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So viel Müll: Hunderte gebrauchte Kaffee-Kapseln der Marke Nespresso liegen auf einem Haufen.

Plastikmüll

Weg von der Wegwerfkultur

Binnen drei Jahren werden Plastikteller, Wattestäbchen und Co. aus Europa verschwinden.

Weihnachtsmärkte, Grillpartys oder Schulfeste werden schon in zwei Jahren wohl ganz anders aussehen – ohne Plastikteller, Plastikbesteck oder Trinkhalme. Die Europäische Union macht Ernst mit dem im Frühjahr angekündigten Verbot solcher Wegwerfartikel, die letztlich sehr oft in der Umwelt landen und vor allem die Weltmeere zumüllen.

So schmerzlich der Abschied von vertrauten und praktischen Alltagsgegenständen ist – die Einigung der EU-Länder mit dem Europaparlament am frühen Mittwochmorgen wurde von vielen Seiten bejubelt. „Diese Vereinbarung hilft wirklich, unsere Menschen und unseren Planeten zu schützen“, schrieb EU-Kommissionsvize Frans Timmermans.

Die deutschen Abfallentsorger lobten den Plan, die Grünen sprachen von einem Weihnachtsgeschenk für Umwelt und Menschen. EU-Umweltkommissar Karmenu Vella sagte: „Wenn es so ist, dass du in einem Jahr deinen Fisch in einer Plastiktüte nach Hause bringst und im nächsten Jahr bringst du dann die Tüte im Fisch mit, dann müssen wir hart arbeiten und schnell arbeiten.“

Gemünzt ist das auf die Erkenntnis, dass ohne Gegensteuern schon in wenigen Jahren mehr Plastik in den Ozeanen schwimmen könnte als Fisch. „Wenn wir nicht ändern, wie wir Plastik produzieren und nutzen, wird es 2050 mehr Plastik als Fisch in unseren Ozeanen geben“, warnte Timmermans im Januar. Meerestiere verenden elend an Plastikteilchen. Und selbst Menschen haben Mikroplastik inzwischen im Körper.

Für ihre Verhältnisse arbeitete die Europäische Union tatsächlich in Blitzgeschwindigkeit: Nur ein gutes halbes Jahr nach dem ersten Vorschlag der EU-Kommission steht ein Verbot von diversen Plastikwegwerfartikeln, für die es Alternativen gibt. 2021 sollen sie in ganz Europa vom Markt verschwinden.

Dazu gehören neben Plastiktellern- und -Besteck, Strohhalmen, Luftballonstäben und Wattestäbchen auch Behälter und Becher aus aufgeschäumtem Polystyrol, das oft genutzt wird, um Heißes warm zu halten. Imbissbuden müssen sich also nach Alternativen umsehen. Das könnten etwa Holzbestecke sein oder Glas-trinkhalme. Zudem sollen auch alle Produkte aus sogenanntem oxo-abbaubarem Kunststoff verboten werden, weil der Stoff in Mikroplastik zerfällt.

Produkte, für die es keinen guten Ersatz gibt, sollen nicht verboten, aber doch zurückgedrängt werden, darunter Plastikbehälter für Fastfood und Plastikbecher samt Deckel. Einige Einmalartikel mit Kunststoffgehalt sollen einen Hinweis für eine geeignete Entsorgung erhalten, um auch Verbraucher in die Pflicht zu nehmen. Dazu gehören zum Beispiel Feuchttücher.

PET-Flaschen müssen ab 2025 zu mindestens 25 Prozent aus Recycling-Plastik bestehen, was den EU-Staaten einen Anreiz für Sammelsysteme geben soll. Bis 2030 soll der Anteil auf 30 Prozent klettern. Deutschland hat ja bereits das Einwegpfand, hier dürfte sich für Verbraucher wenig ändern. Neu ist aber, dass Deckel von Einwegflaschen aus Kunststoff spätestens fünf Jahre nach Inkrafttreten der Regelung immer mit der Flasche verbunden sein müssen, damit sie nicht einzeln in der Umwelt landen.

„Ich glaube, es ist uns hier wirklich etwas Einzigartiges gelungen, wir sind weltweit Vorreiter“, sagte die österreichische Umweltministerin und Verhandlungsführerin Elisabeth Köstinger. „Das ist ein sehr, sehr wichtiges Signal dagegen, dass die Plastikverschmutzung mittlerweile wirklich immens um sich greift.“ Die Maßnahmen sollen den Ausstoß von Kohlendioxid um 3,4 Millionen Tonnen verringern. Bis 2030 könnten Umweltschäden im Wert von 22 Milliarden Euro vermieden werden, hieß es.

Umstellen muss sich nun vor allem die Kunststoffbranche, die nach Behördenangaben 2015 einen Umsatz von 340 Milliarden Euro machte und 1,5 Millionen Menschen beschäftigte. Und auch für die Tabakindustrie ist das Plastikpaket eine bittere Pille. Denn darin steckt die Pflicht für Hersteller, sich an den Kosten für das Einsammeln von Zigarettenstummeln zu beteiligen.  (dpa)

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