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Am Ende desillusioniert: Jim Yong Kim, Präsident der Weltbank.

Jim Yong Kim

Die Weltbank sucht einen Chef

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Nach der Rücktrittsankündigung von Jim Yong Kim kann Donald Trump einen Vertrauten auf diesem Spitzenposten installieren.

Es ist keine gute Botschaft für die internationalen Organisationen in der US-Hauptstadt: Jim Yong Kim tritt überraschend als Präsident der Weltbank ab. Der Mediziner will sich bereits ab dem kommenden Monat im Auftrag einer Privatfirma um neue Ansätze in der Entwicklungshilfe kümmern.

Das kurze Statement, das das renommierte Geldhaus am Montag in Washington verbreitete, lässt sich mit einfachen Worten übersetzen: Bei seinem Ringen um eine Reform der Weltbank ist Kim endgültig an seine Grenzen gestoßen. Der gebürtige Südkoreaner, der als Kleinkind gemeinsam mit seinen Eltern in die Vereinigten Staaten übersiedelte, wollte die Entwicklungsbank den neuen Gegebenheiten anpassen, scheiterte aber letztlich an mangelnder Unterstützung.

Es mag überspitzt klingen, aber ein Stück weit ist die Weltbank ein Opfer ihres eigenen Erfolgs: Trotz aller verbliebenen Missstände ist der Anteil der Menschen, die weltweit unter extremer Armut leiden, drastisch gesunken. Angesichts niedriger Zinsen nutzen zudem frühere Entwicklungsländer wie China die Möglichkeit, in ärmeren Ländern als Kreditgeber aufzutreten – um ganz nebenbei auch ihren Einfluss auf diese Regionen zu verstärken. Das „Geschäftsmodell“ der Weltbank hat sich damit – zumindest teilweise – erledigt.

Donald Trump dürfte der Abtritt gelegen kommen

Kim nahm diese Verschiebungen offensiv an und engagierte sich zunehmend in neuen Aufgaben – unter anderem in der Finanzierung von alternativen Energien.

Der Harvard-Absolvent, der vor sechs Jahren vom damaligen Präsidenten Barack Obama ins Amt gehoben wurde, konnte jedoch nicht mit den dramatischen Veränderungen im Weißen Haus rechnen: In aller Offenheit signalisierte ihm Donald Trump, dass sich die Entwicklungsbank gefälligst mehr um die notleidenden Arbeiter Amerikas kümmern sollte. Für einen Experten, der sich sonst mit den allerärmsten Ländern der Welt beschäftigt, kam das eigentlich einer Beleidigung gleich.

Zu Trumps Überraschung zog sich Kim jedoch keineswegs pikiert zurück, sondern suchte zunächst nach einem vernünftigen Auskommen mit der neuen Administration. Trotz aller Skepsis im eigenen Haus fand Kim insbesondere in Trumps Tochter Ivanka eine interessierte Mitstreiterin, die sich beispielsweise weltweit für die Förderung von Frauen als Unternehmerinnen einsetzt. Zwischenzeitlich ergab sich zwar eine Annäherung, dennoch soll Kim eine anhaltende Unterstützung der Bank durch die US-Regierung vermisst haben.

Was letztlich den Ausschlag für den vorzeitigen Rücktritt gab, ist bisher nicht bekannt. Fest steht aber, dass es seit Jahren auch unter den Mitarbeitern rumorte. Ein striktes Sparprogramm drückte auf die Stimmung, auch half es Kim nicht, als Außenseiter ohne jegliche diplomatische Erfahrung an die Spitze des großen Weltbank-Gebäudes an der H-Street gerückt zu sein. Kim, ein ausgebildeter Arzt und Anthropologe, blieb letztlich ein Fremder im eigenen Haus.

Dagegen dürfte Trump der Abtritt  gelegen kommen: Da die Spitze der Weltbank traditionell von der US-Regierung bestimmt wird, ergibt sich für den Chef des Weißen Hauses wieder einmal die Gelegenheit, einen Vertrauten an dieser Schaltstelle der internationalen Organisation zu installieren.

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