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September 2020 im kalifornischen Santa Rosa: Gewaltige Feuer nähern sich über die Hügel den Siedlungen.
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September 2020 im kalifornischen Santa Rosa: Gewaltige Feuer nähern sich über die Hügel den Siedlungen.

Copernicus-System

Trotz Klimawandel weniger Waldbrände

  • Joachim Wille
    vonJoachim Wille
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Der globale Trend ist trotz des Klimawandels positiv. Kein Grund zur Beruhigung, warnen Fachleute. Denn in den betroffenen Gebieten wüten die Feuer umso schlimmer.

Vor einem Jahr hielten die Mega-Brände in Australien die Welt in Atem. Buschfeuer in sechs Bundesstaaten und Territorien, die bis zum März 2020 andauerten, verwüsteten in einer extrem langen und heftigen Feuersaison mehr als zwölf Millionen Hektar Land. Rund 30 Menschen kamen in den Bränden direkt ums Leben, mehr als 445 durch die Folgen der Luftverschmutzung, ebenso nach Schätzungen eine Milliarde Tiere.

2020 gab es auch extreme Brände in Kalifornien

Schlagzeilen machten 2020 auch extreme Brände in Kalifornien, in der Karibik, in Sibirien und Südbrasilien. Trotzdem loderten in diesem Jahr weltweit insgesamt weniger Feuer als im Vorjahr – und das bestätigt den absteigenden Trend bei den Bränden in den vergangenen beiden Jahrzehnten.

Über die positive Entwicklung, die angesichts der global und regional steigenden Temperaturen zunächst überraschend erscheint, berichtete jetzt der „Copernicus Atmosphere Monitoring Service“, eines der Erdbeobachtungsprogramme der EU. Da die Feuer rückläufig waren, sanken auch die dabei frei werdenden Treibhausgas-Frachten. So wurden laut Copernicus 2020 bis zum 7. Dezember 1,69 Milliarden Tonnen Kohlenstoff durch Brände in die Atmosphäre ausgestoßen, entsprechend 6,2 Milliarden Tonnen CO2. Sie kommen zu den fossilen Emissionen von 37 Milliarden Tonnen CO2 hinzu. Im vorigen Jahr waren es im gleichen Zeitraum 1,87 Milliarden Tonnen Kohlenstoff gewesen. In sieben Jahren seit 2000 hatten die Emissionen über 2,0 Milliarden Tonnen betragen. Höchstwerte mit rund 2,2 Milliarden gab es 2003, 2012 und 2015.

Donald Trump machte Forstpolitik für Waldbrände verantwortlich

Copernicus stellt fest, dass die Brandaktivitäten im Süden der Tropen Afrikas, sonst einer der Hotspots weltweit, dieses Jahr sehr niedrig waren. In anderen Regionen, in denen natürlicherweise Waldbrände vorkommen, waren sie dagegen ungewöhnlich stark. „2020 war ein verheerendes Jahr für die am schlimmsten betroffenen Gebiete“, erläuterte der Wissenschaftler Mark Parrington.

Der Experte betont, dass die Emissionsmengen seit dem Start der genauen Beobachtung von Wald- und Flächenbränden im Copernicus-System 2013 tendenziell zurückgehen. Dies liege aber vor allem an einer verbesserten Brandbekämpfung und Maßnahmen, um den Ausbruch von Feuern zu verhindern. „Das ist kein Grund, sich auszuruhen, im Gegenteil“, sagte Parrington. Die Intensität der Brände in betroffenen Regionen habe teilweise neue Rekorde erreicht, weil die Gebiete wärmer und trockener gewesen seien. „Dadurch wurden auch mehr Schadstoffe freigesetzt, die sich teilweise tausende Kilometer weit verbreiteten, und so die Luftqualität für Millionen Menschen beeinträchtigten.“

Ein Beispiel dafür waren laut Copernicus im Herbst die besonders schweren Brände im Westen der USA, die dort nach den sehr heißen und trockenen Monaten August und September ausbrachen. Die Feuer wüteten in den Bundesstaaten Kalifornien, Colorado, Oregon, Washington, Utah, Montana und Idaho. Die Brandaktivität in diesen Gebieten sei teilweise „um ein Hundertfaches höher als der Durchschnitt von 2003 bis 2019 für die gesamte USA“ gewesen. „Die Brände sorgten für eine Unmenge an Emissionen von Rauch und anderen Schadstoffen in die Atmosphäre“, so die Experten. „Rauchschwaden zogen sogar bis nach Nordeuropa.“

Klimawandel: Harmlose Brände eskalieren

US-Präsident Donald Trump machte vor allem eine schlechte Forstpolitik für die Schwere der Brände verantwortlich. Regionale Politiker wie Kaliforniens Gouverneur Gavin Newsom verwiesen dagegen auf den Einfluss des Klimawandels. Tatsächlich ist die Waldbrandsaison in den gesamten USA heute drei Monate länger als noch vor einem halben Jahrhundert. Nach einer Statistik der kalifornischen Forst- und Brandschutzbehörde ereigneten sich 15 der 20 zerstörerischsten Brände seit dem Jahr 2000.

Ein weiterer Hotspot war 2020 wie schon 2019 der nordöstliche Teil Sibiriens und der nördliche Polarkreis. Im Mai gab es laut Copernicus Anzeichen dafür, dass sich Brände nach einem ungewöhnlich warmen Frühling erneut entzündeten, nachdem sie den Winter über im Boden geschwelt hatten. Die Forscher nannten das Phänomen „Zombie-Feuer“. Dass die Brände tatsächlich „überwintert“ hatten, konnte aufgrund fehlender Bodenbeobachtungen in den unwirtlichen Regionen zwar nicht bestätigt werden. Allerdings fiel auf, dass die Brände vor allem in Gebieten auftraten, die auch letztes Jahr betroffen waren.

Im Polarkreis wurde 2020 ein neuer Emissionsrekord aufgestellt. Der CO2-Ausstoß aus den Feuern lag um über 30 Prozent über dem Wert von 2019. „Die Rauchschwaden der Brände erreichten eine Fläche so groß wie ein Drittel von Kanada“, so die Copernicus-Mitteilung.

Eine Entwarnung kann also nicht gegeben werden. Der Großteil der CO2-Emissionen aus Waldbränden weltweit wird weiterhin von Feuern in den Tropen dominiert. Allerdings haben die Dauer und Intensität von Feuern außerhalb dieser Weltregion zugenommen. Wissenschaftler haben festgestellt: Der Klimawandel bewirkt unter anderem, dass sie in Landschaften auftreten, die vorher nicht oder nur wenig betroffen waren – zum Beispiel in der Arktis, wo die Pflanzen nicht an Feuer angepasst sind.

Anderswo treffen Feuer auf veränderte Umweltbedingungen, wodurch ehemals harmlose Brände eskalieren. Manche Landschaften seien heute nicht mehr so feuerresilient wie früher, heißt es dazu bei der Forschungsorganisation. (Joachim Wille)

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