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Westen will Ölreserven freigeben

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Von: Stefan Brändle

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Die Lager wurden nach dem ersten Ölschock 1974 für Notfälle eingerichtet. D och die Vorräte sind begrenzt.

Erst dreimal überhaupt hat die westliche Staatengemeinschaft bisher ihre strategischen Öllager freigegeben: 1991 geschah dies im ersten Golfkrieg, 2005 nach den verheerenden Wirbelstürmen Rita und Katrina sowie 2011 beim Nato-Einsatz gegen Libyen. Jetzt kommt der Krieg in der Ukraine dazu. Die Energieminister:innen der westlichen Industriestaaten versammelten sich am Dienstag am Pariser Sitz der Internationalen Energieagentur (IEA), um die Ölreserven der Mitgliedstaaten zu mobilisieren.

D a die IEA der ebenfalls in Paris ansässigen Wirtschaftsgemeinschaft OECD angeschlossen ist, sind die USA, Europa, aber auch Länder wie Japan oder die Türkei betroffen. Sie hatten sich nach dem ersten Ölschock von 1974 auf Betreiben der USA verpflichtet, für Notfälle strategische Ölreserven anzulegen. Sie müssen 90 Tagen an Nettoimporten entsprechen. Das sind insgesamt mehrere Millionen Tonnen Rohöl und Derivatprodukte.

T reibende Kraft sind auch jetzt die USA. IEA-Vorsteher Fatik Birol twitterte, das Pariser Treffen stehe unter Leitung der amerikanischen Energieministerin Jennifer Granholm. US-Präsident Joe Biden hatte zunächst gezögert, Russland vom Finanztransaktionssystem Swift auszuschließen - aus Sorge, dass dieser Schritt die Ölexporte noch stärker verteuern könnte. J etzt scheint die US-Administration aber entschlossen, die Konsequenzen zu tragen. Durch die pandemiebedingten Engpässe in der weltweiten Energieversorgung sind die Ölpreise in letzter Zeit schon auf über 100 Dollar pro Barrel gestiegen. Das ist der höchste Preis seit 2014.

Reserven sind begrenzt

D ie IEA warnt seit Jahren vor Angebotskrisen und Versorgungsengpässen. Sie drängt mit Nachdruck darauf, die Versorgungssicherheit und die Energieeffizienz zu erhöhen, um Rekordpreise zu verhindern. Fatih Birol erklärt immer wieder, es sei nicht auszuschließen, dass die Preise im Zuge der Ukraine-Krise einen nie gekannten Wert von 200 Dollar pro Barrel erreichen könnten. Russland kommt für ungefähr zehn Prozent der weltweiten Öl- und Gasproduktion auf.

W ie viel Reserven freigegeben werden, wurde vorerst nicht bekannt. Das normalerweise gut informierte „Wall Street Journal“ schätzt die betroffene Gesamtmenge auf 70 Millionen Barrel. Das könnte den Ausfall russischer Öllieferungen fürs Erste weitgehend kompensieren.

Doch die Reserven sind begrenzt. Je länger der Krieg in der Ukraine dauert, desto rasanter werden die Preise steigen – und dies schon vor dem Verbrauch der 90-tägigen Reserven. Die effektiven Lagerbestände im Westen liegen zwar laut IEA dreimal höher als die Notreserve; aber auch diese Reserven halten nicht ewig.

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