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Eine Arbeiterin sortiert in einer Recyclingfabrik Plastikflaschen aus, nachdem die strikten Schutzmaßnahmen während der Corona-Pandemie gelockert wurden.
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Eine Arbeiterin sortiert in einer Recyclingfabrik Plastikflaschen aus, nachdem die strikten Schutzmaßnahmen während der Corona-Pandemie gelockert wurden.

Importregeln

Weniger Export von Plastikmüll

Strengere Importregeln in China und die Corona-Pandemie bremsen die umstrittene Ausfuhr von Kunststoffabfällen.

Die Plastikmüll-Exporte aus Deutschland in andere Staaten sind deutlich gesunken. Im Jahr 2020 seien schätzungsweise 986 000 Tonnen Kunststoffabfälle über die Grenze transportiert worden und damit zehn Prozent weniger als im Vorjahr, teilte der Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Rohstoffwirtschaft (BDE) mit. Die Menge macht knapp ein Sechstel aller hierzulande gesammelten Kunststoffabfälle aus. Der BDE bezieht sich auf Daten des Statistischen Bundesamtes für den Zeitraum Januar bis September, die der Verband dann bis Jahresende hochgerechnet hat - insgesamt ist es also nur ein Schätzwert. Der Preis pro Tonne Kunststoffabfall lag bei 249 Euro, das war ein Minus von 20 Prozent.

Einen Grund nannte der BDE nicht. Branchenexperten zufolge spielen strenge Importhemmnisse in China und anderen asiatischen Staaten eine Rolle, die schon seit einigen Jahren gelten und den globalen Abfallmarkt etwas ausgebremst haben. Außerdem dürfte sich die Corona-Krise auswirken – durch die Pandemie kamen manche Geschäfte nicht zustande, auch weil die Lieferketten beeinflusst waren.

Der Staat mit den meisten Plastikabfall-Importen aus Deutschland war - wie schon in den beiden Jahren zuvor – Malaysia, wohin 151 000 Tonnen verschifft wurden und damit 32 000 Tonnen weniger als 2019. Auf Rang zwei folgen die Niederlande mit 142 000 Tonnen Kunststoffabfällen, die Menge blieb ähnlich hoch wie zuvor. Auf dem dritten Rang taucht nun die Türkei in der Exporttabelle auf, das Land hat seine Kunststoffabfall-Importe binnen eines Jahres auf 132 000 Tonnen etwa verdoppelt. Polen, Hongkong, Österreich und Indonesien spielen mit jeweils etwa 50 000 Tonnen ebenfalls eine große Rolle als Abnehmer.

Müllexporte sind umstritten. Auf der einen Seite gilt Plastikabfall als Rohstoff, der auch in anderen Staaten weiterverarbeitet werden kann – etwa zu Kleidung aus Polyester, zu Straßenpollern oder zu Kloschüsseln. Aus Sicht von Vertretern der Abfallbranche machen solche Exporte Sinn, da sie Teil einer globalen Kreislaufwirtschaft sind und dazu führen, dass weniger Plastik in Kraftwerken verbrannt werden muss.

Tatsächlich hat Deutschland der BDE-Statistik zufolge nicht nur Kunststoffabfall ausgeführt, sondern auch importiert – und zwar 479 000 Tonnen im Jahr 2020. Pro Tonne wurden 262 Euro gezahlt, ein Minus von 13 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. „In einer globalisierten, arbeitsteiligen Wirtschaft, die immer mehr zu einer Kreislaufwirtschaft werden soll, kommt auch der Gewinnung von Rohstoffen und dem Handel mit Rohstoffen eine wichtige Bedeutung zu“, sagt BDE-Präsident Peter Kurth. „Das gilt für Rohstoffe aus der Natur wie für Rohstoffe aus der Abfallbehandlung.“

Andererseits weisen Kritiker auf Risiken hin. So sorgten Aufnahmen deutscher Verpackungsabfälle in der Natur in Malaysia für negative Schlagzeilen. Greenpeace kritisiert, dass für einen Großteil der Abfälle der Verbleib und die tatsächliche Verwertung im Ausland „vollkommen unklar und unkontrolliert“ seien. Die Umweltschützer monieren, dass Prüfungen zu Abfallexporten nur vorgenommen werden „können“ und nicht müssen, wie aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Grünen-Anfrage hervorgeht.

„Wir leben in Deutschland das Märchen einer Recycling-Lüge, nach dem Motto „Aus den Augen, aus dem Sinn!“, sagt Greenpeace-Konsumexpertin Viola Wohlgemuth. Mit den Exporten verschiebe Deutschland seine Probleme beim Umgang mit den Plastikmüll-Massen in andere Staaten. Aus ihrer Sicht sollten jegliche Plastikabfall-Exporte verboten werden – dadurch würde der Druck steigen, den Kunststoff gut wiederzuverwerten oder ausschließlich Verpackungen herzustellen, die wiederverwertbar sind. Noch immer würden im Einzelhandel Verpackungen eingesetzt, die nicht recyclefähig seien und stattdessen verbrannt würden, etwa bestimmte Schalen für Wurst oder Getränkekartons aus Materialgemischen.

Das Thema ist ein heißes Eisen, das ist auch der Abfallwirtschaft klar. „Die Sensibilität der Gesellschaft beim grenzüberschreitenden Handel mit Kunststoffabfällen ist nachvollziehbar“, sagt BDE-Präsident Kurth. „Es braucht klare und vollzugstaugliche Rahmenbedingungen, und es braucht Transparenz.“ Export und Import von Abfällen müssten einer verbesserten Kreislaufwirtschaft dienen. (dpa)

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