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Wetter verhagelt Bahn die Bilanz

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Von: Peter Berger

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Bahn-Chef Rüdiger Grube.
Bahn-Chef Rüdiger Grube. © dpa

Der Gewinn der Bahn sinkt um mehr als die Hälfte, obwohl die Zahl der Passagiere steigt und das Unternehmen in neue Züge investiert.

Trotz 42 Millionen zusätzlicher Reisender in den Zügen, die vor allem im Nahverkehr zu verzeichnen sind, war 2013 für die Deutsche Bahn in wirtschaftlicher Hinsicht ein sehr enttäuschendes Jahr.

Zwar blieb der Bahn-Umsatz mit gut 39 Milliarden Euro beinahe stabil (minus 0,3 Prozent), die Zahl der Passagiere stieg sogar knapp über die Zwei-Milliarden-Grenze. Das Jahresergebnis sank jedoch um mehr als 55,5 Prozent auf knapp 649 Millionen Euro. Die Bahn wird wegen dieses starken Gewinnrückgangs nur eine Dividende von 200 Millionen Euro an den Bund ausschütten. Die Ausschüttung des Verkehrskonzerns hatte im Vorjahr noch 525 Millionen betragen. Das Geld soll laut Bundesverkehrsministerium in voller Höhe in das Schienennetz investiert werden.

„Die Konjunktur verlief vielerorts schlechter als erwartet, das hat sich in unserem Transport- und Logistikgeschäft bemerkbar gemacht“, erklärte Bahnchef Rüdiger Grube bei der Vorstellung der Bahn-Bilanz in Frankfurt. Weitere Faktoren, die der Bahn das Ergebnis verhagelten, sind höhere Ausgaben für Personal und Energie, die mit rund 290 Millionen Euro zu Buche schlagen. Außerdem wirkte sich die Beseitigung der Folgen des Elbe-Hochwassers und zweier Sturmtiefs negativ auf die Bilanz aus. „Allein die verheerenden Hochwasser im Frühsommer haben einen wirtschaftlichen Schaden in dreistelliger Millionenhöhe verursacht“, sagte Grube.

Auch die Konkurrenz der Fernbusse macht der Deutschen Bahn schwer zu schaffen. Sie führte beim Fernverkehr zu einem Minus von 20 Millionen Euro. Im Nahverkehr dagegen liegt die Bahn voll im Trend. Der Fahrgastzuwachs resultiert vor allem aus einem deutlichen Plus in den S-Bahn-Netzen von Berlin, Hamburg, Stuttgart und München. „Während sich die Zahl der Reisenden auf der Schiene erneut nach oben entwickelt hat, sind die Pkw-Neuzulassungen um 4,2 Prozent zurückgegangen. Das ist ein eindeutiger Trend“, so Grube. „Die Bahn ist weiter im Kommen.“

Die Probleme bei der Auslieferung neuer Züge wird die Bahn auch im Jahr 2014 beschäftigen. Der Rückstau bei den Investitionen in diesem Bereich geht „langsam in die Milliarde“, sagte Finanzvorstand Richard Lutz. Man werde die Lieferverzögerungen nicht mehr aufhalten können und hoffe, dass es keine weiteren Verzögerungen geben werde. „Jeder Zug, der früher kommt, ist für uns ein willkommener Zug. Schließlich haben wir ihn in unseren Finanzplanungen vorgesehen“, so der für den Personenverkehr verantwortliche Bahn-Vorstand Ulrich Homburg.

Einen Schritt weiter

Immerhin: Im Fernverkehr ist die Bahn in den vergangenen Tagen bei den Neuzulassungen von Zügen einen Schritt weitergekommen. „Wir haben zwei weitere fabrikneue ICE 3 der Baureihe 407 von Siemens übergeben bekommen.“ Damit sei die zugesagte erste Charge von acht Zügen an die DB ausgeliefert, so Vorstandschef Grube. „Die restlichen Züge erhalten wir, sobald die Zulassung für Belgien und Frankreich vorliegt. Die Testfahrten in beiden Ländern laufen derzeit.“ Abgeschlossen sei die Modernisierung der kompletten ICE 2-Flotte. Gleiches gilt für die Neigetechnik-Züge ICE-T. Darüber hinaus sei die Hälfte der alten Intercity-Waggons, rund 500 Stück, technisch auf dem neuesten Stand.

Zu Spekulationen um den möglichen Wechsel des ehemaligen Kanzleramtschefs Ronald Pofalla (CDU) in den Konzernvorstand wollte sich Rüdiger Grube nicht äußern. „Wir reden hier nicht über Personalien.“ Klar sei jedoch, dass „die politische Arbeit bei der DB politisch neu ausgerichtet und organisiert werden muss. Es wird Veränderungen geben, weil wir im Hinblick auf das politische Umfeld insbesondere bei der EU vor immer größeren Herausforderungen stehen“. Er habe dem Aufsichtsrat der Bahn daher ein Konzept vorgestellt, das auf drei Vorgaben beruht: Das Vorstandsteam werde nicht vergrößert, eine personelle Neubesetzung mit einer Kostensenkung einhergehen. Bei Politikern werde man eine Karenzzeit von zwölf Monaten einhalten.

Pofalla, so wird derzeit spekuliert, könnte nach dieser Karenzzeit einen neu zugeschnittenen Vorstandsposten erhalten, da der Bereich Wirtschaft, Politik und Regulierung aus Altersgründen in Kürze neu besetzt werden muss. Pofalla muss sich also noch gedulden, ansonsten hat die Bahn 2013 aber viele neue Mitarbeiter eingestellt: 11 000 Beschäftigte sowie 4000 Auszubildende und dual Studierende kamen neu ins Unternehmen.

Das schwache Ergebnis schlägt sich auch auf dem Gehaltszettel der Vorstände nieder. Die Bezüge von Bahn-Chef Grube sanken um rund eine Million auf 1,67 Millionen Euro. Grube hatte kürzlich auf die für 2014 vereinbarte 20-prozentige Erhöhung seines Festgehalts verzichtet.

Ein Börsengang, unter Grubes Vorgänger Hartmut Mehdorn noch das Maß aller Dinge, ist für Grube auf absehbare Zeit kein Thema. Die Bahn werde sich auf das „Brot- und Butter-Geschäft“ konzentrieren und wolle bis zum Jahr 2020 zu den Top-Arbeitgebern zählen und zu einem Umwelt-Vorreiter werden.

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