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Produktivität

Wider die Evolutionslogik

  • Günther Moewes
    VonGünther Moewes
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Die Wochenarbeitszeit müsste gesenkt werden

Dem Industrialisierungsprozess wohnt eine evolutionäre Logik inne: Immer mehr Menschenarbeit wird von Maschinen, Computern und Robotern übernommen. Nicht zuletzt dadurch steigt die Lebenserwartung. Trotz abnehmender Menschenarbeit und immer mehr nicht arbeitender Älterer steigt der Wohlstand dank immer höherer Produktivität der Maschinen. Diese Evolutionslogik ist an sich unumkehrbar. Würde mit zunehmender Maschinisierung die Menschenarbeit steigen, Wohlstand und Lebenserwartung dagegen sinken, hätte es keine Industrialisierung gegeben.

Dennoch hat die Kapitalseite diese Logik umgekehrt. Sie hat die Arbeitszeit kaum verkürzt und so Arbeitslosigkeit erzeugt und Arbeit absichtsvoll per Überangebot entwertet, um die gewaltigen Maschinisierungsgewinne selber einzustecken. Allein von 1960 bis 2012 sank das tatsächlich geleistete Jahresarbeitsvolumen pro Erwerbstätigen auf 64,6 Prozent (von 2163 auf 1397 Stunden). Bei Einrechnung der seit 1960 höheren Arbeitslosigkeit sogar auf 59 Prozent, bei Abzug schädlicher Arbeit noch weiter – allen offiziösen Scheinrechnungen zum Trotz. Die gesetzliche Wochenarbeitszeit wurde aber nur von 40 Stunden (1960) auf 38,5 bis 35 Stunden verkürzt. Ab 1990 wurde gar nicht mehr verkürzt, teilweise sogar erhöht. Rot-Grün sah die Schuld fälschlich im Standortwettbewerb und demographischen Wandel und wollte sogar die Lebensarbeitszeit wieder erhöhen.

Obwohl also heute nur noch zwei Drittel des Arbeitsvolumens von 1960 aufgewandt werden, hat sich das preisbereinigte Bruttoinlandsprodukt seither mehr als verdreifacht. Die Nettoreallöhne sind aber nicht entsprechend gestiegen, seit 2000 sogar um 0,3 Prozent gesunken. Pro Arbeitsvolumen wird heute also das 4,5-Fache gegenüber 1960 erwirtschaftet, pro Erwirtschaftetem aber nur noch ein Bruchteil der damaligen Arbeitskosten gezahlt. Der Rest floss zum Teil in die notwendige Maschinisierung (soweit die nicht bereits in den Produktpreisen steckt), zum größeren Teil auf die Konten des reichsten Prozents, das heute die Hälfte des Weltvermögens besitzt. Oft leistungslos per Abschöpfung von der Arbeit anderer, per Megavergütungen, Spekulation, Steuervermeidung, Abzocke und Hartz-IV-Schikane. Opfer sind Arme und immer größere Teile der Mittelschicht. Doch die meisten wählen weiter dankbar „ihre Metzger selber“.

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