Global Wealth Report

Weltmeister des Geld-Hortens

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Geldvermögen in Deutschland wachsen gegen den weltweiten Trend.

Für die weltweite Akkumulation von Reichtum war 2018 kein gutes Jahr. Die Geldvermögen privater Haushalte sind erstmals in Industrie- und zugleich in Schwellenländern zurückgegangen, wenn auch nur leicht. Das ist das Ergebnis des „Global Wealth Report“ der Allianz. Aber: Gegen den Trend lief es hierzulande. Nach den Berechnungen der Allianz gab es ein Plus von 2,2 Prozent – brutto, also ohne Berücksichtigung von Schulden. Auch die Werte von Immobilien und Ansprüchen aus der gesetzlichen Rentenversicherung wurden nicht eingerechnet.

Der Grund für das positive Abschneiden liegt für Michael Heise, Chefvolkswirt der Allianz, in der schieren Menge der Ersparnisse im vorigen Jahr. Es kamen nach den Allianz-Berechnungen insgesamt 244 Milliarden Euro zusammen. Damit wurden Verluste (110 Milliarden Euro) mehr als kompensiert. Das gigantische Volumen des deutschen Geld-Hortens entspricht der Gesamtmenge, die alle anderen Euro-Länder zusammen schafften.

Wesentlicher Treiber für die Rekordsumme war laut Allianz der robuste Arbeitsmarkt mit steigender Beschäftigung und höheren Löhnen. Doch das Problem ist für Heise: „Die Deutschen arbeiten fürs Geld, statt das Geld für sie arbeiten zu lassen.“ Er meint damit das konservative Anlageverhalten. Mehr als die Hälfte des Ersparten ging in die guten, alten Bankeinlagen. „Die bringen nichts“, so Heise. Genauso wie Rentenpapiere – gemeint sind deutsche Staatsanleihen. Damit lassen sich derzeit sogar nur negative Renditen erzielen. Ähnlich sieht es bei Geldmarkt-Anlagen aus, die bestenfalls nahe der Nulllinie liegen.

„Deutsche sparen gegen die Niedrigzinsen an“, betont Heise und macht zugleich darauf aufmerksam, dass der Staat von der aktuellen Situation „enorm profitiert“. Die Negativrenditen bei den Anleihen des Staates bedeuten, dass er sich bei Investoren Geld nicht nur zum Nullzins leihen kann, sondern dafür sogar noch eine Prämie bekommt.

Heise zieht daraus die Schlussfolgerung, dass die Bundesregierung die Sparer stärker entlasten muss. Das gelte insbesondere für untere Einkommensgruppen. Er schlägt unter anderem vor, Zulagen für die private Altersvorsorge heraufzusetzen sowie Sparerfreibeträge zu erhöhen. Und langfristige Erträge aus Aktienanlagen könnten von Steuerzahlungen befreit werden.

Das Kaprizieren auf vermeintlich sichere und liquide Anlagen führt laut Heise dazu, dass Deutschland beim Brutto-Geldvermögen in der Weltliga der 20 größten Staaten seit Jahren nicht aus dem Tabellenkeller kommt. 74 620 Euro pro Kopf bedeuten Platz 19. An der Spitze stehen die Schweiz (266 320 Euro) und die USA (227 360 Euro). Frankreich, Großbritannien oder Irland liegen ebenfalls deutlich besser.

Auch an der ungleichen Verteilung des Reichtums, die laut Allianz maßgeblich durch die späte Wiedervereinigung bedingt ist, hat sich seit dem Jahr 2000 kaum etwas verändert. Insbesondere Belgien zeigt aber, dass es anders geht. Dort sind die Unterschiede zwischen Armen und Reichen seit 2000 spürbar gesunken.

Als Negativbeispiele für eine verstärkte Ungleichheit bei der Verteilung des Vermögens werden in der Studie nicht nur die USA, sondern auch Russland, Indien und China erwähnt. In der Volksrepublik seien die Zeiten vorbei, da nahezu automatisch alle von einem stürmischen Wachstum profitierten, so die Autoren des „Global Wealth Reports“. Die Verteilungsfrage gewinne in China zunehmend an Dringlichkeit.

Überhaupt hat es 2018 die Menschen im Reich der Mitte heftig gebeutelt. Der Wert der Geldvermögen fiel um 3,4 Prozent. Handelsstreitigkeiten hätten dem Aufholprozess der vergangenen Jahre in allen Schwellenländern „ein jähes Ende gesetzt“. Besonders schlug durch, dass die Aktienkurse global um 18 Prozent nachgaben. Doch inzwischen haben sich die Dividendenpapiere wieder berappelt. Heise geht deshalb auch davon aus, dass die Geldvermögen in diesem Jahr wieder steigen.

Der „Global Wealth Report“ berücksichtigt Daten über Bargeld, Bankeinlagen und Wertpapiere sowie Ansprüche gegenüber Versicherungen und Pensionsfonds in 53 Ländern. Abzüglich von Schulden sank 2018 das Geldvermögen in den Staaten um 1,9 Prozent auf 129,8 Billionen Euro.

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