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„Larry Fink schreibt Briefe darüber, wie schlecht Kohle ist, denn das ist sein Hobby, und er wird euer Geld in Kohle investieren, denn das ist sein Job“, mokiert sich Bloomberg-Autor Matt Levine.

Analyse

Blackrock will in den Klimaschutz investieren - wenn sich’s lohnt

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Vermögensverwalter Blackrock will stärker in den Klimaschutz investieren. Doch was sind die Motive, wie ernst ist das zu nehmen? Die Analyse.

In der Finanzszene ist man ganz aufgeregt: Der größte private Vermögensverwalter der Welt, die US-Gesellschaft Blackrock, will ihre Geldanlagen künftig mehr am Klimaschutz ausrichten. Als gute Nachricht wird das gefeiert, weil man weiß: Gesellschaften, die Milliardengelder verwalten und verteilen, haben mehr Einfluss auf die Unternehmen als noch so viele Demonstrationen für den Klimaschutz. Nun ist es immer begrüßenswert, wenn Stimmen aus der Finanzwelt sich für Nachhaltigkeit einsetzen. Die Ankündigung von Blackrock zeigt jedoch gleichzeitig die engen Grenzen dieses Einsatzes.

Die Finanzwelt erlebe durch den Klimawandel eine „fundamentale Umwälzung“ schreibt Blackrock-Chef Larry Fink an seine Kunden. Dem müsse sich auch die Finanzwirtschaft stellen. Es gehe daher darum, aus Investitionen auszusteigen, die hohe Risiken im Bezug auf Nachhaltigkeit aufweisen, zum Beispiel Kohle. Nachhaltigkeit müsse ins Zentrum der Anlagestrategie rücken.

Das klingt erst einmal gut. Schließlich ist Blackrock mit einem Anlagevermögen von sieben Billionen Dollar ein Riese unter den Geldverwaltern. Das erste Problem ist jedoch: Von diesen sieben Billionen hat Blackrock 4,6 Billionen in sogenannten „passiven Investments“ angelegt. Dies sind zum Beispiel Fonds, die Aktienindizes wie den S&P 500 exakt nachbilden. Alle Klimasünder, die in diesen Indizes enthalten sind, kauft Blackrock also automatisch, es findet keine gezielte Aktienauswahl statt. Etwa zwei Drittel des Blackrock-Vermögens stehen für die Investition in Nachhaltigkeit also nicht zur Verfügung.

Auch das verbleibende Drittel des Vermögens, das Blackrock aktiv managt, fließt nicht unbedingt in den Klimaschutz. Im Brief an die Kunden erwähnt Fink zwar, dass Blackrock dabei sei, seine Investments aus Unternehmen herauszuziehen, die mehr als ein Viertel ihrer Einnahmen mit Kohleproduktion machen. Doch unter den Wertpapieren, die Blackrock weiter kauft, dürften weiter Titel einiger der größten Kohleproduzenten sein. Denn ihr Geschäft ist so breit gestreut, dass Kohle weniger als 25 Prozent ihrer Einnahmen ausmacht. „Larry Fink schreibt Briefe darüber, wie schlecht Kohle ist, denn das ist sein Hobby, und er wird euer Geld in Kohle investieren, denn das ist sein Job“, mokiert sich Bloomberg-Autor Matt Levine. Anzumerken ist auch, dass Blackrock laut Bloomberg neben der saudischen Regierung der größte Aktionär des größten Ölkonzerns der Welt, Saudi Aramco, ist.

Sein Engagement für Nachhaltigkeit begründet Fink sehr eindeutig: Der Klimawandel sei eine Bedrohung für die Menschheit, vor allem aber eine Bedrohung der Anlagerendite: „Klimarisiken sind Investment-Risiken.“ Der Blackrock-Chef schreibt nicht: „Sorry, wir haben Milliarden mit klimaschädlichen Anlagen verdient, aber jetzt müssen wir auf Rendite verzichten zum Wohle der Umwelt.“ Vielmehr sei es seine „Überzeugung, dass nachhaltigkeits- und klimaintegrierte Portfolios bessere risikobereinigte Erträge für Investoren bieten können“. Kurz: Fink will am Klimaschutz verdienen, zum Beispiel durch Private-Public-Partnerships für öffentliche Infrastruktur. Das bedeutet: Der Vermögensverwalter investiert in den Klimaschutz, weil er davon ausgeht, dass es sich lohnt. Und das bedeutet: nur insoweit es sich lohnt.

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