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Hessisches AKW Biblis: Die Behälter mit Atommüll sind für 2020 angekündigt.

Atommüll

Wenn der Castor kommt

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Biblis und Philippsburg sollen als erste Standorte Atommüll aus La Hague und Sellafield zurücknehmen.

Protest, Sitzblockaden, massive Polizeieinsätze: Alljährlich im Herbst setzten die Castor-Transporte aus der französischen Atom-Wiederaufarbeitungsanlage La Hague die halbe Republik in Aufruhr. Das ist vorbei. Der letzte dieser Transporte fand 2011 statt. Doch es wird, voraussichtlich ab dem nächsten Jahr, neue Atomfuhren geben – in die Zwischenlager, die an den Atomkraftwerken Biblis, Philippsburg, Brokdorf und Isar stehen. Das Bundesamt für kerntechnische Entsorgungssicherheit (BfE) versucht nun, die in den betroffenen Kommunen dadurch zusätzlich angeheizten Befürchtungen zu entkräften, sie könnten dauerhaft auf demAtommüll sitzen bleiben – weil kein geeigneter Standort für ein Endlager gefunden wird.

Es geht um insgesamt 26 Castoren, fünf aus La Hague und 21 aus der britischen Atomfabrik Sellafield. Sie werden auf die vier Standorte aufgeteilt. Zuerst stehen die Fuhren nach Philippsburg in Baden-Württemberg und nach Biblis in Hessen an, hier werden die Genehmigungsverfahren für die Einlagerung der Atombehälter zuerst durchgeführt. Der Stromkonzern EnBW hat einen Antrag für den Philippsburg-Transport für 2019 gestellt, RWE plant die Biblis-Fuhre für 2020. In Phillippsburg war der Widerstand bisher am heftigsten. Bürgermeister und Gemeinderat befürchten, dass die Castoren unter Umständen mehr als 30 Jahre in Philippsburg geparkt werden müssen. In Biblis ist der Protest weniger stark, doch auch hier gibt es Bedenken gegen solche Zeiträume. 

BfE-Präsident Wolfram König sagte am Dienstag auf einem Info-Abend in der südhessischen Gemeinde: „Wichtigste Voraussetzung für die Region Biblis, um die radioaktiven Hinterlassenschaften der Atomenergie-Nutzung in Deutschland dauerhaft in Sicherheit zu wissen, ist ein Endlager für hochradioaktive Abfälle.“ Die Suche danach müsse „zügig“ ablaufen, betonte er, es handele sich dabei um eine „gesamtgesellschaftliche Aufgabe“.

Die Endlagersuche wurde im Jahr 2015 neu gestartet, der am besten geeignete Standort soll bis 2031 gefunden sein, dann folgt der Ausbau. Bis zur Eröffnung des Lagers dürfte es bis Mitte des Jahrhunderts dauern. Solange müssen die Castoren auf jeden Fall in den Zwischenlagern bleiben. „Oberste Priorität“ müsse es sein, sie sicher zu verwahren, sagte König.

Eine strahlende Altlast 

Der Amtschef verwies aber auch darauf, dass es sich bei den Rückfuhren aus Sellafield um radioaktives Material handelt, das „in Deutschland produziert wurde“. Zu Deutsch: für das Deutschland auch Verantwortung trägt. 

Es handelt sich um Reststoffe aus der Wiederaufarbeitung. Das Problem stammt aus der Zeit vor 2002. Bis dahin schickten   die AKW-Betreiber ihre abgebrannten Brennstäbe nach La Hague und Sellafield, wo sie Mox-Brennstäbe produzieren ließen, die Uran und Plutonium enthalten. Die Verträge sehen vor, dass sie den dabei angefallenen Müll zurücknehmen müssen, und die Bundesregierung hat die Rücknahme völkerrechtlich abgesichert. 

Die Atomgegner aus der Region Biblis lassen sich davon nicht beeindrucken, sie lehnen die nach Südhessen geplanten Lieferung von sieben Castoren aus Sellafield ab - aus Sicherheitsgründen. Der aus Nordengland nötige Schiffstransport samt der nötigen Umladungen sei besonders kritisch zu sehen, sagte Ingo Hoppe von der NGO „AK.W.ENDE Bergstraße“ der FR. Zudem rechnet er damit, dass ein Endlager nicht um 2050, sondern erst Jahrzehnte später fertig sein wird. „Für solche Zeiträume sind die Castoren gar nicht ausgelegt.“ 

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