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Rente und Steuern: Wer muss zahlen, warum und wie viel? – Das müssen Sie wissen

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Geld im Alter: Ab wann rentiert sich die Rente wirklich?
Steuern sind ein komplexes Thema, mit dem sich mittlerweile auch immer mehr Rentner auseinandersetzen müssen. (Archivfoto) © Lino Mirgeler/DPA

Das Thema Steuern wird für immer mehr Rentner von Bedeutung. Dabei kommen einige Fragen auf. Ein Überblick.

München – Jahr für Jahr werden mehr Rentner* steuerpflichtig – und die Unsicherheit ist groß, wann der Fiskus zuschlägt. Maike Backhaus, Steuerexpertin bei Steuertipps.de, erklärt genau, unter welchen Umständen Rentner Steuern zahlen müssen.

Welche Rentner sind steuerpflichtig?

Rentner sind alljährlich zur Abgabe einer Einkommensteuererklärung verpflichtet, wenn das zu versteuernde Einkommen den jährlichen Grundfreibetrag übersteigt. Zum Einkommen gehören alle Renteneinnahmen sowie Einnahmen aus Betriebsrenten und Pensionen, Zinsen und Dividenden, Vermietung und Verpachtung. Der Grundfreibetrag für 2021 liegt für Ledige bei 9744 Euro und für 2022 bei 9984 Euro. Bei Verheirateten verdoppelt sich dieser Freibetrag, also 19 488 bzw. 19 968 Euro. Aber: Je nach Rentenbeginn bleibt ein Teil der gesetzlichen Rente steuerfrei!

Warum werden immer mehr Rentner steuerpflichtig?

Für jeden neuen Rentenjahrgang bleibt weniger steuerfrei. Bis zum Jahr 2040 soll eine hundertprozentige Besteuerung der „Neurenten“ erreicht sein. Für Neurentner des Jahrgangs 2021 beträgt der steuerpflichtige Anteil ihrer Altersbezüge 81 Prozent, das heißt: 19 Prozent der Rente sind steuerfrei. Bei Neurentnern des Jahres 2022 steigt der steuerpflichtige Anteil auf 82 Prozent (18 Prozent steuerfrei). Für alle, die bis 2005 Rentner wurden, sind 50 Prozent der Rente von 2005 steuerfrei.

Weil die Renten ständig steigen, muss man jedes Jahr aufs Neue prüfen, ob eine Jahresabrechnung beim Finanzamt nötig ist. Die jährliche Rentenerhöhung ist zu 100 Prozent zu versteuern, hier gibt es keinen steuerfreien Anteil. So kann es passieren, dass man auch als bisher von der Steuer befreiter Rentner in die Steuerpflicht rutscht. Selbst durch die geringe Rentenerhöhung zum Juli 2021 (0,72 Prozent im Ost, im Westen gab es 2021 keine Rentenerhöhung) müssen weitere Rentner erstmals Steuern zahlen.

Wie viele Rentner sind betroffen?

Mehr als ein Drittel aller Rentnerinnen und Rentner in Deutschland muss Steuern zahlen: Die Bundesregierung geht für das Steuerjahr 2021 davon aus, dass die rund 7 Millionen Betroffenen zusammen knapp 43 Milliarden Euro Einkommensteuer aufbringen werden.

Wie errechne ich den steuerpflichtigen Teil der Rente?

Der Neurentner mit einem steuerpflichtigen Rentenanteil von 81 Prozent* muss 19 Prozent von seinem Bruttorentenbetrag von 2021 abziehen. Zum so errechneten Betrag muss er seine weiteren Einkünfte (Betriebsrente, Mieteinnahmen etc.) addieren. Davon zieht er dann seine Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung und den Sonderausgaben-Pauschbetrag 36 (bzw. 72) Euro ab. Liegt das Ergebnis unter dem Grundfreibetrag von 9744 Euro (19 488 Euro für Verheiratete) muss der Rentner keine Steuern zahlen. Wie hoch die Bruttorente war, steht in der „Mitteilung zur Vorlage beim Finanzamt“.

Wann und wie bekommt man eine Nichtveranlagungsbescheinigung?

Wenn zu erwarten ist, dass Sie nicht zur Einkommensteuer veranlagt werden, weil Ihre gesamten Einkünfte unter dem Grundfreibetrag (Ledige: 9744 Euro; Paare: 19 488 Euro) liegen, können Sie sich durch eine Nichtveranlagungsbescheinigung von der Abgabepflicht einer Steuererklärung befreien lassen. Außerdem können Rentner, bei denen es zu keiner Steuerpflicht und Steuerfestsetzung kommt, die Kapitalertragsteuer (Abgeltungsteuer) sparen*, indem sie diese Bescheinigung vorlegen. Damit werden Zinsen und Dividenden brutto ausbezahlt, ohne dass Steuer einbehalten wird.

Gibt es noch eine Chance, die Rentensteuer zu stoppen?

Ja, zumindest bei den Fällen, in denen eine mögliche Doppelbesteuerung vorliegt. Dazu gab es eine Musterklage vor dem Bundesfinanzhof. Darin ging es nicht um die Besteuerung der Renten nach der Umstellungsphase von der vorgelagerten auf die nachgelagerte Besteuerung, also die Besteuerung ab 2040. Es ging nur um die Besteuerung während der Übergangsphase und die Frage, ob es dabei zu einer Doppelbesteuerung kommt.

Ende Mai 2021 wurden die Urteile veröffentlicht: Der BFH hält die Übergangsregelung an sich weiterhin für verfassungsmäßig. Das Thema ist aber noch nicht abgeschlossen, denn inzwischen haben beide Kläger beim Bundesverfassungsgericht Verfassungsbeschwerde eingelegt (Az.2BvR 1143/21 und 2 BvR 1140/21). Laut Experten der Stiftung Warentest lohnt sich ein Antrag auf Prüfung einer Doppelbesteuerung für ehemals angestellte Rentner kaum. Betroffen sind eher ehemals Selbstständige. *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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