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In Mosambik stehen Menschen vor den Resten ihrer von Zyklon „Idai“ zerstörten Hütten. 

Risikobericht

WEF wertet Klimawandel als größtes Risiko

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Das Weltwirtschaftsforum ruft Politik und Wirtschaft dringend zum Handeln gegen die Klimakatastrophe auf. Die Risikobewertung basiert auf 750 Expertenmeinungen.

Im Kampf gegen den Klimawandel hat das Weltwirtschaftsforum (WEF) in einem flammenden Appell eine sofortige Zusammenarbeit von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft gefordert. Angesichts von geopolitischen Turbulenzen sowie Abschottung sei Kooperation der einzige Weg, allgemeinen Gefahren entschlossen entgegenzutreten, betonte das WEF in seinem am Mittwoch in London vorgestellten Weltrisikobericht. Ansonsten drohten „katastrophale“ Folgen, da Konflikte und Polarisierung zunähmen.

Erstmals stehen dieses Jahr ökologische Themen auf den fünf Spitzenplätzen des Risikoberichts. Am gefährlichsten sei das Risiko extremer Wetterereignisse, gefolgt von einem möglichen Scheitern von Klimapolitik. Platz drei und vier nehmen Naturkatastrophen, der Verlust von Biodiversität und kollabierende Ökosysteme ein. An fünfter Stelle stehen „menschengemachte Umweltschäden“. WEF-Präsident Borge Brende rief Regierungen und Firmen dazu auf, miteinander statt gegeneinander zu arbeiten, um die Gefahren abzuwenden. „Das Handlungsfenster ist noch offen, wenn auch nicht mehr lange“, warnte er.

Den Risikobericht veröffentlicht das Forum traditionell kurz vor dem Manager- und Politiker-Gipfel im Schweizer Bergort Davos. Der Kongress, zu dem sich unter anderem US-Präsident Donald Trump, Bundeskanzlerin Angela Merkel und Klima-Aktivistin Greta Thunberg angesagt haben, startet am kommenden Dienstag.

Basis des Berichts sind die Einschätzungen von „mehr als 750 globalen Experten und Entscheidungsträgern“, die mit dem WEF zusammen Lösungen für globale Probleme erarbeiten wollen. Dazu gehören viele Manager und Managerinnen großer Unternehmen, Politiker und auch Vertreter von zivilgesellschaftlichen Organisationen, die das Forum zur Mitarbeit einlädt.

John Drzik, Chef der mit dem WEF kooperierenden Beratungsfirma Marsh & McLennan, forderte die Unternehmensvorstände auf, die Senkung des Kohlendioxidausstoßes in ihre Geschäftspolitik einzubauen. Einige Konzerne würden sich schon anstrengen, sagte WEF-Klima-Expertin Emily Farnworth, die Bemühungen reichten aber bei weitem nicht aus.

Die Tendenz der Risiko-Berichte der vergangenen Jahre setzt sich damit 2020 fort. Das Klima- und Umweltthema drängt zunehmend nach oben. Die Berichte reflektieren immer auch aktuelle Debatten – und die weltweiten Fridays-for-Future-Demonstrationen nahmen 2019 breiten Raum in der politischen Öffentlichkeit ein. Neben den Protesten der überwiegend jungen Leute, die fordern, den Kohlendioxidausstoß schnell und deutlich zu verringern, dürfen aber auch die heftigen Waldbrände in Australien eine Rolle gespielt haben.

Eine Billion Bäume pflanzen

Ein ähnliches Phänomen war bereits im Risikobericht 2019 zu beobachten. Damals lagen die starken Brände im US-Bundesstaat Kalifornien noch nicht lange zurück, die viele Siedlungen vernichteten und zahlreiche Anwohner töteten.

Die Risikowahrnehmung verändert sich mit den Jahren, wie die Berichte zeigen. Während der Finanzkrise 2009 und 2010 stand der Kollaps der Vermögenswerte ganz oben auf der Liste der größten Risiken. Im Jahr darauf waren es Stürme und andere Wetterextreme, worauf drei Jahren folgten, in denen die Ungleichheit zwischen Arm und Reich die Debatten bestimmte – Auswirkungen der Finanzkrise. Im Zuge unter anderem des Syrienkrieges rangierten 2015 und 2016 internationale Konflikte und Migrationsfragen an der Spitze der Angstskala. Seit 2017 stehen dort nun die Wetterextreme.

Als Beitrag des Weltwirtschaftsforums zum Kampf gegen den Klimawandel hat WEF-Chef Klaus Schwab eine Initiative angekündigt, die in den kommenden Jahren „eine Billion Bäume“ weltweit pflanzen soll. Zum Vergleich: In Deutschland gibt es etwa 90 Milliarden Bäume.

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