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Das erste Halbjahr ist für die Branche nicht so gut gelaufen.

Deutschlands größte Industriebranche

Weniger Aufträge für Maschinenbauer

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Handelskonflikte, Strukturwandel und Abkühlung der Weltwirtschaft lassen Geschäfte im In- und Ausland schwächeln.

Olaf Wortmann bemühte sich am Montag redlich, ein nicht allzu düsteres Bild zu zeichnen. Schwankungen, auch stärkere, gehörten seit jeher zum Geschäft der Maschinenbauer, betonte der Konjunkturexperte des Dachverbandes der Maschinen- und Anlagenbauer (VDMA). Aber das erste Halbjahr sei in der Tat „nicht so gut gelaufen“. Der Wert der neuen Bestellungen ist in den sechs Monaten gleichermaßen aus dem Inland und dem Ausland um neun Prozent geschrumpft. Auf die Beschäftigung in Deutschlands größter Industriebranche, wo rund 1,3 Millionen Menschen arbeiten, dürfte das aber kaum Auswirkungen haben.

Aber im Moment schaukelt sich einiges hoch, das mit negativen Vorzeichen daherkommt. Am Montag wurde die nächste Eskalationsstufe im Handelsstreit zwischen China und den USA erreicht: Die chinesische Notenbank führte eine gezielte Abwertung des Yuan herbei. Damit verbilligen sich Exporte in die USA: Das ist der Gegenschlag auf US-Präsident Donald Trumps Ankündigung, fast alle Importe aus der Volksrepublik mit Strafzöllen zu belegen. „Solche Schritte fördern Verunsicherung“, so Wortmann.

Chinesische Unternehmen überlegen sich nun noch etwas genauer, ob sie in Deutschland neue Maschinen bestellen. Orders werden verschoben oder sogar für einen längeren Zeitraum auf Eis gelegt. An der US-Wirtschaft geht der Handelskrieg ebenfalls nicht vorbei – auch weil sich viele Produkte verteuern. China und die Vereinigten Staaten sind nach der EU die wichtigsten Absatzmärkte für die hiesigen Maschinenbauer, die etwa 80 Prozent ihrer Produktion ins Ausland verkaufen.

Es kommen nach Wortmanns Worten weitere „politisch motivierte Verwerfungen“ hinzu, unter denen die hochgradig globalisierte Branche leidet. Der Brexit: Britanniens Premier Boris Johnson erneuert beinahe täglich seine Drohung, einen Austritt aus der EU auch ohne Vertrag durchzuziehen, mit schwer kalkulierbaren Folgen. Mindestens genauso unklar sind die möglichen Auswirkungen der Iran-Krise. Erschwerend kommt nach Ansicht der Volkswirte des VDMA hinzu, dass die weltweite Konjunktur nach einer jahrelangen Boomphase nun spürbar nachgibt. Von „zyklischen Abschwächungen“ ist die Rede. Das macht sich auch darin bemerkbar, dass in den drei Monaten von April bis Juni die Bestellungen aus den Euro-Ländern um sieben Prozent zurückgingen.

Und schließlich schlägt laut Wortmann der „tiefgreifende Strukturwandel in der Automobilindustrie“ mächtig durch. Die Kfz-Hersteller sind die wichtigsten Kunden der deutschen Maschinenbauer. Die Branche investiert weniger in Maschinen, mit denen Komponenten für traditionelle Antriebsstränge mit Verbrennungsmotoren produziert werden. Die neue Technologie mit Elektromotoren ist gerade erst dabei, in namhafte Größenordnungen vorzustoßen. Hinzu kommt, dass in E-Mobilen vieles einfacher ist und deshalb auch weniger Apparaturen in der Fertigung benötigt werden.

Bislang sind all diese Unwägbarkeiten an vielen Maschinen- und Anlagenbauern noch mehr oder weniger spurlos vorbei gegangen. So wuchsen etwa die Exporte nach China in den ersten fünf Monaten sogar noch einmal um etwa drei Prozent auf rund 7,7 Milliarden Euro. Generell sitzen viele Unternehmen nach dem Rekordjahr 2018 nach wie vor auf einem großen Auftragsbestand, der per April die Fertigung für 8,5 Monate im Schnitt sicherte.

Doch der VDMA geht aufgrund des dürftigen Auftragseingangs davon aus, dass die Puffer inzwischen nicht mehr reichen, um das Rekord-Produktionsvolumen von 2018 zu halten. Der Verband hat kürzlich seine Prognose nach unten revidiert. Jetzt wird für das Gesamtjahr erwartet, dass die Produktion um zwei Prozent schrumpft – gemeint ist damit im Wesentlichen der Wert der Maschinen nebst ihrer Installation. Die Auslastung der Unternehmen lag im Juli mit rund 86 Prozent zwar noch knapp über dem langjährigen Durchschnitt; vor einem Jahr waren es aber 91 Prozent gewesen. So betonte in einer VDMA-Umfrage gut ein Viertel der Firmen, dass Auftragsmangel die Ursache für fehlende Auslastung sei.

Nur noch 22 Prozent machen dafür einen Mangel an Fachkräften verantwortlich. Es wird offenbar einfacher, qualifizierte Leute zu finden. Was nicht heißt, dass es keine offenen Stellen mehr gibt. Gerade erst teilte der VDMA mit, dass in den technischen Berufen noch 34 000 Ausbildungsstellen nicht besetzt sind. Der Maschinenbau gehört zu den Sektoren, die überdurchschnittlich viele Azubis einstellen. Auch weil in der Branche hohe und häufig stark spezialisierte Qualifikationen gefragt sind. Aus diesem Grund rechnet Wortmann denn auch nicht mit einem merklichen Stellenabbau. Viele Unternehmen seien darauf bedacht, ihre Belegschaften zu halten. Und schließlich gebe es Arbeitszeitkonten und andere Instrumente, um magere Zeiten zu überbrücken.

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