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Kleiner Nennwert, hohe Herstellungskosten.

Kupfergeld

„Wer den Cent nicht ehrt …“

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Emotionale Debatte über Abschaffung der kleinsten Euromünzen.

Der Vorstoß der EU-Kommission zur Abschaffung von Ein- und Zweicentmünzen hat kontroverse Reaktionen ausgelöst. Bundesfinanzminister Olaf Scholz machte am Mittwoch klar, dass er wenig von der Idee hält. „Ich bin nicht davon überzeugt, dass es richtig ist, dass wir jetzt unsere kleinen Centmünzen abschaffen“, sagte der SPD-Politiker am Mittwoch. Er glaube, „dass es immer möglich sein muss, dass man sein Geld vernünftig ausgeben kann und dass, wenn es kleine Preise gibt, man auch mit kleinen Geldmünzen bezahlen können soll“. Auch CSU-Generalsekretär Markus Blume betonte: „Wer den Cent nicht ehrt, dem ist Freiheit nichts wert! Hände weg von unserem Bargeld.“

Bislang ist unklar, wie konkret die Pläne der Kommission tatsächlich sind. In einem wenige Tage alten Entwurf für ihr Arbeitsprogramm hatte die Kommission noch geschrieben, Ziel geplanter neuer Rundungsregeln sei „die Abschaffung von Ein- und Zweicentmünzen“. In der am Mittwoch veröffentlichten Endfassung ist nur noch die Rede von einer „Evaluation der Nutzung von Ein- und Zweicentmünzen“ mit der „Möglichkeit, gemeinsame Rundungsregeln einzuführen“.

Bei einer Abschaffung der kleinen Münzen müsste bei Barzahlung auf- oder abgerundet werden. In einigen EU-Staaten wird das schon gehandhabt, zum Beispiel in den Niederlanden, in Finnland und auch in Belgien. Im Einzelhandel gelten nun Fünfcentschritte: Kommt die Rechnung zum Beispiel auf 2,93 Euro, und man gibt 2,95 Euro, bekommt man kein Rückgeld. Bei einem Betrag von 2,92 Euro reicht es, 2,90 Euro auf den Tresen zu legen.

Scholz sagte, er habe Zweifel, ob es je so kommen werde. Jedenfalls will die EU-Kommission die Folgen zunächst genau prüfen. Noch sei nichts entschieden, sagte Kommissionsvize Maros Sefcovic in Brüssel. Wichtig seien vor allem einheitliche Regeln für das Runden bei krummen Preisen im Einzelhandel.

Gegner einer Abschaffung der kleinen Münzen befürchten, dass dieser Schritt das generelle Ende des Bargeldes einleitet. Der CSU-Europaabgeordnete Markus Ferber sagte, das Vorhaben der EU-Kommission müsse „alle Alarmglocken schrillen lassen“. Es dürfe hier keinesfalls der Einstieg in den Bargeldausstieg vorbereitet werden. Der Linken-Fraktionschef Martin Schirdewan hat ebenfalls Vorbehalte: „So störend für viele die Ein- und Zweicentmünzen im Alltag sind, muss gerade für diejenigen, für die jeder einzelne Cent zählt, sichergestellt sein, dass die Verbraucherpreise durch die Abschaffung der Münzen nicht steigen werden.“ Nur unter dieser Bedingung könnte er einen solchen Vorschlag unterstützen, meinte Schirdewan.

Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Oliver Krischer nannte den Vorstoß hingegen gut und überfällig. Die Kleinmünzen seien „eine riesige Ressourcenverschwendung an wertvollen Metallen“. Tatsächlich gaben die Euroländer 2018 jeweils rund 3,4 Milliarden Eincent- und Zweicentstücke aus.

Auch der finanzpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Lothar Binding, sprach von einem klugen Schritt, wenn sich alle EU-Staaten einheitlich auf die Abschaffung der Kleinmünzen einigen könnten. Er verwies ebenfalls auf die hohen Produktions- und Gebrauchskosten für das Kleingeld. Eine Gefahr, dass es damit zu einer Abschaffung des gesamten Bargeldes kommen könnte, sah er nicht.

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