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Die Reste des verbrannten Teslas und sein Besitzer im österreichischen Walchsee.

Problem Batterieentsorgung

Wenn das E-Auto auf den Schrott muss

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In Österreich wird ein ausgebrannter Tesla zum gefährlichen Sondermüll – das wirft Fragen auf.

Ein Tesla brennt aus – und der Umgang mit dem möglicherweise gefährlichen Wrack macht in ganz Europa Schlagzeilen: Sechs Wochen lang stand das Unfallfahrzeug beim Abschleppunternehmer, der sich prompt öffentlich empörte, niemand könne ihm bei der Entsorgung helfen. Allerdings zeichnet sich ab, dass der Fall keineswegs typisch für den Umgang mit defekten Elektroautos ist.

Mittlerweile ist der Akku, der für Aufregung sorgte, ausgebaut und entsorgt. Bis dahin war es ein langer Weg: Der ausgebrannte Stromer war bei einem Abschleppunternehmer gelandet, der allerdings keinen Verwerter für die Batterie fand. Denn offenbar traute sich in Österreich kein Unternehmen an die nach dem Feuer möglicherweise gefährliche Batterie heran.

„Einen ähnlichen Fall hat einer unserer Betriebe auch schon erlebt“, berichtet Stefan Jacobs, Geschäftsführer des Verbands der Deutschen Abschleppunternehmer. Wie in Österreich habe ein Unternehmen ein ausgebranntes Elektroauto geborgen. „Die haben zwei Monate gebraucht, um das wieder loszuwerden“, erzählt Jacobs – und betont, dass sich sein Verband dafür beim Hersteller stark machen musste.

Eigentlich ist klar geregelt, wie mit defekten Batterien umzugehen ist. Dass die nicht ungefährlich sind, bestätigt die Bundesanstalt für Materialforschung und -Prüfung (BAM). Bei leichten und mittleren Schäden ist laut BAM-Expertin Anita Schmidt deshalb eine spezielle, für Gefahrgut zugelassene, Transportbox nötig, um den Lithium-Ionen-Akku zu transportieren. Mehrere Hersteller bieten derartige Lösungen an. Die sollen verhindern, dass eine chemische Reaktion der beschädigten Batterie bei einer Selbstentzündung Schäden anrichtet.

Akku-Brände sind sehr selten

Komplizierter ist der Umgang mit schweren Schäden: Zwar betonen sowohl BAM als auch die Prüfeinrichtung Dekra, dass Akku-Brände sehr selten sind. Doch hat eine Batterie einmal Feuer gefangen, muss sie über Tage hinweg gekühlt werden. In dem Fall rät das BAM zum Transport samt einer Kühlvorrichtung – beispielsweise in Gestalt eines mit Wasser gefüllten Muldenlasters.

Doch wie schwer die sensiblen Batterien beschädigt sind, ist nicht immer leicht einzuschätzen. Rettungskräften und Abschleppunternehmen stehen mittlerweile umfangreiche Datenblätter mit Informationen zur Verfügung. Allerdings dürfen laut Jacobs nur für Hochvolt-Fahrzeuge geschulte Pannenhelfer den Abtransport organisieren. Die gebe es aber noch nicht in jedem Betrieb, warnt er.

Bei den Verwertern, wo Unfallautos im Regelfall nach dem Abschleppen landen, ist man entspannter im Umgang mit der neuen Technologie. „Unsere Leute sind vielleicht verunsichert, aber Probleme gibt es nicht“, sagt Claudia Haupt, beim Verband Deutscher Stahlrecycling- und Entsorgungsunternehmen für die Autoverwertung zuständig. Sie sieht Fortschritte, unter anderem, weil die Hersteller mittlerweile viele Informationen zur Verfügung stellten. Unternehmen wie BMW schickten bei Problemen auch spezialisierte Mitarbeiter zu Betrieben, die mit einzelnen Fahrzeugen überfordert sind.

Grundsätzlich gehen Unfall-E-Autos aber den gleichen Weg wie die Verbrenner: Die Batterie wird ausgebaut, die Hersteller sind gesetzlich verpflichtet, die Akkus zurückzunehmen. Danach wird die Karosserie verwertet.

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