Zur Not setzen sich Benedikt Eichhorn (l.) und Thomas Pigor auch an die Kasse der Bar jeder Vernunft, lieber aber sind sie auf der Bühne.
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Zur Not setzen sich Benedikt Eichhorn (l.) und Thomas Pigor auch an die Kasse der Bar jeder Vernunft, lieber aber sind sie auf der Bühne.

BER-Satiren

Wenn das Gift sachte träufelt

Das Berliner Kabarettisten-Duo Pigor & Eichhorn macht sich in seinem neuen Programm über die Dauerbaustelle BER lustig. So wie viele andere auch. Am Ende kann wohl nur noch Chuck Norris das Flughafen-Debakel in den Griff bekommen.

Von Elmar Schütze

Pigor singt und Eichhorn muss begleiten. Wer sich auf den Kleinkunstbühnen der Stadt ein bisschen auskennt, hat das Motto von dem Sänger und seinem Knecht vielleicht schon einmal gehört. Sänger Thomas Pigor und Pianist Benedikt Eichhorn gehören seit 1995 fest zur Kabarett- und Chanson-Landschaft nicht nur der Hauptstadt. Zuletzt gab es 2010 den Deutschen Chansonpreis. Besonders stolz sind sie auf die Begründung. Kein Wunder.

Mit „Sternstunden intelligenter Unterhaltung auf allerhöchstem Niveau“ erfüllte die Jury den Tatbestand der Lobhudelei. Ab Freitag kann sich das Berliner Publikum in der Bar jeder Vernunft wieder eine eigene Meinung über das eigenwillige Duo machen. „Das Konzert“, heißt das Programm.

Pigor singt also. Und wie Pigor singt: lässig, cool, mit süddeutschem Akzent und dabei herrlich gehässig. So was zum Beispiel: „In den Brandenburger Sand setzen wir ganz entspannt den Airport Willy Brandt“. Und weiter, mit textlich leicht verändertem Original-Ton Ronald Reagan: „Mr. Wowereit, open this gate!“ Oder, frei nach Ernst Reuter: „Völker der Welt, schaut auf diese Stadt, die mal wieder alle Rekorde hält: der leiseste Flughafen der Welt.“ Er säuselt es, lässt das Gift sachte träufeln.

Mit dem BER-Song ist dem Berliner Duo ein kleiner Hit gelungen. Und das kam so: Über die Jahre hatten sie immer wieder Radioanstalten Chanson-Reihen mit aktueller Thematik angeboten, mal ging es um Jürgen Trittin, mal um Boris Jelzin, mal um Shawne Borer-Fielding. Keiner wollte die Lieder haben.

„Tegel streicht nicht die Segel“

Vor drei Jahren meldete sich doch der Südwestrundfunk (SWR). Seit November 2010 liefert nun Thomas Pigor dort jeden Monat einen „Chanson des Monats“ ab, bissig, charmant, im besten Falle lustig. Doch keiner schlug so ein wie das Lied über den Kapriolen-Flughafen BER, der September-Chanson des Jahres 2012. In der Abendschau lief er bereits, in den Tagesthemen und bei Günther Jauch als Einspieler.

Interpretiert Pigor im Videoclip des SWR den „Berlin-Airport-Song“ solo, so wird er für die Auftritte in der Bar jeder Vernunft neu arrangiert. Schließlich sollen auch Pianist Eichhorn und die für dieses Programm eigens engagierte Pop- und Rock-Band auf der Bühne auch zum Zuge kommen. „Das Lied ist ein Pfund, mit dem wir wuchern wollen“, sagt Benedikt Eichhorn. „Wir sind natürlich sehr froh, wie es derzeit läuft.“ An hundert Tagen im Jahr sei man auf Tournee, sagt er. Nun also mal wieder ein Heimspiel.

Im Gespräch in der Bar jeder Vernunft vier Tage vor der Premiere am Freitag bleibt übrigens von der Rollenverteilung – hier das Alphatier Pigor, dort der geknechtete Eichhorn – wenig übrig. Pianist Eichhorn, 50 Jahre alt und aus dem Münsterland, darf durchaus mitreden, Sänger Pigor, ein 56-jähriger Pfälzer, lässt ihm die Luft dazu. „Wir wollen ein Rosinen-Programm mit Themen querbeet machen“, erzählt Eichhorn.

Und da haben sich tatsächlich einige angesammelt, seitdem das Duo in den 90er Jahren im Umfeld der Berliner Lesebühnen zueinander fand: Der Rap „Nieder mit IT“ ist so einer, ein mitreißendes Stück über die seelenlose Tyrannei der Computer. Oder „Kevin“, wenn sie besingen, wie es sein wird, „wenn der erste Bundeskanzler Kevin heißt“. Und natürlich „Heidegger“, der wohl einzige Pop-Song über den Philosophen, in dem sie nach dem „Sinn vom Sein“ fragen.

Wenn man Pigor fragt, ob ihm zum Thema Flughafen noch etwas einfällt, sagt er: „Schönefeld war eine politische, also unsinnige Entscheidung. Vielleicht mache ich ja irgendwann doch noch den Song ,Tegel streicht nicht die Segel’.“

Pigor & Eichhorn – Das Konzert:

1. bis 14. Feb. Mo-Sa 20 Uhr, So 19 Uhr.

Bar jeder Vernunft, Schaperstr. 24.

Liedtext:

Mr. Wowereit, open this gate!
In den Brandenburger Sand
Setzen wir ganz entspannt
Den Airport Willy Brandt
Open! – Jetzt macht mal nicht so ne Hektik
Seid mal ein bisschen tolerant
Und nervt nicht rum mit dem Termin
Die Mühlen mahlen anders in Berlin
Open this gate! – Is ja gut!
Klar wir ham mal irgendwann gesacht
Im Juni 2012 wird das Ding aufgemacht
Wir hams ja selber gedacht. Doch auf einmal Brand-
Schutzprobleme… beim Airport Willy Brandt!
Hätten wir ihn Marlene Dietrich Airport genannt
Hätten wir jetzt, keine Frage, Probleme mit der Schließanlage
Mann es ist doch das Normalste von der Welt
Dass man mal einen Termin nicht einhält
Was soll der Affentanz?
Hey Leute: Toleranz!
In den Brandenburger Sand
Setzen wir ganz entspannt
Den Airport Willy Brandt.

(Auszug aus dem „Berlin-Airport“-Song)
Text u. Musik: Thomas Pigor

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