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Der neue Audi-Chef Bram Schot will zur Hauptversammlung am 23. Mai Details zum Sparkurs enthüllen.

VW-Tochter

Audi streicht Dauernachtschicht in Ingolstadt

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Der Autobauer reagiert mit dem Schritt auf Nachfragerückgänge und den Umstand, dass voriges Jahr viele Modelle auf Halde gebaut wurden.

Es dürfte nur der Auftakt zu größerem Ungemach für die 91.000 Beschäftigten des Ingolstädter Premiumherstellers Audi sein. Ab Mai streicht die VW-Tochter im Stammwerk ihre Dauernachtschicht auf einer von drei Montagelinien, erklärten die Ingolstädter. In zähen Verhandlungen mit dem Management hatte sich der Betriebsrat zuvor dazu bereiterklärt. Davon betroffen seien direkt 470 Beschäftigte. Dazu käme eine noch unklare Anzahl von Mitarbeitern in angrenzenden Bereichen. „Kein Mitarbeiter verliert seine Arbeit“, stellte ein Audi-Sprecher klar. Stellen und Standorte sind bis 2025 von einer Betriebsvereinbarung geschützt, die betriebsbedingte Kündigungen untersagt. Das Nachtschicht-Personal soll intern versetzt werden und werde für Anläufe neuer Modelle gebraucht. Die Bedingungen für die Versetzungen stehen noch nicht fest. Weil Nachtarbeit Zulagen bringt, könnten Einkommensverluste damit verbunden sein.

Audi reagiert mit dem Schritt auf Nachfragerückgänge und den Umstand, dass voriges Jahr viele Modelle auf Halde gebaut wurden. Denn die Ingolstädter hatten sich beim neuen Abgastestzyklus WLTP verkalkuliert und konnten ihre Autos nicht fristgerecht zertifizieren lassen. Deshalb wurden sie mit Blick auf eine spätere WLTP-Zertifizierung vorproduziert.

Die Probleme gehen aber tiefer. Das hat vor allem auch mit dem betonten Elektrifizierungskurs des gesamten VW-Konzerns zu tun, der Arbeitsplätze gefährdet. Der Wolfsburger Mutterkonzern hat bereits den Abbau von bis zu 7000 Stellen angekündigt, muss aber wie Audi eine Betriebsvereinbarung wahren. Audi seinerseits werde „entlang der demographischen Entwicklung“ Stellen und damit Kosten abbauen, hatte Finanzchef Alexander Seitz jüngst erklärt.

Das bedeutet, dass pensionsbedingt freiwerdende Stellen zumindest teilweise nicht mehr besetzt werden. Spekulationen, bei Audi könnte auf diese Weise ein Volumen von bis zu 5000 Jobs betroffen sein, wurden bislang nicht offiziell bestätigt. Hinter den Kulissen wird aber bereits verhandelt. Der neue Audi-Chef Bram Schot will zur Hauptversammlung am 23. Mai Details zum Sparkurs enthüllen. Auf dem Prüfstand stünden ganze Modelle, Personalstruktur und auch eine Straffung des Produktionsnetzwerks sei kein Tabu.

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