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Arbeitet dieser Fensterputzer prekär oder regulär? Für Außenstehende ist das nicht zu erkennen.
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Arbeitet dieser Fensterputzer prekär oder regulär? Für Außenstehende ist das nicht zu erkennen.

Arbeitsmarkt

Weniger prekäre Jobs

  • VonStefan Sauer
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Die Daten des Statistischen Bundesamts zeigen: Leiharbeit geht zurück, reguläre Jobs nehmen zu. Ist das die lang ersehnte Wende am Arbeitsmarkt?

Gewerkschaften, Sozialverbände und Opposition beklagen seit Jahren die Zunahme atypischer Beschäftigungsverhältnisse. Der Boom am Arbeitsmarkt sei erkauft mit immer mehr prekären Jobs, niedrigen Entgelten, Leiharbeit und dem Missbrauch von Werkverträgen zur Lohndrückerei. Nun weisen Daten des Statistischen Bundesamts für 2012 einen Rückgang der atypischen Jobs um 146.000 bei gleichzeitiger Zunahme der regulären Beschäftigung um 504.000 aus. Markiert dies eine Trendwende? Die FR gibt Antworten.

Was gilt als atypisch?

Teilzeitarbeit mit weniger als 20 Wochenstunden, Minijobs, befristete Stellen und Leiharbeit. Nicht berücksichtigt sind Schüler, Studenten, Auszubildende und Personen über 64 Jahren. Dies ist sinnvoll, Auszubildende etwa sind grundsätzlich befristet beschäftigt. Würden sie in die Statistik einfließen, gäbe es Fehlinterpretationen: Erhalten mehr junge Leute eine Lehrstelle, ist dies positiv, zugleich stiege dann aber die Zahl der prekären Jobs.

Sind prekäre Beschäftigungsverhältnisse auf dem Rückzug?

Darüber gibt die Statistik nur bedingt Auskunft. Minijobs, Befristungen, Teilzeitstellen und Leiharbeitsverhältnisse bedeuten nicht immer geringes Einkommen oder schlechte Arbeitsbedingungen. Es wäre also zu klären, welcher Qualität der Rückgang der atypischen Beschäftigung gewesen ist. Hierüber sagt die Statistik nichts. Schwerer wiegt, dass kritikwürdige Beschäftigung wie etwa Scheinselbstständigkeit oder Werkverträge zum Zwecke des Lohndumping oft nicht erfasst sind.

Warum zählen Werkverträge nicht?

Weil sie nicht immer atypische oder prekäre Beschäftigung bedeuten. Ein Werkvertrag besagt lediglich, dass ein Unternehmen bei einem anderen eine Dienstleistung einkauft, etwa Wachdienst, IT-Wartung oder Vorprodukte. Für Statistiker oder die Arbeitsagentur ist es unmöglich, Arbeitnehmer in Werkverträgen zu erfassen, geschweige denn „gute“ und „schlechte“ zu unterscheiden.

Gibt es eine Trendwende oder nicht?

Zumindest ist der Trend zur Ausweitung der atypischen Beschäftigung offenbar zum Stillstand gekommen. Zwar ist die Beschäftigung insgesamt auch während der vergangenen Jahre schon gestiegen. Insbesondere die Erwerbstätigkeit von Älteren und Frauen nahm stark zu. 2002 waren gut 16 Millionen Frauen in Deutschland erwerbstätig, 2012 waren es fast 18,2 Millionen. Im gleichen Zeitraum stieg der Anteil der Erwerbstätigen im Alter zwischen 55 und 64 Jahren von 45 auf 64 Prozent. Diesen beiden Entwicklungen ist es zu verdanken, dass die Zahl der Beschäftigten trotz des demografischen Wandels ansteigen konnte. Denn rein vom Umfang der altersbedingten Abgänge und der nachwachsenden Generationen her müssten die Beschäftigtenzahlen jedes Jahr um mehr als 200.000 zurückgehen. Anders als in der Vergangenheit nahmen 2012 atypische Beschäftigungsverhältnisse aber nicht ebenfalls zu, sondern ab. Für den Rückgang der Leiharbeit dürften auch die 2012 eingeführten Mindestlöhne sowie Zusatztarifvereinbarungen verantwortlich sein, die zum Beispiel in der Metall- und Elektroindustrie eine annähernd gleiche Bezahlung von Leih- und Stammarbeitskräften vorsehen.

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