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Ein Warnstreik für höhere Löhne an der Uniklinik Köln im November: Die Teuerung macht viele Beschäftigte ärmer.
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Ein Warnstreik für höhere Löhne an der Uniklinik Köln im November: Die Teuerung macht viele Beschäftigte ärmer.

Teuerung

Wie es im neuen Jahr mit der Inflation weitergeht

  • VonStephan Kaufmann
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Fachleute sind sich einig, dass die Preise im neuen Jahr langsamer klettern werden als zuletzt. Insbesondere für ärmere Haushalte bleibt die Inflationslage aber angespannt.

Frankfurt – Neues Jahr, neues BIP: Banken, Unternehmen und Wissenschaftler haben ihre 2022er Prognosen für Wirtschaftsleistung, Arbeitslosigkeit, Einkommen und Aktienkurse abgegeben. Eine Maßzahl steht jedoch im Fokus: die Preise. „Alles hängt an der Inflation“ titelt die Commerzbank ihren Ausblick auf 2022. Zwar sind sich alle einig, dass die Preise im neuen Jahr langsamer klettern als zuletzt. Die Frage bleibt jedoch, wie lange der Rückgang dauert – und wer wie stark unter der Inflation leiden wird.

Im November lag die Teuerungsrate in der Euro-Zone bei 4,9 Prozent, in Deutschland waren es sogar sechs Prozent, für Dezember werden ähnliche Werte erwartet. Angesichts niedriger Zinsen und schwacher Lohnsteigerungen entwerten sich damit sowohl die Vermögen wie auch die Einkommen vieler Menschen. Als Schuldige hat die „Bild“-Zeitung die Europäische Zentralbank (EZB) und insbesondere deren Chefin Christine Lagarde ausgemacht. „Die Französin ignoriert die Inflations-Explosion seit Monaten, druckt immer neues Geld, um hoch verschuldete Staaten wie Italien oder Spanien zu stützen.“

Inflation: Fachleute erwarten Entspannung

Die Ursachen für das Preishoch sind jedoch andere. Zum einen wurde 2020 die Mehrwertsteuer vorübergehend gesenkt, um die Konjunktur zu stützen – ihre Wiederanhebung 2021 ließ die Inflation deutlich steigen. Zum anderen heizt der Post-Corona-Boom die Situation an. So löste sich 2021 schrittweise der Konsumstau auf, die Menschen kauften wieder mehr ein. Dies erhöhte die Nachfrage, ebenso wie die staatlichen Konjunkturmaßnahmen. Das Angebot an Gütern konnte teilweise mit der steigenden Nachfrage nicht Schritt halten: Rohstoffe, Vorprodukte waren weltweit knapp, was den Anbietern die Gelegenheit zu Preiserhöhungen gab. Zudem verteuerte sich Energie rasant.

Ökonomen und Ökonominnen erwarten nun, dass diese Kräfte im neuen Jahr nachlassen. Denn der Mehrwertsteuereffekt entfällt. Die Energiepreise liegen bereits hoch und dürften nicht noch einmal so stark steigen wie 2021. Zudem dürften die Material-Lieferengpässe schrittweise verschwinden.

Teuerung trifft verschiedene Akteure unterschiedlich

Ist damit alles wieder gut? Das kommt drauf an. Denn zunächst hält der Inflationsschub an, und er trifft die verschiedenen wirtschaftlichen Akteure sehr unterschiedlich.

Teuerung: Jährliche Inflationsrate in Deutschland von 1980 bis 2023, in Prozent

So haben die Unternehmen zunächst kein großes Problem mit den steigenden Preisen, schließlich sind sie es, die sie steigen lassen und dadurch höhere Einnahmen verbuchen. So haben „etliche Dienstleister (Restaurants, Hotels, Friseure, Handwerker etc.) seit den Sommermonaten 2021 ihre Preise erhöht, um Umsatzausfälle wettzumachen“, meldet die Commerzbank. Und das könnte sich vorerst fortsetzen.

Inflation frisst Löhne auf

Laut Umfrage des Ifo-Instituts von Ende November wollen so viele Firmen in Deutschland ihre Preise erhöhen wie nie zuvor. Der Index der Ifo-Preiserwartungen sei auf 45 Punkte gestiegen, ein neuer Rekordwert seit dem Beginn der Umfragen. „Offensichtlich sind die Unternehmen sehr zuversichtlich, dass sie ihre höheren Inputpreise an die Kunden weiterreichen können“, schließt die Deutsche Bank. Eine Folge davon ist das Wachstum der Gewinne – für die 40 Konzerne aus dem Deutschen Aktienindex wird das Gewinnplus 2021 auf 50 Prozent geschätzt. „Den Aktionären winkt daher 2022 ein Dividendenboom“, so die Commerzbank.

Die lohnabhängigen Konsument:innen hingegen macht die Inflation ärmer. Denn sie waren bislang nicht in der Lage, die steigenden Preise durch höhere Löhne zu kompensieren. So legten laut vorläufigen Berechnungen des Statistischen Bundesamtes die Tarifverdienste in Deutschland im Jahresdurchschnitt 2021 um 1,3 Prozent zu, das war der geringste Anstieg seit Beginn der Zeitreihe im Jahr 2010. Die Verbraucherpreise wiederum dürften um drei Prozent gestiegen sein. „Damit würde die Verdienstentwicklung der Tarifbeschäftigten im Jahr 2021 deutlich unter der Inflationsrate liegen“, so die Statistiker. Und zumindest im ersten Halbjahr 2022 dürften die deutschen Verbraucher:innen mit Inflationsraten von deutlich mehr als drei Prozent konfrontiert sein, „nicht wenige werden Reallohnverluste hinnehmen müssen“, so die Fondsgesellschaft DWS.

Arme Haushalte von Inflation besonders getroffen

Das trifft vor allem die ärmeren Haushalte. Denn sie geben einen größeren Anteil ihres Einkommens für Wohnen und Lebensmittel aus, die recht stark im Preis gestiegen sind – auch langfristig, wie das Wirtschaftsinstitut IW errechnet. So seien seit 1995 die Lebenshaltungskosten der einkommensärmsten Haushalte um 33,9 Prozent gestiegen, die der einkommensreichsten Haushalte dagegen nur um 28,0 Prozent.

Währen die abhängig Beschäftigten also Einkommensverluste erwarten müssen, sorgen sich Finanzanleger und -anlegerinnen eher darum, dass ihr Vermögen langsamer wachsen könnte als in den vergangenen Jahren. Denn der Boom an den Aktien- und Immobilienmärkten resultierte vor allem aus den extrem niedrigen Zinsen, die festverzinsliche Investments wie Anleihen relativ unattraktiv machte, was Anlegergelder in Aktien und Immobilien spülte und dort die Preise trieb.

Inflation und ihr Einfluss auf Aktienkurse

Bleibt die Inflation nun erhöht, könnte die EZB sich zu Zinserhöhungen gezwungen sehen, was dem Finanzmarktboom die Basis entzöge. „Ob die Preise von Aktien, Immobilien und anderen Vermögensklassen trotz ihrer hohen Bewertung 2022 weiter steigen, hängt wie selten zuvor von der Inflation ab“, so die Commerzbank, die allerdings ein „gutes Aktienjahr“ prognostiziert.

Die Regierung wiederum muss eine höhere Inflationsrate fürchten, weil steigende Preise der Opposition Munition liefern. Das ist derzeit in den USA zu beobachten, wo republikanische Politiker über die – nach Präsident Joe Biden benannte – „Bidenflation“ wettern und die Beliebtheitswerte des Präsidenten in den Keller gefallen sind.

In Deutschland kritisierte vor einigen Wochen die „Bild“ Olaf Scholz, er „verhandelt mit Grünen und FDP lieber über die Verteilung der Ministerposten“, als sich über die „Rekordpreise“ zu äußern. Und laut Wolfgang Steiger vom CDU-Wirtschaftsrat „wirkt das Gift der Inflation wie eine degressive Steuer“, an der die „Schuldenpolitik“ der Ampelkoalition mitschuldig sei.

Man sieht: Das „Gift der Inflation“ wirkt nicht auf alle gleich. (Stephan Kaufmann)

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