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Recycling

Warum kein Pfand auf Handys?

  • Joachim Wille
    VonJoachim Wille
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Die Mehrheit der Deutschen würde eine „Umwelt-Kaution“ begrüßen.

Rund 200 Millionen ausgediente Handys und Smartphones liegen in deutschen Schubladen ungenutzt herum, weil die Nutzerinnen und Nutzer längst auf ein neues Modell umgestiegen sind. Oft landen die Geräte auch im Hausmüll. Recycling findet kaum statt. Ein Pfand auf Mobiltelefone könnte die Lage verbessern – und die Bürger:innen würden mitmachen. Eine deutliche Mehrheit der Deutschen von 87 Prozent befürwortet ein Pfand auf Handys, wie eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa im Auftrag der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) zeigt.

Ziel des Pfands wäre es, die Rohstoffe aus alten und defekten Geräten für eine Ressourcen-Kreislaufwirtschaft zu erhalten. Rund 80 Prozent ihrer Bestandteile sind laut DBU wiederzuverwerten, darunter Kupfer, Kobalt und Tantal sowie Silber, Gold und Nickel oder Seltenerd-Metalle. In Deutschland werden pro Jahr etwa 25 Millionen Mobiltelefone verkauft, weltweit sind es mehr als eine Milliarde.

DBU-Generalsekretär Alexander Bonde kommentierte: „Elektroschrott wird deutschland- und weltweit zu einem massiven Problem“. Das Plädoyer für ein Handy-Pfand sei daher auch als „Weckruf an die Gesetzgeber“ zu verstehen. Um den Raubbau an den Ressourcen zu stoppen und in der Produktion CO2 einzusparen, seien Anreize für die Wieder- und Weiterverwendung von Rohstoffen nötig. Technische Lösungen allein reichen Bonde zufolge nicht, um die Kreislaufwirtschaft in Schwung zu bringen. „Wir müssen die Menschen zum Mitmachen animieren“, sagte er.

Der hohe Ressourcenverbrauch im Elektroniksektor hängt aber auch mit den schnellen Produktzyklen und der mangelnden Reparierbarkeit der Geräte zusammen. Befragt nach der Erfahrung mit Haushaltsgeräten, Handys und Fernsehern, sagten 91 Prozent der Befragten, Reparaturen lohnten sich oft nicht, weil sie teuer seien. Neuanschaffungen sind die Folge.

84 Prozent vertreten die Ansicht, die Hersteller planten die Produkte so, dass diese kaum länger als die gesetzliche Garantiezeit halten. Zudem, meinen 75 Prozent, es sei „zu aufwendig, einen geeigneten Anbieter für die Reparatur zu finden“. Bonde: „Diese Ex- und Hopp-Mentalität ist ein Teufelskreis. Sie wird über kurz oder lang unseren Planeten ruinieren.“

Die Bereitschaft zum gemeinschaftlichen Nutzen (Sharing) hängt laut der Umfrage stark von der Produktgruppe ab. Immerhin 71 Prozent können sich das bei Werkzeug vorstellen. Bei Autos (45 Prozent), Fahrrädern und E-Scootern (42 Prozent) ist sie spürbar geringer, bei Kleidung minimal (neun Prozent). Bei allen Produkten ist die Bereitschaft bei Frauen höher als bei Männern und in den alten Bundesländern größer als in den neuen.

Zurück in den Discounter

Ein Schritt zur Ressourcenschonung ist die Neuregelung im Elektrogesetz, die Bundestag und Bundesrat jüngst beschlossen haben. Verbraucher:innen können alte Elektrogeräte wie Handys, elektrische Zahnbürsten oder Taschenrechner ab 2022 auch in Supermärkten oder Discountern abgeben – auch dann, wenn sie anderswo gekauft wurden. Auch Online-Händler müssen den Elektroschrott kostenlos zurücknehmen und recyceln. Eine Pfandpflicht für Handys ist im Gesetz nicht vorgesehen. Die Grünen hatten ein Pfand von 25 Euro pro Gerät vorgeschlagen.

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