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Alles eitel Sonnenschein? Mitnichten. Das WEF war wieder von vielen Protesten begleitet.

Weltwirtschaftsforum

Was Davos gezeigt hat

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Fünf Erkenntnisse aus dem diesjährigen Treffen der Reichen und Mächtigen beim Weltwirtschaftsforum in Davos. 

Der Präsident des Weltwirtschaftsforums, Børge Brende, hat das 49. Jahrestreffen in Davos mit einem Aufruf an die verantwortlichen Politiker zur Lösung von Kriegen und Konflikten beendet. Ohne Frieden sei keine wirtschaftliche und soziale Entwicklung möglich, sagte Brende am Freitag. Bei dem Manager- und Politikgipfel spielten unter dem Motto „Globalisierung 4.0“ aber auch andere Themen eine wichtige Rolle. Hier fünf Erkenntnisse, die der Kongress zutage förderte.

Datenschutz ist toll 

Satya Nadella, der Vorstandsvorsitzende von Microsoft, findet den europäischen Datenschutz gut. Im Gespräch mit dem Chef des Weltwirtschaftsforums, Klaus Schwab, sagte er, „GDPR ist ein guter Start“. Die vier Buchstaben stehen für die englische Abkürzung der EU-Datenschutz-Grundverordnung. Das ist interessant, weil die US-Digitalkonzerne eine staatliche Regulierung ihrer Datenwirtschaft normalerweise ablehnen. Nun bekannte sich Nadella zum Menschenrecht auf Privatsphäre. Die Daten müssten den Privatpersonen gehören, sagte er in Davos, nicht den Unternehmen. Möglicherweise bahnt sich ein ähnlicher Wechsel bei Facebook an. Die Firma hat EU-Gesetze zum Datenschutz immer bekämpft. Nun hatte Facebook-Vorständin Sheryl Sandberg eine Einsicht: Sie räumte öffentlich ein, dass der Staat Grenzen setzen dürfe.

Jobs verschwinden nicht

 Nicht nur das Weltwirtschaftsforum (WEF) verbreitet die Angst, dass die vierte industrielle Revolution – die Digitalisierung – Millionen Arbeitsplätze gefährdet. Die Frage ist, ob das stimmt. Rajeev Suri, der Chef des Telekommunikationskonzerns Nokia, gab Entwarnung. Intelligente Roboter und Computer „ersetzen die Arbeiter in den Fabriken nicht“, sagte Suri beim WEF. Der wesentliche Effekt der künstlichen Intelligenz in Unternehmen bestehe darin, die Arbeitsplätze der Beschäftigten zu verändern, nicht aber diese wegzurationalisieren. Das mag man teilweise für Zweckoptimismus halten. Der Einwurf Suris deutet aber daraufhin: Rationalisierung gibt es schon lange, die Zahl der Arbeitsplätze steigt trotzdem.

Die multipolare Welt

Vor zehn Jahren noch war klar, dass die zentralen Podiumsdiskussionen in den großen Sälen des Davoser Kongresszentrums von US-Fernsehsendern auf Englisch organisiert wurden. Mittlerweile gibt es mehr und mehr Veranstaltungen aus anderen Erdteilen. So schickte das staatliche China Central Television (CCTV) seine Moderatorin Li Sixuan, die amerikanische und chinesische Unternehmer abwechselnd auf Englisch und Chinesisch befragte. Plötzlich brauchten auch die Westler Kopfhörer für die Übersetzung. In diesem Wandel spiegelte sich der wachsende Einfluss Chinas auf die globale Ökonomie und Politik.

Streit muss sein 

Eilig und mit düsterer Miene absolvierte Jair Bolsonaro, der neue Staatspräsident Brasiliens, seine Antrittsrede beim diesjährigen WEF. Er pries den freien Markt, die Familie, Gott und Vaterland. Nach acht Minuten war seine Rede vorbei, und er nahm Platz in einem Sessel auf der Bühne, um sich von WEF-Chef Schwab befragen zu lassen. Der machte es ähnlich kurz, ließ Bolsonaro mit Oberflächlichkeiten entkommen und lobte Brasilien ob seiner wunderbaren Natur. Wer wollte, konnte dies als feine Form der Kritik am Vortrag des Brasilianers verstehen. Besser gewesen wären ein paar kritische Fragen. Etwas mehr Konflikt und Reibung täte dem Forum gut.

Come together, right now

 Der Multilateralismus steht unter Druck, aber er lebt. Das Prinzip, international fair zusammenzuarbeiten und dafür die bestehenden globalen Institutionen zu nutzen, hat einflussreiche Fürsprecher. Beim WEF verteidigte es der japanische Premierminister Shinzo Abe. Bundeskanzlerin Angela Merkel plädierte für eine reformierte internationale Ordnung. Klang abstrakt, war aber eine Breitseite gegen Politiker wie US-Präsident Donald Trump. Und ein Aufruf, dem Brexit nicht weitere Europa-Abschiede folgen zu lassen. Davos ist ein guter Ort, diese Position hochzuhalten.

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