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Autoterminal Emden.

Strafzölle

Wieder eine Kehrtwende

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Die USA halten Strafzölle auf Autoimporte aus Europas und Asien für vermeidbar.

Was zwei, drei Sätze bewirken können: US-Handelsminister Wilbur Ross rückt in einem Fernsehinterview von Strafzöllen gegen die europäische Autoindustrie ab. Prompt schießen die Aktien von großen Konzernen und Zulieferern an den europäischen Börsen in die Höhe. So wurde am Montag der Deutsche Aktienindex (Dax) erstmals seit anderthalb Jahren deutlich über die Marke von 13 000 Punkten gehievt.

Ross sagte in dem Interview mit dem US-Sender Bloomberg Television, man habe sehr gute Gespräche mit den europäischen, japanischen und koreanischen Freunden geführt. Diese seien auch die weltweit wichtigsten Autobauer. Die US-Regierung hoffe nun, dass die Verhandlungen mit „individuellen Unternehmen“ über deren Investitionen ausreichend Früchte tragen würden, um Strafzölle nach dem US-Handelsrecht überflüssig zu machen, so der Minister. Auch in den Diskussionen mit den Regierungen gehe es voran.

Die Aktien von Continental kletterten am Montag bis zum frühen Nachmittag um fast vier Prozent. Volkswagen, Daimler und BMW legten zwischen zwei und 2,8 Prozent zu. Der Stoxx-600-Index für Automobile, der aus europäischen Aktien aus der Branche besteht, stieg auf den höchsten Wert seit Ende April.

Wenige Tage später sollten eigentlich zusätzliche Zölle von 25 Prozent für Importe von Fahrzeugen und Teilen aus Europa in die Vereinigten Staaten in Kraft gesetzt werden. Aber US-Präsident Donald Trump vertagte seinerzeit kurzfristig die Entscheidung. Mitte November soll – nach derzeitigem Stand – eine endgültige Entscheidung fallen.

Die Strafabgabe würde vor allem die deutschen Autobauer belasten. Aber auch US-Hersteller würden sie treffen, da viele auf Komponenten aus Europa angewiesen sind. Ferner würden die Fabriken europäischer Autobauer gebeutelt, die in den USA produzieren. Auch Tausende Arbeiter wären betroffen. Das trifft insbesondere auf Beschäftigte von BMW und Daimler zu – beide Konzerne fertigen ausschließlich jenseits des Atlantiks die lukrativen SUV für den gesamten Weltmarkt. Zahlreiche US-Firmen, Unternehmensverbände und Gewerkschaften haben deshalb ihre Regierung mit Nachdruck vor den Sanktionen gewarnt.

Trump hat bereits vor geraumer Zeit mit erhöhten Abgaben auf Stahl- und Aluminium-Einfuhren aus der EU einen Handelskonflikt losgetreten. Offizielle Begründung waren Gefahren für die nationale Sicherheit. Dies wurde auch bei den Zoll-Drohungen für Fahrzeuge ins Feld geführt. Die EU-Kommission hat diese Argumentation mehrfach zurückgewiesen.

Bemerkenswert an Ross’ Statement ist, dass er ausdrücklich Südkorea und Japan angeführt hat. Mit Südkorea hat die US-Regierung kürzlich ein Handelsabkommen geschlossen, das Strafzölle für Fahrzeuge ausschließt. Auch mit Japan wurde Anfang Oktober eine Art Teil-Einigung erzielt, mit der Zölle für Importe von US-Agrarprodukten gesenkt werden. Unter anderem geht es um Schweine- und Rindfleisch. Präsident Trump hat die Vereinbarung als „Game Changer“ für Farmer bezeichnet, die zu seinen wichtigsten Unterstützern zählen. US-Landwirte leiden derzeit darunter, dass im Zuge des Handelsstreits mit China Exporte ins Reich der Mitte stark zurückgegangen sind.

In dem Nippon-Deal wird der Verzicht auf Autozölle nicht ausdrücklich erwähnt. Ministerpräsident Shinzo Abe betonte aber, er habe die Zusicherung, dass keine erhöhten Abgaben für Exporte in die Vereinigten Staaten erhoben würden. Die USA sind für Toyota, die weltweite Nummer zwei der Branche, und andere Hersteller aus Japan extrem wichtig. Die verquere Art des Deals deutet aber darauf hin, dass Trump sich – wie häufig – zugleich ein Hintertürchen offen gelassen hat, um doch noch gegen japanische Autobauer vorzugehen, wenn es ihm opportun erscheint.

Beobachter vermuten, dass die Vereinbarung zum Vorbild für eine Einigung mit der EU-Kommission werden könnte. Dann müsste Brüssel wohl Zugeständnisse bei Agrarimporten aus den USA machen. Das haben die Kommission und die nationalen Regierungen bislang aber immer abgelehnt. Die Landwirte in der EU werden mit hohen Subventionen und einem weitgehend abgeschotteten Markt massiv unterstützt. Der gewissermaßen zweite Teil einer Vereinbarung könnte darin bestehen, dass europäische Autobauer mehr oder weniger fixe Zusagen über künftige Investitionen in den USA machen.

Der Höhenflug bei den Aktien hat auch damit zu tun, dass Ross in dem Interview quasi in einem Atemzug auch Fortschritte bei den Verhandlungen mit China für ein bevorstehendes Teilabkommen erwähnte. Viele Analysten sehen es wie Jürgen Pieper vom Frankfurter Bankhaus Metzler, dass Trumps oberste Priorität darin besteht, für die Präsidentschaftswahlen im nächsten Jahr günstige Bedingungen zu schaffen. Dieses Szenario würde darauf hinaus laufen, dass 2020 Handelsvereinbarungen sowohl mit der EU als mit China unter Dach und Fach gebracht würden.

Kosten der Machtspiele

Der Handelskrieg mit China, den US-Präsident Donald Trump losgetreten hat, hat eine Kettenreaktion ausgelöst, die auch die deutsche Wirtschaft massiv zu spüren bekommt. Bereits 2018 sind nach zwei Jahrzehnten stetigen Wachstums die Autoverkäufe im Reich der Mitte zurückgegangen. Das Center Automotive Research (CAR) geht davon aus, dass dieses Jahr in der Volksrepublik noch 20,5 Millionen Neuwagen verkauft werden. 2017 waren es noch fast vier Millionen Fahrzeuge mehr. Die Nachfrage werde sich erst von 2021 an allmählich wieder erhöhen.

Nicht nur den Autobauern und deren Zulieferern macht das zu schaffen. Auch die deutschen Maschinenbauer klagen über Auftragsrückgänge. Das gilt gerade für die Unternehmen, die auf Ausrüstungen und Anlagen für den Fahrzeugbau spezialisiert sind. Mehr noch: Die CAR-Experten haben hochgerechnet, dass bei einer Fortführung von Trumps Handelskriegen allein für die Autobranche in den Jahren 2018 bis 2024 weltweit insgesamt Umsatzeinbußen von 700 Milliarden Euro zusammenkommen können. Die Berechnungen gehen dabei davon aus, dass die chinesische Schwäche nicht nur in Deutschland durchschlägt, sondern nach dem Schneeball-Prinzip einen weltweiten Konjunkturabschwung bewirken könnte. 

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