Nach dem Zyklon in Mosambik: Kinder suchen Schutz unter Planen.
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Nach dem Zyklon in Mosambik: Kinder suchen Schutz unter Planen.

Extremwetter

Weniger Tote bei Naturkatastrophen

  • Thomas Magenheim-Hörmann
    vonThomas Magenheim-Hörmann
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Hagelgewitter nehmen in Europa zu - das ist ein Ergebnis der globalen Bilanz, die der Rückversicherer Munich Re zieht.

Trotz der gewaltigen Schadensdimensionen war 2019 nur ein Durchschnittsjahr: Rund 135 Milliarden Euro haben 820 Naturkatastrophen voriges Jahr weltweit in finanzieller Hinsicht gekostet. Das hat der Rückversicherer Munich Re in seiner Naturkatastrophenbilanz ermittelt. Das entspreche dem Schnitt der vergangenen drei Jahrzehnte. Die Assekuranz ist dabei glimpflich davongekommen. Denn versichert war diesmal nur ein Drittel der Schäden, was immer noch 47 Milliarden Euro sind, die Versicherer berappen mussten. Das war untypisch. Im langjährigen Schnitt sei die Hälfte aller Schäden aus Naturkatastrophen versichert, weiß der Chef-Klimaforscher der Munich Re, Ernst Rauch. „Die Versicherungslücken werden immer kleiner“, stellt er mit Blick auf Industrieländer klar.

Das ist keine Selbstverständlichkeit. Einerseits sorgt der Klimawandel für immer mehr Extremwetter und führt damit die Notwendigkeit vor Augen, sich dagegen zu versichern. Andererseits entfacht steigendes Risiko auch Prämiendruck. Wenn Policen teuerer werden, kann oder will sie sich nicht jeder leisten. Nicht die Versicherbarkeit sondern die Bezahlbarkeit von Policen sei deshalb das Problem, sagt Rauch.

Das treffe vor allem Entwicklungsländer und arme Bevölkerungsschichten. So hat ein Zyklon im südostafrikanischen Mozambik 2019 nicht nur gut 1000 Menschenleben gekostet und damit die größte humanitäre Katastrophe des Jahres hinterlassen, sondern auch zwei Milliarden Euro an finanziellem Schaden. Versichert war fast nichts. Bei einem Taifun in Japan als kostspieligstem Versicherungsfall 2019 mit gut 15 Milliarden Euro volkswirtschaftlichem Schaden waren dagegen neun Milliarden Euro versichert.

Ein Hoffnungsschimmer ist, dass die Opferzahlen stetig sinken. Während im Schnitt der vergangenen 30 Jahre rund 52 000 Menschen bei Naturkatastrophen gestorben sind, waren 2019 9000 Tote zu beklagen. In dieser Hinsicht zahlten sich Vorbeugung und Frühwarnsysteme aus, stellt Munich Re klar.

In Europa sei eine Kombination aus Hitzewellen gefolgt von Ernteeinbußen und schweren Unwettern mit Hagel 2019 größter Schadenstreiber gewesen. In Deutschland lag ein Unwetter im Großraum München mit golfballgroßen Hagelkörnern und fast einer Milliarde Euro Schaden an der Spitze der Statistik. Bei ähnlichen Unwettern an der Adria haben die Körner die Größe von Orangen erreicht und Autos wie Hausdächer zerschmettert. „Neuere wissenschaftliche Untersuchungen lassen erwarten, dass Hagelgewitter in vielen Regionen durch den Klimawandel zunehmen“, warnt Rauch. Auch Sturzfluten in Folge von Starkregen seien ein klimabedingt wachsendes Risiko.

Das unterstreicht Ökonomieprofessor Gert Wagner von der TU Berlin. „Starkregen sind das Hauptproblem, weil sie überall auftreten können“, sagt der Ex-Chef des deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung. Für den Sachverständigenrat für Verbraucherfragen (SVRV) hat er als Co-Autor einer Studie Vorschläge zur zukunftsgerechten Absicherungen von Naturgefahren erarbeitet. Im Zentrum steht eine verpflichtende Elementarschadenspolice für Wohngebäude nach spanischem oder französischem Vorbild.

Etwas ähnliches hat es zu DDR-Zeiten schon einmal im Osten Deutschlands gegeben und auf Landesebene in Baden-Württemberg. Nun sei die Zeit wieder reif für eine solche Versicherungspflicht, finden Wagner und der Sachverständigenrat mit Blick auf den Klimawandel. Denn Versicherungslücken gibt es auch hier. Während fast alle deutschen Hausbesitzer gegen Sturm und Hagel versichert sind, haben nur 43 Prozent eine Police gegen Starkregen und Hochwasser.

Hier müsse eine Versicherungspflicht her, weil sonst Staat und damit die Steuerzahler bei Naturkatastrophen geschädigten Hausbesitzern immer wieder finanziell unter die Arme greifen müssen. „Eigentum verpflichtet“, findet Wagner speziell in diesem Punkt. Für 93 Prozent aller Hausbesitzer würde eine Wetterpolice nur 50 bis 100 Euro jährlich kosten. Auch bei riskanten Wohnlagen steige sie kaum über 500 Euro allerdings auf Kosten eines hohen Selbstbehalts. Wer sich die Police nicht leisten kann, solle bezuschusst werden.

Weil es unwahrscheinlich sei, dass die Menschheit den Klimawandel noch stoppt, müsse man sich gegen dessen Folgen wappnen, findet Wagner. Das fordert auch Munich Re-Vorstand Torsten Jeworrek und meint damit Bauvorschriften. „Um den Trend zu steigenden Schäden abzudämpfen, müssen Gebäude widerstandsfähiger gemacht werden“, sagt er. Der SVRV regt zudem finanzielle Förderung für Prävention bei Wohngebäuden und eine systematische Erfassung des Starkregenrisikos an.

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