Wettbewerb

Weniger siegen, mehr gewinnen!

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Welche Freude wäre es, in einer Kultur zu leben, in der wir alle Gewinner sein können.

Möchten Sie lieber ein Siegertyp oder ein Gewinnertyp sein? Ist das nicht das Gleiche? Nein. Je nachdem, wie wir gewinnen und siegen definieren, lässt sich ein entscheidender Unterschied erkennen, der enorme Auswirkungen auf Wirtschaft und Gesellschaft hat.

Dazu ein Gedankenexperiment: Ein Sieger lässt sich mit dem Sieg über andere definieren. Die Grundlage ist der Vergleich mit anderen. Der Blick geht nach außen. Die Motivation kommt von außen. Beispiel Wettkampf: Mensch gegen Mensch, Mannschaft gegen Mannschaft, Firma gegen Firma. Eine Art Duell mit Siegern und Verlierern. Am Ende entsteht eine Rangliste wie im Sport mit Platzierungen von eins bis zehn. Ein Sieger und neun Besiegte.

Ein Gewinner dagegen lässt sich mit dem Sieg über sich selbst definieren. Grundlage bildet sein Vergleich mit dem Ich in der Vergangenheit. Blick nach innen, Motivation von innen. Sie können also Gewinner sein, obwohl Sie besiegt worden sind. Zwar lässt sich aus dem Besiegtwerden kein Sieg machen, aber trotzdem ein Gewinn daraus ziehen. Bei 100 Menschen im Wettkampf gibt es am Ende einen Sieger und 99 Besiegte. Lernen aber alle daraus, haben 100 gewonnen.

Denken wir nur in Sieg oder Niederlage, definieren wir uns über andere. In der mentalen Hölle des Vergleichens wird unser Selbstwertgefühl immer abhängiger davon, wie andere uns sehen. Wir könnten ums Zehnfache über uns hinausgewachsen sein und uns trotzdem am Vergleich aufreiben. Eine clevere Strategie, um daran nicht zu verzweifeln, ist folgende Einsicht: „Ich nutze den Wettbewerb als Entwicklungshilfe. Ich gebe jeden Tag mein Bestes und konzentriere mich auf mein Einflussfeld. Manchmal siege ich, manchmal nicht. Doch ich gewinne jeden Tag, weil ich mich immer weiter entwickle!“ So werden wir unterm Strich zu Gewinnern – die Besten, die wir sein können. Mehr geht nicht!

Ernest Hemingway sagte einst: „Es hat nichts Edles, sich seinen Mitmenschen überlegen zu fühlen. Wahrhaft edel ist, wer sich seinem früheren Ich überlegen fühlt“. Jetzt verstehen wir ihn genau. Welche Freude wäre es, in solch einer Kultur zu leben. In der wir alle Gewinner sein können und trotzdem lernen, uns im Wettbewerb durchzusetzen. Es liegt an uns und unserer Haltung, die wir jeden Tag neu wählen können. Machen Sie mit?

Der Autor ist Führungskräfteentwickler mit eigener Akademie, Vortragsredner und Autor.

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