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Na dann gute Nacht – es drohen weitere Streiks.
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Na dann gute Nacht – es drohen weitere Streiks.

Christine Behle zu Lufthansa

"Die Wertschätzung fehlt"

  • Frank-Thomas Wenzel
    VonFrank-Thomas Wenzel
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Im Tarifkonflikt für 33.000 Beschäftigte beim Bodenpersonal der Lufthansa hat sich wenig bewegt. An diesem Montag beginnt die vierte Verhandlungsrunde. Christine Behle, Verhandlungsführerin der Gewerkschaft Verdi, droht mit weiteren Streiks.

Im Tarifkonflikt für 33.000 Beschäftigte beim Bodenpersonal der Lufthansa hat sich wenig bewegt. An diesem Montag beginnt die vierte Verhandlungsrunde. Christine Behle, Verhandlungsführerin der Gewerkschaft Verdi, droht mit weiteren Streiks.

Im Tarifkonflikt um mehr Geld und sichere Jobs für 33.000 Beschäftigte beim Bodenpersonal der Lufthansa hat sich bislang wenig bewegt. Am Montag beginnt die vierte Verhandlungsrunde. Christine Behle, Verhandlungsführerin der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, droht mit weiteren Streiks.

Wird es bei den Verhandlungen am Montag und Dienstag eine Einigung geben?
Wir wollen zu einem Ergebnis kommen. Aber es wird schwierig. Wir fordern eine Erhöhung in einem Volumen von 5,2 Prozent. Das muss nach Geschäftsfeldern differenziert werden, denn deren Gewinnsituation unterscheidet sich stark.

Wer soll wie viel bekommen?
Drei Prozent sind der Sockel für alle. Für die Sparten Technik und Cargo verlangen wir 2,2 Prozent. Das sind die Gewinnbringer in Deutschland. Die Lufthansa will einen Sockel von 1,2 Prozent und für die Cargo 0,4 Prozent für die Technik 0,6. Das ist insbesondere den Technikern nicht zu vermitteln, denn die liefern ein Rekordergebnis nach dem anderen ab.

Es geht um mehr als Geld. Warum ist Verärgerung bei den Beschäftigten groß ist?
Das stimmt, es geht um einen Generalkonflikt. Dem Management geht es nur noch darum, wie man etwas möglichst billig machen kann. Die Wertschätzung für die Leistung der Beschäftigten ist komplett verloren gegangen. Die Abteilung Revenue Services etwa, die Ticketverrechnungen kontrolliert, arbeitet sehr effizient und bringt dem Konzern richtig Geld. Da dies aber in Indien billiger gemacht werden kann, soll es nach Indien verlagert werden.

Gleichwohl, das Europa-Geschäft der Lufthansa ist defizitär. Der Wettbewerb ist hart. Und die Lufthansa braucht dringend neue Flugzeuge. Da muss doch etwas passieren?
Es geht um die Art, wie das umgesetzt wird. Die Beschäftigten sehen einfach nicht ein, dass sie jetzt dafür zahlen sollen, dass die Lufthansa es in den vergangenen Jahren versäumt hat, ihre Flotte sukzessive zu erneuern.

Sind weitere Streiks überhaupt noch vermeidbar?
Die sind vermeidbar, wenn die Lufthansa klare Angebote macht. Das Thema Lohn spielt eine Rolle, noch wichtiger ist aber das Thema Beschäftigungssicherung. Viele Lufthanseaten wissen nicht, ob sie morgen ihren Job noch haben.

Verunsicherung erhöht Streikbereitschaft?
Wir müssen möglicherweise noch einige Male streiken. Wir haben einen weiteren Verhandlungstermin, der ist Anfang Juni. Am 4. Juni kommt die große Tarifkommission zusammen. Dann könnte eine Urabstimmung beschlossen werden und ein unbefristeter Streik könnte folgen.

Gehen die Lufthanseaten tatsächlich bis zum Äußersten?
Die Streikbereitschaft ist sehr hoch, und wir müssen hart bleiben. Die Zeit drängt, denn am 1. Juli startet die neue Germanwings, die einen Großteil des europäischen Verkehrs der Lufthansa übernehmen soll. Das betrifft einen großen Teil des Bodenpersonals an kleineren Flughäfen.

Wer für Germanwings künftig arbeitet, verdient weniger?
Da ist bislang überhaupt nichts geregelt. Germanwings soll sich die Anbieter für Bodendienste selbst aussuchen. Da gibt es viele, die billig sind, weil sie Hungerlöhne zahlen. Deshalb hat die Beschäftigungssicherung diese hohe Brisanz. Von der Lufthansa gibt es da bislang nur lapidare, unverbindliche Äußerungen. Das ist eine Provokation.

Muss Verdi jenseits der Lufthansa aktiver werden, um ein Abrutschen der Branche in einen Niedriglohnsektor zu verhindern?
Ganz bestimmt, wir haben für die Bodendienste inklusive Check-in-Personal in Berlin schon einen Tarifvertrag erreicht. Der soll in diesem Jahr für allgemeinverbindlich erklärt werden. Das ist ein erster Versuch, eine Untergrenze einzuziehen.

Muss Verdi auch verstärkt an die Billigflieger ran?
Natürlich. Wobei wir mit Easyjet einen Tarifvertrag ausgehandelt haben, der erhebliche Lohnerhöhungen gebracht hat. Aber Ryanair ist ein Problem.

Wieso?
Im Prinzip sind die Beschäftigten in Irland angestellt und zum Arbeiten nach Deutschland abkommandiert. Deshalb gilt das in vielen Punkten laxere irische Recht. Das bringt Wettbewerbsverzerrung. Da brauchen wir die Hilfe der Politik. Es müssen zumindest in der EU gleiche Bedingungen geschaffen werden.

Zudem werden Airlines aus Asien und vom Persischen Golf staatlich unterstützt.
Das ist schräg. Wir fordern, dass für alle Airlines die gleichen Spielregeln gelten. Solange das nicht erreicht ist, verlangen wir, die Landerechte für diese Airlines zu beschränken.

Das Gespräch führte Frank-Thomas Wenzel

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