sich eine Lehre als Brauer und Mälzer verordnet und die nicht im Familienbetrieb, sondern bei Distelbräu in Tauberbischofsheim absolviert. „Ich wollte die Erfahrung eines einfachen Angestellten machen, und das wäre schwierig geworden als Azubi im eigenen Haus, wo ich immer der Junior-Chef gewesen wäre“, sagt der Mann, der es sich nicht einfach machen möchte. Die Lehre hat er dann 2017 als bundesweit jahrgangsbester Brau-Azubi abgeschlossen. „Da bin ich stolz drauf“, bekennt der Biobrauer. „Ich war gut, weil ich gewusst habe, wofür ich es mache.“

Ein Jahr lang hat Ehrnsperger dann Lammsbräu im Duett mit Susanne Horn gemanagt, die als Brauereichefin eine Rarität in der Branche ist und nun quasi nebenan die Regensburger Brauerei Bischofshof managt. Die kaufmännische Verantwortung lag in der Zeit der Doppelspitze bei Horn, die technische beim jüngsten Sproß der Brauerfamilie. Seit Anfang Februar hat nun der Jungmanager das Sagen.

„Bio lebt von Glaubwürdigkeit und Konsequenz“, ist er überzeugt. Immer mehr Hektoliter sei deshalb sein Ziel nicht, sondern qualitatives Wachstum. Darunter verstehen Manager in der Regel höhere Renditen, Ehrnsperger dagegen Qualitäten wie Unabhängigkeit und Enkeltauglichkeit. Er rühmt eine 160 Biobauern umfassende Erzeugergemeinschaft in der Region, die Lammsbräu nach und nach aufgebaut hat.

Zum einen sichert sich das Unternehmen so den Nachschub an Gerste, Weizen, Dinkel und Hopfen. Zum anderen schützen Biobauern vor Ort den wichtigsten Schatz der Oberpfälzer. Das ist die Quelle unter dem Firmengelände, deren Wasser alle Produkte speist – vom Bier über Limonade bis zum Mineralwasser.

Lammsbräu will im Stadtgebiet von Neumarkt das erste unterirdische Wasserschutzgebiet Deutschlands schaffen. Ehrnsperger ist zuversichtlich, dass das zuständige Wasserwirtschaftsamt das im Lauf des nächsten Jahres genehmigt. Dann darf im Geltungsbereich nicht mehr gebaut werden, speziell wenn es so weit in die Tiefe geht, dass vor Schadstoffeintrag schützende Gesteinsschichten durchbohrt werden.

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