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Ein unterernährtes Kind wird in Syrien in einer Klinik medizinisch behandelt.
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Ein unterernährtes Kind wird in Syrien in einer Klinik medizinisch behandelt.

Welthunger-Index

Welt ohne Hunger in weiter Ferne

  • Tobias Schwab
    VonTobias Schwab
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Kriege, Klimawandel und Corona verschärfen die Ernährungssituation in vielen Ländern. Mittlerweile werden 811 Millionen chronisch nicht mehr satt.

„Die Welt ist dramatisch vom Kurs abgekommen, den Hunger bis 2030 zu besiegen.“ Dieses Fazit zog Marlehn Thieme, Präsidentin der Welthungerhilfe, am Donnerstag gleich zu Beginn der Vorstellung des Welthunger-Index (WHI). „Wir erleben im Kampf gegen den Hunger alarmierende Rückschritte“, stellte Thieme fest. Der Trend, dass immer mehr Menschen nicht satt werden, verschärfe sich. Hungertreiber seien vor allem Kriege, Konflikte und der Klimawandel.

Laut dem Bericht leiden weltweit etwa 811 Millionen Menschen an chronischem Hunger. 41 Millionen leben am Rande einer Hungersnot. Ein Jahr zuvor waren es noch rund 690 Millionen gewesen, die dauerhaft weniger Kalorien aufnehmen, als ihr Körper braucht. Besonders dramatisch sei die Lage in Somalia, Jemen, Afghanistan, Madagaskar und Südsudan.

Welthunger-Index: Höhere Preise für Essen

Der von der Welthungerhilfe und ihrer irischen Partnerorganisation Concern Worldwide jährlich veröffentlichte Index erfasst die Lage in 128 Staaten anhand mehrerer Indikatoren wie Wachstumsverzögerungen oder die Sterblichkeit von Kindern. Entwickelt wurde der WHI vom Internationalen Forschungsinstitut für Ernährungspolitik (Ifpri) in Washington.

Für manche der beobachteten Länder hätten die Folgen der Corona-Pandemie für die Ernährungssituation in den aktuellen Report noch gar nicht einfließen können, sagte Mathias Mogge, Generalsekretär der Welthungerhilfe. „Wir müssen also davon ausgehen, dass die Lage teilweise noch viel schlimmer ist.“

Die Corona-Krise habe die angespannte Ernährungslage in vielen Ländern des Südens noch einmal verschärft, Millionen Familien hätten ihre Existenzgrundlage verloren. Eine Folge der Pandemie seien auch deutliche Preissteigerungen für Nahrungsmittel. Wenn Menschen ohnehin rund 80 Prozent ihres verfügbaren Einkommens fürs Essen aufwenden müssten, führe das schnell in existenzielle Krisen.

Welthunger-Index: Angriffe auf Getreidespeicher

Für 47 Länder ist es dem Bericht zufolge ausgeschlossen, dass sie bis 2030 ein niedriges Hungerniveau erreichen werden. Bis zu diesem Jahr - so eines der Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen - soll der Hunger weltweit eigentlich besiegt sein.

Besonders besorgniserregend sei die Situation in Afrika südlich der Sahara und Südasien. Somalia verzeichnet den schlechtesten WHI-Wert mit 50,8 und liegt damit in der WHI-Kategorie gravierend. In der Zentralafrikanischen Republik, im Tschad, der Demokratischen Republik Kongo, in Madagaskar und im Jemen ist die Hungersituation laut dem WHI „sehr ernst“.

Der lebensbedrohliche Mangel ist in vielen Ländern die Folge von Konflikten und Kriegen, teilweise würden Menschen regelrecht ausgehungert, beklagte Thieme. Beispiele sind Mogge zufolge Jemen und Somalia, wo Getreidespeicher und Brunnen Ziele von Angriffen würden. Oder die Konfliktregion Tigray in Äthiopien, in der Teile der Bevölkerung in Folge von Kämpfen akut vom Hungertod bedroht seien.

Welthunger-Index: Strengere Klimaziele nötig

„Mehr als die Hälfte aller unterernährten Menschen lebt in Ländern, die von Gewalt, Konflikt und Fragilität geprägt sind“, betonte Thieme und forderte tragfähige politische Konfliktlösungen sowie eine Stärkung des Menschenrechts auf Nahrung.

Die Welthungerhilfe-Präsidentin wies auch auf den Zusammenhang von Klimawandel und Konflikten hin. Wenn die Folgen der Erderwärmung Fluchtbewegungen verursachten, führe das andernorts zu neuen Konflikten. Die Ärmsten und Schwächsten würden vom Klimawandel besonders hart getroffen, obwohl sie am wenigsten dazu beitragen.

Thieme nannte die Klimakrise eine Frage der Gerechtigkeit. Daher brauche es auf der anstehenden UN-Klimakonferenz in Glasgow klare und verschärfte verbindliche Ziele für die Reduzierung des CO2-Ausstoßes und vor allem eine „finanzielle Unterstützung für die Förderung von Klimaresilienz“, forderte die Präsidentin der Welthungerhilfe. (Tobias Schwab)

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