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Wenn selbst die WG zu teuer ist

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Von: Clemens Dörrenberg

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Die Preise für WG-Zimmer sind im Schnitt um 9,4 Prozent zum Vorjahr gestiegen.
Die Preise für WG-Zimmer sind im Schnitt um 9,4 Prozent zum Vorjahr gestiegen. © dpa

Viele Studierende wohnen bei den Eltern, weil sie sich den Auszug nicht leisten können.

Den Schritt hin zum selbstständigen Wohnen wagen in Deutschland immer weniger Studierende. Statistisch betrachtet lebt mehr als jeder vierte junge Mensch während des Studiums bei der Familie. „Wir erleben, dass immer mehr Studierende zu Hause wohnen bleiben“, sagt auch Michael Voigtländer, der sich beim Institut der deutschen Wirtschaft (IW) mit Finanz- und Immobilienmärkten beschäftigt. Im bundesweiten Schnitt hätten sich die Mietpreise gegenüber dem Vorjahr um 5,9 Prozent erhöht. „Durch den enormen Anstieg der Energiepreise verschiebt sich die Nachfrage in Richtung kleinerer, günstigerer Wohnungen“, berichtet Voigtländer. Weil auch die Zinsen angezogen hätten, suchten mehr Menschen nach Miet- statt nach Eigentumswohnungen. Dadurch verringert sich das Angebot für Studierende auf dem angespannten Mietmarkt weiter.

„Man wünscht es sich und würde gerne auf eigenen Beinen stehen, aber es ist leider nicht möglich“, sagt Stefanie Wiegandt. Die 19-Jährige studiert an der Frankfurter Goethe-Uni im dritten Semester Englisch und Geschichte, um Gymnasiallehrerin zu werden. Nebenbei jobbt sie in einem Kinderhort. Weder vor einem Jahr, als sie ihr Studium unter Corona-Bedingungen am heimischen PC begonnen hat, noch aktuell steht für sie ein Auszug zur Debatte. Die Wartelisten für Wohnheimplätze seien lang, Wohnungen oder WGs zu teuer. „Es war von Anfang an klar, dass es nicht geht“, sagt Wiegandt. Dabei hätten ihre Eltern mehr Einfluss auf ihr Leben, als ihr lieb ist, berichtet die Studentin. Wäre es etwa nach ihr gegangen, hätte die junge Frau lieber Soziale Arbeit statt Lehramt studiert, aber die Eltern hätten sie vom Gegenteil überzeugt.

700 Euro für ein Zimmer

Paul Zundel beginnt demnächst sein Studium der Umwelttechnik in Rüsselsheim. Nur kurzzeitig habe er nach WG-Zimmern Ausschau gehalten und sei bei Angeboten von 500 bis 700 Euro schnell abgeschreckt gewesen. „Es ist aktuell alles relativ teuer“, sagt der 20-Jährige, der nun nicht nach Rüsselsheim ziehen, sondern die rund eineinhalb Stunden von seinem Wohnort Hanau pendeln werde. „Ich würde lieber von zu Hause ausziehen, um selbstständiger zu werden und näher dran zu sein“, sagt Zundel. „Mehr persönliche Freiheit und Unabhängigkeit von den Eltern“ würde er sich davon versprechen.

Ökonom Voigtländer fordert von der Politik, „beim Wohnungsbau nicht nachzulassen“. Insbesondere müssten mehr Studierendenwohnheime gebaut werden.

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