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Polio-Impfung in Papua Neuguinea:  Die gesundheitsversorgung erreicht heute mehr Menschen, als viele glauben.

Wahrnehmung

Die Welt wird immer besser

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Die meisten Menschen gehen noch immer von einer gewaltigen Kluft armen und reichen Ländern aus. Der verstorbene Statistiker Hans Rosling zeigte, dass das so nicht stimmt.

Wie viele Kinder bekommen Frauen im Schnitt in Bangladesch? Wie hoch ist die Sterblichkeitsrate bei Neugeborenen in Sri Lanka? Wie viel Prozent der Jungen und Mädchen weltweit sind geimpft? Die Antworten, die der 2017 gestorbene Hans Rosling von Studierenden, Politikern und sogar Nobelpreisträgern auf solche Fragen erhielt, trieben den Statistiker und Professor für internationale Gesundheit schier zur Verzweiflung. Sie lagen in der großen Mehrheit gewaltig daneben. Sogar Schimpansen würden da besser abschneiden, ätzte der Schwede.

Westliche Ignoranz und Vorurteile machte Rosling als Ursache der weit verbreiteten Fehleinschätzung der globalen Entwicklung aus. Weder Schulen noch Medien vermittelten ein Bild, das auf Fakten basiere. Folge: Die meisten Menschen gehen noch immer von einer gewaltigen Kluft zwischen einigen hochentwickelten Staaten und einer großen Gruppe von Entwicklungsländern aus.

Ein Zerrbild der Wirklichkeit, das Rosling als leidenschaftlicher Vortragsredner und Autor des Bestsellers „Factfulness“ mit statistischen Daten zu korrigieren suchte. Die Zahlen belegen: Kindersterblichkeit, Gesundheit, Bildung, Lebenserwartung, Einkommen – in all diesen elementaren Bereichen hat die Menschheit Rosling zufolge in den letzten 30, 40 Jahren große Fortschritte gemacht. Zwischen den Polen Arm und Reich, so Rosling, liegt längst der größte Teil der Weltbevölkerung - von einer riesigen Kluft kann keine Rede sein.

Doch wie realistisch die Welt beschreiben und damit begreifen? Rosling verteilt die Weltbevölkerung auf vier Einkommensstufen: Von den mehr als sieben Milliarden Menschen lebt demnach heute „nur“ noch etwa eine auf Niveau eins. Sie müssen mit einem Dollar pro Tag auskommen, sind barfuß stundenlang unterwegs um Wasser aus einem schlammigen Loch zu holen, haben kaum Zugang zu einer Gesundheitsversorgung und sind mangelernährt. Auf Stufe zwei befinden sich bereits drei Milliarden Menschen - sie verfügen über vier Dollar am Tag, können Nahrungsmittel kaufen, die sie nicht selbst anbauen, und sich Hühner leisten, haben eine Glühbirne, in deren Licht Kinder abends Hausaufgaben machen.

Mit acht bis 32 Dollar am Tag können zwei Milliarden Menschen wirtschaften. Sie befinden sich in Roslings Schema auf Stufe drei, können sparen, besitzen einen Kühlschrank, einen Kaltwasseranschluss und eine stabile Stromversorgung. Wer es auf Stufe vier geschafft hat, verdient mehr als 64 Dollar und ist „ein wohlhabender Konsument“.

Er wolle die Welt nicht schönreden, hat Rosling stets betont. Sondern nur für eine realistische Wahrnehmung sorgen. Der Anteil der in extremer Armut lebenden Weltbevölkerung habe sich seit 1990 halbiert und nicht etwa verdoppelt, wie viele glaubten. Rosling: „Es ist möglich, die Armut zu besiegen. Es ist möglich, den Klimawandel zu überstehen, wenn wir es klug anstellen.“

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