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Weltweit wächst der Hunger

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Von: Thea Schmidt

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Ein Arzt misst in Somalia den Armumfang eines offenbar unterernährten Babys.
Ein Arzt misst in Somalia den Armumfang eines offenbar unterernährten Babys. © Eva-Maria Krafczyk/dpa

UN-Ernährungsbericht: Immer mehr Menschen fehlen Lebensmittel.

Der Hunger in der Welt ist 2021 weiter gestiegen. Das geht aus einem Bericht zur Ernährungssicherheit hervor, den die Vereinten Nationen am Mittwoch vorstellten. Demnach litten 2021 bis zu 828 Millionen Menschen unter Hunger. Das ist ein Anstieg um mindestens 46 Millionen im Vergleich zu 2020. Vor der Corona-Pandemie, im Jahr 2019, gab es rund 150 Millionen Hungernde weniger.

„Der Bericht zeigt, wie ernst die Lage vor dem Krieg in der Ukraine ohnehin schon war“, sagte Bundesentwicklungsministerin Svenja Schulze. „Der russische Angriffskrieg auf die Kornkammer Ukraine verschärft die Not dramatisch und treibt noch mehr Menschen in den Hunger.“

Auch aus Sicht von Martin Frick, Direktor des Welternährungsprogramms (WFP), beeinflusst der russische Angriffskrieg die Hungersituation. „Er verschärft eine Krise, die hervorgerufen wird durch eine große Zahl von Konflikten in der Welt, durch Klimawandel und durch wirtschaftliche Folgen der Corona-Pandemie“, sagte Frick dem Deutschlandfunk. Besonders gravierend sei das Ernährungsproblem im Nahen Osten, in Nordafrika und Subsahara-Afrika.

Die Ziele für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, kurz SDG) werden somit dem UN-Bericht zufolge noch schwieriger zu erreichen sein. Die SDG sehen unter anderem vor, dass bis 2030 alle Menschen ausreichend Nahrungsmittel zur Verfügung haben, die zudem gesund und nachhaltig sind. Berechnungen zeigen dem Bericht nach jedoch, dass 2030 immer noch acht Prozent der Weltbevölkerung unter Hunger leiden werden – das sei der gleiche Anteil wie 2015, als die Ziele formuliert wurden.

Man müsse dringend verhindern, „dass die Menschen, die akut nahrungsunsicher sind, in den Hunger abgleiten“, sagte Frick dem Deutschlandfunk. Gegenüber dem Vorjahr blieb die Ernährungsunsicherheit 2021 dem UN-Bericht nach zwar mit 2,3 Milliarden Betroffenen insgesamt nahezu unverändert. Der Anteil der Menschen, die von schwerer Nahrungsmittelknappheit betroffen waren, stieg 2021 jedoch auf 11,7 Prozent an. 2020 hatte der Wert noch bei 10,9 Prozent gelegen.

Besonders Frauen sind dem UN-Bericht nach von der unsicheren Nahrungsmittelversorgung betroffen. Die Schere sei zuletzt weiter auseinandergegangen. Betrug der Unterschied 2020 noch drei Prozent, stieg er im vergangenen Jahr auf vier Prozent. So litten 2021 weltweit 31,9 Prozent der Frauen unter mäßiger oder starker Ernährungsunsicherheit, bei den Männern waren es 27,6 Prozent.

Der UN-Bericht bemängelt zudem, dass zwar viel Geld in die Landwirtschaft fließe, diese aber häufig umweltschädlich sei und kaum zu einer gesunden Ernährung beitrage.

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