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Weltwassertag: Der Wasserprophet auf der Suche nach Grundwasser

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Von: Johannes Dieterich

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Gideon Groenewald , 66, hat auf der Suche nach Wasser Tausende Löcher gebohrt.
Gideon Groenewald , 66, hat auf der Suche nach Wasser Tausende Löcher gebohrt. © Privat

Der Geologe Gideon Groenewald spürt in Südafrika Grundwasser auf. Für die Menschen ist er ein Held.

Sie nennen ihn den Wasser-Propheten: Mit seinem wallenden weißen Vollbart und seinem schwindenden Haar sieht er auch ganz danach aus. Gideon Groenewald hat in seinem 66-jährigen Leben bereits über 8000 Bohrlöcher in die Erde senken lassen: 98 Prozent von ihnen sollen erfolgreich gewesen sein. Der Doktor der Geologie lebt in Middelburg, einem Dorf in der südafrikanischen Halbwüste Karoo, die seit Urzeiten mit geringsten Niederschlägen, nur rund 350 Millimeter im Jahr, auskommen muss. Als sich europäische Siedler vor 200 Jahren auch die Karoo unter den Nagel rissen, konnten sie dort lediglich Schafe züchten. Für Kühe oder gar Ackerbau war die Landschaft zu trocken.

Regelmäßig wird die Karoo von Dürren heimgesucht: In den vergangenen neun Jahren fiel so gut wie kein Regen. Die Heidebüsche verwandelten sich in totes Gestrüpp, und die Farmer mussten ihre Schafherden um zwei Drittel reduzieren. Eine ähnlich lange und verheerende Dürre habe es zuletzt vor 220 Jahren gegeben, sagt Groenewald: Ihre Spuren seien noch heute in Pflanzen oder dem Boden der Halbwüste auszumachen.

Die Karoo-Bewohner – ob weiße Farmbesitzer:innen oder schwarze Farmarbeiter:innen – sahen sich in ihrer Existenz bedroht: Hätte die südafrikanische Hilfsorganisation „Gift of the Givers“ nicht den Wasserpropheten um Hilfe gerufen, hätten außer Hunderttausenden von Schafen womöglich auch Hunderte von Menschen ihr Leben gelassen.

Insgesamt habe er mehr als 500 Brunnen in den Karoo-Boden gebohrt, sagt Groenewald. Seitdem wird der Geologe hier wie ein Heiliger verehrt: „Ohne ihn wären wir verloren gewesen“, sagt Schafsfarmerin Sybil Visagie. „Onkel Gideon“, wie er sich selbst nennt, gibt sich bescheiden: „Ich habe nur genutzt, was unser Schöpfer uns gab.“

Weltwassertag

Seit 1993 findet jedes Jahr am 22. März der Weltwassertag statt. Er wird seit 2003 von UN-Water organisiert. In der Agenda 21 der UN-Konferenz für Umwelt und Entwicklung (Unced) in Rio de Janeiro wurde er vorgeschlagen und von der UN-Generalversammlung in einer Resolution am 22. Dezember 1992 beschlossen. Seit seiner ersten Ausführung hat er erheblich an Bedeutung gewonnen.

Die UN lädt ihre Mitgliedstaaten dazu ein, diesen Tag zur Einführung von UN-Empfehlungen zu nutzen und konkrete Aktionen zu fördern.

In diesem Jahr steht der Weltwassertag unter dem Motto „Groundwater: Making the Invisible Visible“: „Unser Grundwasser: der unsichtbare Schatz“. Damit soll die Bedeutung des Grundwassers sichtbar gemacht werden. FR

Grundwasser ist Afrikas größte Reserve an brauchbarem Wasser. Sein Volumen wird südlich der Sahara auf dieselbe Menge geschätzt, die der Nil in 15 Jahren trägt. Seltsamerweise werde im südlichen Teil des Kontinents aber nur fünf Prozent des Grundwassers genutzt, schreibt Wasserexperte Bradley Hiller im Guardian: „Dabei ist sein Potential gewaltig.“ In anderen Teilen der Welt habe die zur Bewässerung von Feldern angebohrte unterirdische Reserve landwirtschaftliche Revolutionen ausgelöst: wie in Kalifornien, Indien oder auch China. Doch nicht im südlich der Sahara gelegenen Teil Afrikas.

Das führen Fachleute wie Groenewald einerseits auf fehlendes Knowhow zurück: Nicht jedes Land verfügt über einen Wasserpropheten. Er hatte als einstiger Angestellter der südafrikanischen Nationalparkbehörde außer der Geologie auch die Botanik und die Gewohnheiten der wilden Tiere kennen gelernt: Mit diesem Wissen kann er heute unterirdischen Wasserreservoiren besser als andere auf die Schliche kommen. Dass Bohrlöcher im Süden Afrikas eher selten sind, liegt allerdings auch an den anfallenden Kosten: Die Preise für aus Europa importierte Pumpen und den eigens heranzuführenden Strom waren für afrikanische Verhältnisse zu teuer. Doch heute werden die von wenigen Solarmodulen betriebenen Pumpen aus China eingeführt – und sind im Paket schon für 500 Euro zu haben.

Schwierig bleibt das Management unterirdischer Aquifere: Anders als bei Staudämmen ist deren Wasserstand nicht mit bloßem Auge auszumachen. Moderne Technik löst auch dieses Problem: Längst seien unterirdische Wasserstände bis auf Millimeter auszumachen, sagt Onkel Gideon.

Aber was passiert, wenn die Aquifers leergepumpt werden? Dieses Problem stelle sich höchstens bei Zigtausende von Jahren alten Grundwasserreservoiren, die wie jene unter der Sahara nicht mehr nachgefüllt werden, sagt Groenewald. Die überwiegende Mehrheit der Grundwasserspeicher werde mit jedem Regen wieder aufgefüllt – nicht anders als die Staudämme, von denen es im Süden Afrikas nur so wimmelt. Anders als bei den Stauseen verdunstet in den unterirdischen Speichern kein wertvolles Nass: Sie sind wesentlich wirtschaftlicher als Oberflächenwasser.

Die Stadträte der namibischen Hauptstadt Windhoek, einer der trockensten Städte der Welt, haben sich aus den USA eine Methode zur Verlängerung der Lebensdauer eines Aquifer abgeschaut: In Regenzeiten wird Wasser in den Untergrund gepumpt, das dann in Dürrezeiten zur Verfügung steht. Die Technik ist allerdings heikel, weil kein Schmutz ins Untergrundreservoir gelangen darf: Sonst würde der Speicher versanden. In Windhoek wurden von den acht dafür gedachten Pumpen bereits zwei gestohlen: Auch damit ist auf dem bettelarmen Kontinent zu rechnen.

Ansonsten sieht Wasserprophet Groenewald eher gelassen in die Zukunft. Der Dürre werde eine feuchtere Zeit folgen, prophezeit er: „Das hat unser Schöpfer so eingerichtet.“ Und sollte der Schöpfer noch durch zahllose zusätzliche Bohrlöcher unterstützt werden, könnten Katastrophen wie die jüngste künftig womöglich abgewendet werden.

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