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Wer finanziert den Artenschutz?

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Von: Joachim Wille

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Wombat-Baby: Auch bestimmte Arten der in Australien lebenden Beutelsäuger sind vom Aussterben bedroht.
Wombat-Baby: Auch bestimmte Arten der in Australien lebenden Beutelsäuger sind vom Aussterben bedroht. © dpa

Die UN-Biodiversitätskonferenz in Montreal kommt auf dem Weg zu einem neuen globalen Abkommen nur zäh von. Fachleute beklagen sogar Rückschritte bei den Zielen für den Schutz der Artenvielfalt. Allein die Ministerinnen und Minister der Vertragsstaaten können es jetzt noch richten.

Die Maxime zur Rettung von Natur und Artenvielfalt lautet „30 bis 30“. Die Formel bedeutet: Bis 2030 soll knapp ein Drittel der Landfläche und der Ozeane der Erde unter Schutz gestellt werden, um Ökosysteme und Biodiversität zu stabilisieren und so auch einen Beitrag zum Klimaschutz zu leiten. Doch auf der Weltnaturkonferenz der UN im kanadischen Montreal (COP 15), wo unter anderem über dieses Ziel verhandelt wird, ist nach einer Woche noch immer kein Durchbruch in Sicht. Am heutigen Donnerstag beginnt dort die Schlussphase, in der Ministerinnen und Minister die Gespräche übernehmen.

Zur Halbzeit der Konferenz von 196 Staaten hat es nur wenige Fortschritte gegeben. So wächst die Sorge, dass das geplante Abkommen mit neuen Naturschutzvorgaben für 2030 nicht die konkreten, messbaren Ziele und einen effektiven Überwachungsmechanismus enthalten wird, der für eine Trendwende bei der Biodiversität nötig wäre. Für die Schlussrunde sind fünf Themenblöcke vorgesehen, in denen die wichtigsten Punkte des Rahmenabkommens behandelt werden. Dabei geht es vor allem auch um die Finanzierung des Naturschutzes in den ärmeren Ländern und um das Zurückfahren der naturschädlichen Subventionen.

UN-Biodiversitätskonferenz: Streit über Subventionen

Letzteres erwies sich bisher in Montreal als einer der Hauptknackpunkte. Die Regierungen sind uneins, ob und wie die Finanzierung schädlicher Aktivitäten wie einer nicht nachhaltigen Landwirtschaft und Fischerei beendet werden kann. Hier geht es um große Summen. Der Unternehmenszusammenschluss „Business for Nature“ schätzt, dass die Regierungen weltweit pro Jahr rund 1,8 Billionen Dollar für die Subventionierung von Aktivitäten ausgeben, die Natur zerstören, darunter die Nutzung fossiler Brennstoffe sowie die Förderung von Agrar-Monokulturen.

Die EU unterstützte auf dem Gipfel einen Vorschlag, die schädlichen Subventionen bis 2025 komplett herunterzufahren und das Geld in den Naturschutz umzulenken. „Die vorhandenen Ressourcen müssen effektiver genutzt werden, unter anderem durch die Ausrichtung aller Finanzströme auf naturfördernde Ziele und durch die Beseitigung schädlicher Subventionen“, hieß es in einer Erklärung. Länder wie Indien und Japan hingegen haben sich gegen eine komplette Abschaffung der Subventionen ausgesprochen. Indiens Verhandlungsführer Vinod Matur sagte im Vorfeld des Gipfels, die armen Landwirte in seinem Land bräuchten „sowohl soziale als auch wirtschaftliche Unterstützung“. Japan wiederum drängte darauf, in dem Verhandlungstext Verweise auf Agrar- und Fischerei-Subventionen zu streichen.

Zu Beginn des Gipfels hatte UN-Generalsekretär Antonio Guterres betont, die Abschaffung schädlicher Subventionen sei zentral. „Wir brauchen ein Abkommen, das die Ursachen dieser Zerstörung angeht – schädliche Subventionen, fehlgeleitete Investitionen, nicht nachhaltige Nahrungsmittelsysteme und die Konsum- und Produktionsmuster“, sagte er.

UN-Biodiversitätskonferenz: Entwicklungs- und Schwellenländer fordern 100 Milliarden Euro jährlich

Gipfelbeobachter:innen waren sich einig: Das Subventionsthema wird in der Gipfel-Schlussrunde einer der Hauptstreitpunkte sein, ebenso wie die Frage nach einer Finanzierung der Naturschutzaufgaben und des Managements von Schutzgebieten. Brasilien, das in Montreal eine Koalition von Ländern aus Afrika, Asien und Lateinamerika anführt, betonte, ein starkes Abkommen benötige auch eine starke finanzielle Ausstattung, und die Finanzzusagen müssten konkret beziffert werden. Es geht dabei um eine Summe von mindestens 100 Milliarden Euro jährlich, die von den Industrieländern aufgebracht werden müsste. In der Diskussion ist dabei ein zweistufiges Verfahren. Zunächst soll dabei Geld für die nächsten zwei Jahre durch Zusagen „eingesammelt“ werden, und danach soll eine längerfristige Strategie zum Aufwachsen der Summen greifen.

Fachleute von Umweltverbänden zeigten sich nach der ersten Verhandlungswoche sehr enttäuscht. In den Gesprächen sei „das anfänglich hohe Ambitionsniveau für den globalen Schutz der Biodiversität Stück für Stück ausgehöhlt worden“, sagte die Expertin des Naturschutzbundes (Nabu), Magdalene Trapp, der FR. Aktuell steuere man auf einen Minimalkompromiss zu, der den Verlust der Arten und Lebensräume bis 2030 weder stoppen noch umkehren könnte. „Damit laufen wir große Gefahr, eine Million bedrohten Arten in den nächsten Jahren zu verlieren”, sagte sie.

Für Deutschland nimmt ab den heutigen Donnerstag Bundesumweltministerin Steffi Lemke (Grüne) an dem Gipfel teil. Er läuft noch bis zum Montag.

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