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Ein echter Lufthanseat: Carsten Spohr.

Lufthansa Carsten Spohr

Weniger Zeit fürs Cockpit

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Nach langem Rätselraten wird Carsten Spohr neuer Lufthansa-Chef. Der 47-Jährige hat sich über viele Stationen nach oben gearbeitet.

Im Cockpit sitzt er nur noch selten. Er lässt sich zu seinen vielen Terminen fliegen. Carsten Spohr nutzt jede Gelegenheit um zu betonen, dass er das bedauert. So wird das Image vom Manager mit der Leidenschaft für die Fliegerei gepflegt. Künftig wird Spohr wohl noch seltener auf dem Pilotensitz Platz nehmen. Denn er wird im übertragenen Sinn der Kapitän der Lufthansa. Gestern hat der Aufsichtsrat entschieden, den gelernten Flugzeugführer und Wirtschaftsingenieur per 1. Mai zum neuen Vorstandsvorsitzenden zu machen.

Nachdem Noch-Chef Christoph Franz im vergangenen September seinen Abgang zum Pharmakonzern Roche bekannt gegeben hatte, wurde Spohr prompt als Top-Kandidat für die Nachfolge gehandelt. In der dynastischen Logik, die in der Lufthansa bei der Besetzung von Top-Positionen seit jeher gilt, war er die Nummer eins in der Rangfolge.

Der 47-Jährige hat sich über viele Stationen nach oben gearbeitet. Nach Wirtschaftsingenieurs-Studium und Pilotenausbildung wurde er auf die klassische LH-Karriereschiene gesetzt. Die erste Station war die Personalabteilung. 2007 übernahm er die Verantwortung für die Cargo-Sparte. 2011 stieg er in den Vorstand auf, war fortan für das Passagiergeschäft zuständig. Und in dem Job überzeugte er.

Er war der Manager, der die Hauptlast des ehrgeizigen und komplexen Umbauprojekts der Airline trug, mit der sie gegen die Billigflieger im Europa-Geschäft und gegen die staatlich subventionierten Fluglinien vom persischen Golf bestehen soll.

Ein „Kumpeltyp“

Die Zahlen sprechen für ihn. In den ersten neun Monaten 2013 konnte er die Gewinne des Passagiergeschäfts massiv steigern. Er hat die Kosten gedrückt, und war dabei immer gut gelaunt, zumindest bei seinen öffentlichen Auftritten. Spohr kann sein Zu-spät-Kommen bei einer Pressekonferenz und einen bösen Blick von Christoph Franz weglächeln und mit einer flapsigen Bemerkung anreichern. Spohr ist das Kontrastprogramm zum scheidenden Chef, der als todernster Technokrat gilt.

Er gehört zu den Managern, mit denen man sich vorstellen kann, nach Feierabend ein Bier zu trinken. „Kumpeltyp“ lautet das Etikett dafür. Dass er auch anders kann, wissen Arbeitnehmervertreter, die mit ihm über Bezahlung und Arbeitsbedingungen verhandelt haben. Hart und verbissen sei diskutiert worden, heißt es.

Doch warum hat es fünf Monate bis zu seiner Ernennung gedauert? Das wird das Geheimnis des Aufsichtsratschefs Wolfgang Mayrhuber bleiben. Er habe gründlich suchen wollen, vermuten Branchenkenner. Das ist eine wohlwollende Einschätzung. Die andere Variante ist, das der Neue schon vor seinem Amtsantritt geschwächt ist, weil die Vermutung bleibt, dass der Aufsichtsrat andere Kandidaten im Auge hatte, die abwinkten – sogar Ex-Telekom-Chef René Obermann stand angeblich auf der Liste.

Gleichwohl, Spohr wird viel zugetraut, weil er einerseits den komplexen LH-Konzern in- und auswendig kennt und er andererseits den Job „kommunikativer und motivierender“ als sein Vorgänger angehen werde, so ein Insider.

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