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Wie steht’s mit der Bonität?

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Von: Antje Mathez

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Die Schufa legt ihre Bewertungsgrundlagen offen.
Die Schufa legt ihre Bewertungsgrundlagen offen. © Schufa

Die Wirtschaftsauskunftei Schufa will transparenter werden und stellt dafür einen Score-Simulator vor.

Die Schufa ist bei den meisten Menschen ungefähr so beliebt wie das Finanzamt. Und die Art und Weise, wie das Unternehmen Bonitätsbewertungen vornimmt, erscheint so unverständlich wie das Steuergesetzbuch. Dabei ist die Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung, kurz Schufa, in unser aller Leben ständig präsent. Die Schufa weiß, ob und wie viele Girokonten, Kreditkarten, Kredite wir haben. Einen guten Schufa-Score vorausgesetzt können wir Handyverträge, Ratenkäufe, Mietverträge oder Verbraucherkredite abschließen. Nach eigenen Angaben hat die Schufa Daten von mehr als 68 Millionen Bürger:innen gespeichert, pro Tag erreichen sie im Schnitt pro Tag 300 000 Bonitätsanfragen, an Spitzentagen liegen sie auch mal bei bis zu einer Million.

„Das sind Geschäftsbeziehungen, die wir ermöglichen“ sagt Tanja Birkholz, seit Mitte 2020 Chefin der Schufa. „Wir wirken im Hintergrund“, wahrgenommen würde die Schufa erst, wenn negativ zu bewertende Einträge das Leben einschränkten. Was die Schufa wie bewertet war dabei bislang ihr Geheimnis.

Diese „Black Box“ will Birkholz öffnen. „Das ist mir ein persönliches Anliegen“, sagte die Managerin, die der privatwirtschaftlichen Auskunftei mit ihrem Amtsantritt eine Transparenzoffensive verordnet hat, als sie am Donnerstag vor Journalistinnen und Journalisten ein neues Internettool, den „Score-Simulator“ vorstellt. Mit ihm sollen Verbraucher:innen kostenlos ausprobieren können, wie sie ihren Schufa-Score verbessern und wie die berüchtigte Kennzahl überhaupt funktioniert. „Der Score-Simulator ist ein weiterer Meilenstein auf dem Weg der Schufa zu mehr Transparenz und Verbraucherfreundlichkeit. Dadurch wird das Scoring-Prinzip der Schufa erstmals nachvollziehbar“, erklärte Birkholz. Gleichzeitig sei der Simulator ein Tool zur Finanzbildung, Grundzüge der Bonitätsbewertung und Begriffe wie etwa Kredit- und Debitkarte würden erläutert.

Der interaktive Score-Simulator, der noch am Donnerstagabend auf der Schufa-Homepage freigeschaltet wurde, stellt den Verbraucher:innen sieben Fragen zu Girokonten (wann eröffnet und wie viele, nicht den Kontostand!), wie viele Kreditkarten, Raten- und/oder Immobilienkredite vorhanden sind, Online-Käufe auf Rechnung getätigt wurden oder ob es bereits zu Zahlungsausfällen kam. Dazu gibt es jeweils ein Erklärung, wie bestimmte Verhaltensweisen den Schufa-Score beeinflussen. Am Ende steht dann eine Art Tachonadel, die sich auf einer Farbskala von rot (ungenügend) über orange und gelb bis tiefgrün (hervorragend) bewegt.

Allerdings zeigt der Simulator nicht den echten persönlichen Schufa-Score, in den noch weitaus mehr Informationen einfließen. Der Simulator zeige aber eine Richtung, versichert Birkholz. Zudem ließen sich die sieben abgefragten Merkmale zu 1800 verschiedenen Varianten kombinieren. Verbraucher:innen könnten also verschiedene Szenarien durchspielen. Dabei werden alle Daten, das betont die Vorstandschefin, bei der Schufa grundsätzlich rein statistisch und nicht nach „angenommenen Kausalitäten“ ausgewertet.

Deshalb kann es zum Beispiel passieren, dass sich der persönliche Score verschlechtert, obwohl die Einkommenssituation von Job zu Job besser wird, nur weil jedes mal ein Umzug anstand. „Statistisch gesehen ist tatsächlich über die Bevölkerung hinweg betrachtet, die Ausfallrate nach häufigen Umzügen höher“, erklärt Birkholz. „Informationen über das Einkommen der Menschen haben wir nicht.“

Hätte die Schufa aber gerne. Etwa auch Daten über Finanzaktivitäten, die nach Ablauf einer bestimmten Frist gelöscht werden müssen. Je besser man die Kunden kenne, desto genauer könne die Schufa die Kreditausfallwahrscheinlichkeit berechnen, erklärt Birkholz. Deshalb könne auch jemand, der zwei Kredite zuverlässig bediene, besser dastehen als ein im Hinblick auf Finanztransaktionen völlig unbeschriebenes Blatt. Da würden der Schufa nur mehr Daten helfen, die, so sie denn vorteilhaft seien, von den Verbraucher:innen und Verbraucher freiwillig zur Verfügung gestellt werden könnten.

Der Score-Simulator zumindest fällt nicht in die Kategorie Datenbeschaffung. Die Nutzung ist völlig anonym, sagt die Chefin. Man wisse ja ohnehin nicht, ob die Eingaben der Realität entsprechen.

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