Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Frau mit Kind: Firmen haben einen wesentlichen Einfluss auf das Familienleben.
+
Frau mit Kind: Firmen haben einen wesentlichen Einfluss auf das Familienleben.

Eltern und Berufsleben

Von wegen familienfreundlich

  • VonStefan Sauer
    schließen

Familie und Beruf zu vereinbaren, ist für viele Eltern ein Balanceakt. Vor allem Väter wollen mehr Zeit für ihre Kinder. Doch viele Betriebe erfüllen diese Wünsche nicht. Eine Analyse.

Die Bundespolitik hat in den vergangenen zehn Jahren einiges unternommen, damit Eltern berufliche Anforderungen und Familienleben besser unter einen Hut bekommen. Mehrere hunderttausend Krippenplätze für unter Dreijährige wurden geschaffen und der Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz eingeführt. Elterngeld und Elterngeld Plus ermöglichen es Müttern und Vätern, nach der Geburt des Kindes eine berufliche Auszeit zu nehmen oder gleichzeitig in Teilzeit zu gehen. Was die staatliche Seite betrifft, haben sich Rahmenbedingungen für die viel zitierte Vereinbarkeit von Familie und Beruf mithin spürbar verbessert.

Allerdings reichen Gesetze und öffentlich finanzierte Leistungen allein nicht aus, um eine partnerschaftliche Teilung der Aufgaben in Haushalt, Kindererziehung und Berufsleben zu ermöglichen. Wesentlichen Einfluss auf das Familienleben haben die Firmen. Und da gebe es noch einen Menge Luft nach oben, wie Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) mit Hinweis auf eine Studie des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB) feststellt. Danach sind nur 23 Prozent der Mütter und 16 Prozent der Väter in Betrieben beschäftigt, die Männern und Frauen gleichermaßen die Möglichkeit einräumen, in Elternzeit zu gehen oder vorübergehend weniger zu arbeiten, ohne dass damit schlechtere Aufstiegschancen oder andere berufliche Nachteile verknüpft wären.

Sorge vor einem Karriereknick

Etwa vier Fünftel der Betriebe legen jungen Eltern hingehen mehr oder minder hohe Hürden in den Weg, wie das WZB-Team um die Soziologin Jutta Allmendinger in einer Befragung von 878 Paaren mit Kindern unter zwölf Jahren herausfand. Danach setzt fast jeder vierte Betrieb noch immer auf das Mutter-am-Herd-Vater-auf-Arbeit-Modell, bei dem Frauen fast nur in Teilzeit beschäftigt sind und so gut wie nie in Top-Positionen gelangen. Ein weiteres knappes Fünftel der Unternehmen zeigt faktisch kein Interesse an der familiären Situation der Beschäftigten, wobei auch dort Frauen in Teilzeit und Männer in Vollzeit die Regel sind. In etwa ebenso vielen Unternehmen sind zwar die Aufstiegschancen für Mütter und Väter etwa gleich gut, das betriebliche Engagement für die Vereinbarkeit mit der Familie ist aber gering.

Das führt besonders unter Männern zu Verdruss. So würden vier von zehn Vätern gern sechs oder mehr Monate Elternzeit nehmen, jeder sechste sogar ein Jahr oder länger. Tatsächlich nehmen aber nur acht Prozent der jungen Männer nach der Geburt ihres Kindes eine Elternzeit von mindestens sechs Monaten. Auch der Wunsch nach einer kurzen Elternzeit von bis zu zwei Monaten bleibt für viele Männer unerfüllt: 55 Prozent der Befragten verzichten ganz auf dien Babypause, obwohl nur 20 Prozent dies tatsächlich auch so wollen.

Für den Totalverzicht spielt, neben finanziellen Gründen, die Sorge vor einem Karriereknick die entscheidende Rolle. Ein Fünftel der Männer nennt Vorgesetzte als wesentlichen Hinderungsgrund, in vier von zehn Betrieben ist Väterzeit „unüblich“, ebenso oft fehlt eine Vertretung.

Tröstlich ist allenfalls der Befund, dass nur elf Prozent der Männer, die die Elternzeit in Anspruch genommen haben, tatsächlich von beruflichen Nachteilen berichteten, und immerhin zwei Prozent sogar von Vorteilen. Das aber heißt: Nicht nur Unternehmen haben bei der Familienfreundlichkeit noch Luft nach oben. Auch Männer sollten sich mehr trauen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare