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Ein funkelndes Fest: Weihnachtsmarkt in der Fußgängerzone von Duisburg, epd

Trotz Terrorangst

Weihnachtsmärkte boomen

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In diesem Jahr finden rund 3000 Veranstaltungen statt. Damit hat sich die Zahl seit 2012 verdoppelt. Sorgenfrei arbeitet die Branche dennoch nicht. Sie fürchtet Wetter und Attentate.

Es ist wieder so weit. Glühweingeruch steigt in die Nasen. Denn dieses Wochenende eröffnen die meisten der bundesweit rund 3 000 Weihnachtsmärkte. Das sind doppelt so viele wie der Deutsche Schaustellerbund (DSB) noch 2012 gezählt hat. „Die Märkte sind eine beliebte Plattform geworden“, sagt DSB-Hauptgeschäftsführer Frank Hakelberg. Auch private Veranstalter würden vermehrt Weihnachtsmärkte aufbauen. An Traditionsveranstaltungen wie den größten deutschen Weihnachtsmarkt am Kölner Heumarkt mit mehreren Millionen Besuchern oder die kaum weniger beliebten in Stuttgart und Frankfurt reichen die Neugründungen nicht heran. Aber sie stehen für einen vorweihnachtlichen Verbrauchertrend.

Denn eine noch nicht ganz fertige Studie des Schaustellerverbands hat ergeben, dass sich binnen sechs Jahren nicht nur die Anzahl der Märkte selbst sondern auch deren Besucherzahlen auf rund 160 Millionen fast verdoppelt haben. „Viele Märkte sind zu Tourismusmagneten geworden, zu denen auch vermehrt ausländische Besucher kommen“, erklärt Hakelberg. Im Schnitt besuche zudem jeder Deutsche in der Vorweihnachtszeit mehrmals einen solchen Markt.

Der Geldbeutel sitzt dort locker, was die Budenbesitzer freut. Das sind zu 90 Prozent Schausteller, die in der warmen Jahreszeit auf Volksfesten ihre Fahrgeschäfte oder Gastronomie betreiben und sich auf Weihnachtsmärkten ein zweites Standbein geschaffen haben. 1,1 Milliarden Euro Umsatz hat eine DSB-Studie vor sechs Jahren für die Märkte berechnet. In diesem Punkt ist die Nachfolgerstudie noch nicht abgeschlossen, aber dass es „deutlich mehr geworden ist“, steht für Hakelberg außer Frage.

Sorgenfrei arbeitet die Branche dennoch nicht. Das liegt am Terroranschlag vor zwei Jahren auf den Weihnachtsmarkt am Berliner Breitscheidplatz. „Wir verzeichnen aktuell vermehrt Anfragen nach Versicherungsschutz von Weihnachtsmärkten“, sagt Michael Furtschegger. Der ist bei AGCS, einer Tochter des Versicherungskonzerns Allianz, zuständig für das sogenannte Entertainmentgeschäft, das auch Policen gegen einen Ausfall von Veranstaltungen wie Weihnachtsmärkte anbietet.

Im Fokus stehen dabei Wettergefahren wie Stürme und Terror. Seit 2016 haben sich die Anfragen für solche Policen bei der AGCS verdreifacht, verrät Furtschegger. Absolute Zahlen bleiben aus Wettbewerbsgründen geheim. „Das hat zugenommen“, bestätigt Hakelberg. Parallel mit dem Versicherungsschutz hätten die Märkte auch sicherheitstechnisch aufgerüstet. Das wiederum unterstreicht Furtschegger.

Wetter riskanter als Terror

Wenn ein versicherter Weihnachtsmarkt wegen Wetter oder Terrorgefahr ausfällt oder zeitweise schließen muss, liegt die Deckungssumme für große, umsatzstarke Märkte im Millionenbereich, verrät der Assekuranz-Experte. Eine Police kostet rund zwei Prozent dessen, also im Fall großer Märkte mehrere zehntausend Euro. Etwa zehn bis 15 Prozent davon entfallen auf das Terrorrisiko. Mit anderen Worten heißt das, dass Versicherer das Wetter als deutlich riskanter einstufen, weil darauf der größere Teil des Beitrags entfällt.

Wer dieser Tage den Breitscheidplatz in Berlin besucht, bekommt eine Ahnung, warum das so ist. Der dortige Weihnachtsmarkt ist zu einer festungsähnlichen Hochsicherheitszone geworden mit Schutzwällen aus Beton und Stacheldraht. „Der Breitscheidplatz ist eine Ausnahme“, beruhigt Hakelberg. Die meisten anderen Märkte in Deutschland seien Wohlfühloasen geblieben. Am Ort des Attentats von 2016 würden diesmal viele neue Sicherheitskonzepte stellvertretend für andere Veranstaltungen im öffentlichen Raum erprobt, sodass Sicherheit dort diesmal etwas geballt vorexerziert werde.

Sicherheitskonzept vor Ort und die Höhe einer Versicherungspolice gegen Ausfall stehen im engen Zusammenhang, betont die Allianz. Je besser ein Markt geschützt wird, desto weniger kostet eine Police. Allianz-Experten beraten auch beim Risikomanagement.

Einer von ihnen ist Björn Reusswig. „Wir verzeichnen in Deutschland weiterhin eine abstrakte Bedrohungslage“, sagt er zum aktuellen Terrorrisiko. Das sei für ihn als Versicherungsexperte nicht nur rein beruflich gesehen vertretbar, weil die Sicherheitskonzepte immer besser würden. Er werde jedenfalls auch weiterhin privat auf Weihnachtsmärkte gehen und sich die Stimmung nicht vermiesen lassen.

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