Was Hochschulen brauchen

Wichtig sind Ressourcen

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Universitäten sind keine Unternehmen. Sie brauchen keine ausgefeilten strategischen Zukunftskonzepte. Die Gastwirtschaft.

Strategie, ursprünglich „Feldherrenkunst“, heute das längerfristige Vorgehen, ist ein großes Wort unserer Zeit und das Thema der Wirtschaft und Politik. So war es vielleicht absehbar, dass Strategien auch in der Bildung ankommen. Neulich hat der deutsche Wissenschaftsrat explizit die Festschreibung von „Lehrstrategien“ und „Lehrverfassungen“ an Hochschulen empfohlen. Wie schon im Exzellenzwettbewerb der Forschung der letzten Jahre geht es um die Profilbildung und Standardisierung der Hochschulen.

Mit aus der Wirtschaft entlehnten Strategiekonzepten soll alles Entscheiden in einen geordneten Zusammenhang gebracht werden. Leider nur (oder zum Glück) gibt es wahrscheinlich keine einzige Organisation, in der das einfach so gelingt. Schon gar nicht in Bildungseinrichtungen, die es als lose gekoppelte und damit eingeschränkt steuerbare Systeme mit komplexen und aufwendigen Lehr-Lern-Interaktionen zu tun haben.

Aus der Forschung ist bekannt, dass das Personal in Unternehmen, Verwaltungen oder sonstigen Einrichtungen häufig seine eigenen Praktiken (er-)findet, um neue Handlungsweisen zu begründen. Schon vor Jahren fand eine Studiengruppe um den US-Managementforscher Michael Cohen heraus, dass bei strategischen Entscheidungen nicht so sehr Lösungen für Probleme entwickelt, sondern vielmehr identifizierte Probleme bereits bestehenden Lösungen zugeordnet werden.

Die Hochschullehre kann den Startpunkt für Innovationen bilden. Aber Originalität und Wissbegierde entwickeln sich nicht hauptsächlich strategisch; sie kommen dort zum Zuge, wo Ressourcen in einem gewissen Überfluss verfügbar sind, wo man mit verständnisvoller Nachlässigkeit nicht alles und jeden zu kontrollieren, zu steuern, zu „organisieren“ sucht. Erhöhte Strategieansprüche der Hochschulpolitik orientieren sich zunehmend an Fragen des Wettbewerbs. Dass das der Steigerung der Qualität der Lehre im originär akademischen Sinne dient, darf bezweifelt werden. Angesichts aller durchaus umstrittenen Bemühungen der letzten Jahre, Hochschulen immer noch ein bisschen mehr wie Unternehmen zu führen, sei auf einen anderen Vorschlag verwiesen: Hochschulen doch lieber Hochschulen sein zu lassen und Unternehmen Unternehmen. Vielleicht keine schlechte Strategie.

Der Autor ist Organisationsforscher an der Uni Oldenburg.

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