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Rio-Blog

Wenn die Erde kippt

Seit Jahrhundert beeinflusst die Menschheit ihre Umwelt maßgeblich. Nun haben Wissenschaftler ein neues, nach ihr benanntes Erdzeitalter geschaffen, das „Anthropozän“. Es zeichnet sich durch Klimawandel, Artenschwund und Ressourcenraubbau aus. Der Punkt an dem die Erde nicht mehr zu retten ist, rückt näher.

Es klingt dramatisch. Und es ist dramatisch. „Wir sind besorgt. Die wissenschaftlichen Beweise sind eindeutig. Wir sind an der Schwelle zu einer Zukunft mit beispiellosen Umweltrisiken.“ So beginnt der Text, der die über 100 Staats- und Regierungschefs aufrütteln soll, die ab Mittwoch zum Rio-Gipfel kommen. Nobelpreisträger, andere Top-Wissenschaftler und Elder Statesmen haben ihn verfasst.

Die Menschheit habe ein neues, nach ihr benanntes Erdzeitalter geschaffen, das „Anthropozän“. Stolz darauf allerdings kann man wohl nicht sein. Denn die Veränderungen, die die sieben Milliarden Erdbürger auf dem Planeten mit Klimawandel, Artenschwund und Ressourcenraubbau anrichten, bergen, so die Experten, eine extreme Gefahr: Sie können „abrupte und irreversible Veränderungen auslösen - mit katastrophalen Folgen für die menschliche Gesellschaft und das Leben, wie wie sie kennen.“

Gro Harlem Brundlandt, die frühere norwegische Ministerpräsidentin, stellte den Appell jetzt zusammen mit ihrer Ex-Kollegin Tarja Halonen aus Finnland und drei Professoren vor. Brundtland kennt sich in der Materie besten aus - die von ihr geleitete Brundtland-Kommission machte vor 25 Jahren den Begriff „nachhaltige Entwicklung“ populär, der dann 1992 beim ersten UN-„Erdgipfel“ in Rio die Weihen der Weltgesellschaft bekam. Ihr Bilanz ist ernüchternd. „Wenn wir umgesetzt hätten, was wir 1992 beschlossen haben, wären wir heute viel weiter.“ Die Wissenschaft zeige jetzt unzweideutig: Fünf vor zwölf ist schon vorbei. Sozusagen allerhöchste Eisenbahn, etwas zu tun.

Die Experten warnen: Es kommen Kipp-Punkte des Erdsystems in Sicht. Das sind abrupte Veränderungen, die einmal eingeleitet, nicht mehr reversibel sind – selbst wenn einschneidenden Umweltschutz-Maßnahmen ergriffen würden. Beispiele: Das Eisschild der Arktis könnte abschmelzen und den Meeresspiegel langfristig um sieben Meter ansteigen lassen, der Amazonas-Regenwald, die Klimamaschine der Erde, könnte austrocknen und der indische Monsun instabil werden, von dem die Ernährung von vielen Millionen Menschen abhängt. Dass solche Gefahren tatsächlich bestehen, sei unter Experten praktisch nicht mehr umstritten. Der Klimaforscher Hans-Joachim Schellnhuber, Chef des Potsdam-Instituts, versicherte in Rio: „Die Wissenschaft spricht mit einer Stimme.“

Fragt sich nur, ob die Politiker sie hören. Immerhin haben Autoren besagter der Deklaration „Die Zukunft, die wir wählen“ die Zusage bekommen, dass sie ihrer Sicht der Dinge den politischen Bigshots aus aller Welt vortragen dürfen. Sie werden mit an den vier runden Tischen sitzen, zu denen Weltenlenker wie José Manuel, Francois Hollande oder Hillary Clinton auf dem Rio-Gipfel zusammenkommen werden. Ob das die Blockaden lösen kann, in denen die Verhandler bisher stecken? „Man muss es versuchen“, sagte Schellnhuber. Er immerhin hat noch Hoffnung.

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