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Im vergangenen Herbst haben sich mehr als 25 Banken für den Umzug in die Mainmetropole entschieden.

Londoner Banken

Werben für Finanzplatz am Main

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Finanzministerium will Londoner Banken nach Frankfurt locken.

Noch ist unklar, wann Großbritannien die EU verlässt. Doch mit jedem Fristaufschub dürfte die Ungewissheit auf dem Londoner Finanzplatz zunehmen. Die Bundesregierung präsentiert sich dort seit längerem als Garant für Verlässlichkeit und gute Zukunftsaussichten. Mitarbeiter von Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) reisten im vergangenen Jahr mehrfach nach London, um dortige Vertreter von Banken, Investmentfonds und Kreditkartenfirmen von den Vorzügen des Finanzplatzes am Main zu überzeugen.

In einer Antwort auf eine Anfrage des Bundestagsabgeordneten Danyal Bayaz (Grüne) listet das Bundesfinanzministerium eine Vielzahl ausländischer Finanzdienstleister mit Sitz in London auf, mit denen „Vertreter der Leitungsebene des Bundesfinanzministeriums“ seit März 2018 Gespräche über den Brexit und dessen Folgen geführt haben. Zu den rund 40 gelisteten Instituten zählen die US-Unternehmen American Express, Blackrock, J. P. Morgan und Visa sowie chinesische Anbieter wie die Bank of China. Darunter sind auch europäische Großbanken wie die italienische Unicredit oder die britische HSBC.

Mehr als 25 Banken hatten sich für einen Umzug in die Mainmetropole entschieden

Außerdem hätten Regierungsvertreter auch am Rande von Festakten und Vorträgen Gespräche geführt; allerdings „ließe sich vielfach nicht mehr rekonstruieren, welche Personen konkret teilgenommen haben und welche Gespräche“ im Einzelnen geführt worden seien, so das Ministerium. Auch lägen ihm bislang keine „genaue Informationen zu Standortentscheidungen von einzelnen Unternehmen“ vor.

Eine Analyse der Landesbank Hessen-Thüringen zeigt, dass sich im Herbst mehr als 25 Banken für einen Umzug in die Mainmetropole entschieden hatten, darunter die US-Institute Barclays, Goldman Sachs und Morgan Stanley sowie die koreanische Woori Bank und die japanische Holding Nomura. Zu dem Zeitpunkt lag die Zahl der Finanzdienstleister, die nach Frankfurt übersiedeln wollen, über der Anzahl jener Institute, die die Finanzplätze Paris, Dublin, Luxemburg und Amsterdam vorzogen.

Grünen-Finanzexperte Bayaz führt das nicht auf die Bemühungen der Bundesregierung zurück. „Frankfurt ist als globaler Finanzstandort anerkannt. Deswegen war die Standortentscheidung für einige Banken gesetzt“, sagte er. Bayaz wirft Finanzminister Scholz dagegen vor, nicht genug für Frankfurt zu werben. „Olaf Scholz hat sich stattdessen auf die Schaffung einer nationalen Großbank konzentriert“, sagt Bayaz und meint damit die vom SPD-Minister favorisierte Fusion von Deutscher Bank und Commerzbank.

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