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Weltweites Vermögen: Die Reichen werden noch reicher

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Von: Björn Hartmann

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Dollar-Geldsegen: Am meisten Geld zurückgelegt haben der Studie zufolge Menschen in den USA.
Dollar-Geldsegen: Am meisten Geld zurückgelegt haben der Studie zufolge Menschen in den USA. © Imago

Zum dritten Mal in Folge wächst das Vermögen weltweit. Während die Reichen immer mehr Geld aufhäufen, profitieren die Armen nicht. Für die nächsten Jahre sieht es düster aus.

Frankfurt – Vorweg die gute Nachricht: Die Geldvermögen der Menschen sind auch im vergangenen Jahr gewachsen – das dritte Plus in Folge von mehr als zehn Prozent. Insgesamt haben sie 233 Billionen Euro zurückgelegt, wie die Allianz für ihren Global Wealth Report ermittelt hat, ein Rekordwert. Allerdings sind die Superreichen wieder etwas reicher geworden, die Ärmsten etwas ärmer. Und für die nächsten Jahre sieht es eher düster aus.

Wie schon 2019 und 2020 haben die Menschen 2021 mehr zurückgelegt, wie Ludovic Subran, Chefvolkswirt der Allianz, sagte. In den vergangenen drei Jahren seien atemberaubende 60 Billionen Euro Geldvermögen hinzugekommen, sagte Arne Holzhausen, Leiter Insurance & Wealth Markets, das entspreche zweimal der Euro-Zone. Er sprach von Exzesssparen. Die Menschen hätten angesichts der Corona-Pandemie aus Angst Geld zurückgelegt – und vielleicht auch, weil sie weniger konsumiert haben und Geld übrig war. Gleichzeitig profitierten sie von den boomenden Aktienmärkten, befeuert von billigem Geld der Zentralbanken. Während das Plus weltweit 10,4 Prozent betrug, waren es in Deutschland 8,5 Prozent.

Untersucht wird nicht das Einkommen der Menschen, sondern ihr Geldvermögen. Dazu zählen Bargeld und Bankeinlagen wie Tagesgeld oder Girokonten, Versicherungen wie Lebensversicherungen und Finanzanlagen, etwa Sparpläne oder Aktien. Immobilienbesitz wird nicht erfasst.

Größtes Geldvermögen in den USA

Am meisten zurückgelegt haben dem Report zufolge Menschen aus den USA und der Schweiz. Das durchschnittliche Nettogeldvermögen – Anlagen minus Schulden – betrug 2021 in den USA pro Kopf umgerechnet 259 780 Euro. Die Schweizer hatten 237 110 Euro zurückgelegt. Mit großem Abstand folgt Dänemark, wo das Vermögen pro Kopf 183 610 Euro beträgt. Deutschland liegt auf Rang 18 mit 69 290 Euro.

In den vergangenen zehn Jahren haben die USA und die Schweiz die Plätze getauscht, die Dänen stiegen von Rang 17 auf. Deutschland konnte einen Platz gutmachen. Das durchschnittliche Nettovermögen betrug rund 32 000 Euro.

Jeff Bezos und Co. werden immer reicher

Was der Report auch zeigt: Die, die ohnehin sehr viel haben, wie Elon Musk (Tesla), Jeff Bezos (Amazon) oder Bernard Arnault (Luxusgüterkonzern LVMH), sind wieder etwas reicher geworden. Das reichste Prozent der Menschen besaß im vergangenen Jahr demnach 42,9 Prozent der Geldvermögen, nach 41,9 Prozent zehn Jahre zuvor. Allerdings mussten die etwas weniger Reichen Verluste hinnehmen. Den zehn Prozent der Menschen mit sehr großem Vermögen gehörten nur noch 86,3 Prozent des Geldvermögens, 2021 waren es 91,7 Prozent. Die Ärmsten zehn Prozent rutschten in den vergangenen zehn Jahren tiefer in die Schulden.

Deutsche Kassen

Keine Aktienmuffel: Die deutschen Sparer:innen investierten 2021 mit 135 Milliarden Euro an den Börsen. Das waren 53 Prozent mehr als 2020, wie der Global Wealth Report der Allianz zeigt.

Unter den neuen Anlagen von insgesamt 382 Milliarden Euro machten Kapitalmarktprodukte 35 Prozent aus. Manche gehen auf Nummer sicher: 147 Milliarden Euro ließen die Deutschen auf Konten stehen. Etwa 100 Milliarden Euro flossen in Versicherungen.

Die Bruttogeldvermögen der Deutschen legten 2021 um 8,5 Prozent zu, getrieben vom satten Plus an den Aktienmärkten und der Tatsache, dass inzwischen ein Drittel des Vermögens in Wertpapieren steckt. In Westeuropa lag das Plus bei rund 6,7 Prozent.

Weil auch die Schulden der Deutschen stiegen, mit 5,1 Prozent allerdings nicht so stark wie die Bruttovermögen, legten die Nettovermögen um 9,8 Prozent zu. Im Schnitt besaß 2021 jeder Deutsche 69 290 Euro. art

Überhaupt die Schulden: Gleichzeitig mit den Vermögen stiegen auch sie zuletzt wieder. Insgesamt legten sie um 7,6 Prozent auf 52 Billionen Euro zu. Das Plus liegt deutlich über dem langjährigen Durchschnittszuwachs von 4,6 Prozent. Vor allem in den Schwellenländern haben die Haushalte mehr Schulden aufgenommen, besonders in China. Staaten, deren Wirtschaft auf dem Weg zur Industrienation ist, haben inzwischen einen Anteil von 27,6 Prozent an den globalen Schulden, doppelt so viel wie 2020. Die Allianz warnt hier vor einer Schuldenkrise. US-Haushalte stehen für 31 Prozent aller Schulden, nach 41 Prozent ein Jahr zuvor.

Der Global Wealth Report für 2021 ist mit „Ein letztes Hurra“ betitelt. Es wird also schlechter. Chefvolkswirt Subran sagte: „2021 bedeutet das Ende einer Ära.“

Mehr Schulden und eine hohe Inflation

Ende des Post-Corona-Aufschwungs, steigende Zinsen, hohe Inflation, mehr Unsicherheit: Für 2022 rechnet die Allianz mit weltweit schrumpfenden Vermögen. Das Minus beziffert Holzhausen auf mindestens zwei Prozent, eher mehr. Das mag gering aussehen, allerdings berücksichtigt der Wert nicht die Inflationsrate. Holzhausen erwartet eine Teuerung weltweit von durchschnittlich acht Prozent. Das bedeutet, dass die Kaufkraft der Geldanlagen um mehr als zehn Prozent sinken wird. „Das bedeutet ein Zehntel Vermögensverlust“, sagte Holzhausen, „das ist noch nie so da gewesen.“

Erst von 2024 an dürften die Vermögen den Allianz-Fachleuten zufolge wieder zulegen, wobei die Inflation hoch bleiben wird – anders als in den vergangenen Jahren, wo sie mit Werten um ein Prozent sehr niedrig war.

Von den rund acht Milliarden Menschen auf der Welt erfasst der Report nur 4,6 Milliarden. „In vielen Ländern gibt es keine verlässlichen Statistiken“, sagte Holzhausen. Deshalb sind weite Teile Afrikas nicht erfasst. Und auch wenn sich der Zugang zu Finanzprodukten in den vergangenen Jahren verbessert hat, gehen die Fachleute davon aus, dass ein Drittel der Weltbevölkerung überhaupt kein nennenswertes Geldvermögen hat. (Björn Hartmann)

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