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Wetzel (links) neben der Kanzlerin und seinem Vorgänger Berthold Huber.
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Wetzel (links) neben der Kanzlerin und seinem Vorgänger Berthold Huber.

IG Metall

Wetzel fordert mehr Demokratie

  • VonStefan Sauer
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Der neue IG-Metall-Chef Detlef Wetzel stößt auf Skepsis bei vielen Gewerkschaftsfunktionären. Das hat auch damit zu tun, dass er seine Gewerkschaft demokratischer ausrichtet.

Der neue IG-Metall-Vorsitzende Detlef Wetzel hat sich für eine umfassende Modernisierung des Sozialstaats und mehr Mitbestimmung für Arbeitnehmer und Gewerkschafter ausgesprochen. Ziel sei ein Sozialstaat, der „vorsorgt und ermöglicht und damit Chancen für ein gutes Leben schafft“, sagte Wetzel auf dem außerordentlichen Gewerkschaftstag am Montag der IG Metall in Frankfurt am Main. Die Gewerkschaften hätten dabei die Funktion eines Seismographen, der Erschütterungen in der Arbeitswelt aufspüre. Zuvor war Wetzel mit 75,5 Prozent der 458 abgegebenen Delegiertenstimmen zum Nachfolger des bisherigen Gewerkschaftschefs Berthold Huber gewählt worden.

Das vergleichsweise ernüchternde Ergebnis – Huber hatte bei seiner Wiederwahl 2011 ein Votum von 96,2 Prozent erreicht – dürfte vor allem dem innergewerkschaftlichen Demokratisierungskurs Wetzels geschuldet sein, der in Teilen der mittleren Funktionärsebene auf Skepsis stößt. Wetzel machte in seiner Rede allerdings deutlich, dass er den bisherigen Weg fortsetzen will. Voraussetzung für eine erfolgreiche Gewerkschaftspolitik sei eine mitgliederstarke Basis, die vor allem über mehr Beteiligungs- und Mitwirkungsmöglichkeiten zu gewinnen sei.

Mehr Eintritte als Abgänge

Mitgliederstarke Gewerkschaften seien das „Schwert, das für mehr Gerechtigkeit kämpfen kann“. Die IG Metall müsse daher den „Weg der Mitgliederorientierung, der Beteiligungsorientierung und der Konfliktorientierung“ weitergehen, sagte der Chef der größten Einzelgewerkschaft Europas mit rund 2,3 Millionen Mitgliedern: „Die beste Kur gegen die Probleme der Demokratie ist mehr Demokratie.“

In den letzten Jahren sei vieles erreicht worden: Seit zwei Jahren verzeichne die IG-Metall wieder mehr Eintritte als Abgänge, mit 222 000 unter 27-Jährigen sei sie Deutschlands größte politische Jugendorganisation. Es sei gelungen, die Leiharbeit in der Metall und Elektro-Industrie zu regulieren, Übernahmevereinbarungen für Auszubildende abzuschließen und die christlichen Scheingewerkschaften auszuschalten. „Wir haben die schlechte Wirklichkeit verbessert“, sagte er.

Diesen Erfolgen stehe eine große Zahl künftiger Aufgaben gegenüber: Wetzel nannte dabei den gesetzlichen Mindestlohn von 8,50 Euro und die Rente mit 67, „mit der wir uns nie abfinden werden“. Die starre Altersgrenze müsse durch flexible Übergänge ersetzt werden. Insgesamt gehe es um einen „Gegenentwurf zur unmenschlichen Glaubenslehre des Neoliberalismus“.

„Reichtumspflege“ beenden

Als dessen Wesen bezeichnete Wetzel umfassende Möglichkeiten jedes Einzelnen zur Teilhabe: in Kitas, Schulen, betrieblicher Ausbildung und Unis, am Arbeitsplatz und im Ruhestand, beim Zugang zu Wohnraum und zum Gesundheitssystem. „Ich möchte in einem Land leben, das sich nicht nur Exportweltmeister nennt. Warum sollten wir nicht auch zum Wohlstandsweltmeister, Lebensqualitätsweltmeister und zum Bildungs- und Gerechtigkeitsweltmeister werden“, sagte Wetzel.

Von der künftigen Bundesregierung fordert er ein Entgeltgleichheitsgesetz für Frauen und Männer und mehr Mitspracherecht der Betriebsräte beim Abschluss von Werkverträgen. Für die Energiewende, die bisher chaotisch verlaufen sei, forderte Wetzel einen neuen Masterplan. Zudem müsse „die staatliche Reichtumspflege eine Ende haben“. Die Vermögenden müssten sich endlich wieder angemessen an der Finanzierung des Gemeinwesens beteiligen, verlangte der neue IG-Metall-Chef.

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