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Deutschlands oberster Notenbanker Jens Weidmann.

Bundesbank-Chef

Warten auf das Signal aus Berlin

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Im April 2019 endet Jens Weidmanns Amtszeit als Bundesbank-Chef. Die Finanzszene hofft auf eine Verlängerung um acht Jahre.

Wer Jens Weidmann in diesen Tagen trifft hat nicht den Eindruck, dass er sich um seine berufliche Zukunft sorgt. Der Bundesbank-Chef strahlt wie immer große Gelassenheit aus. Zwar geht seine achtjährige Amtszeit am 30. April nächsten Jahres zu Ende. Und wie es an der Spitze der Bundesbank weitergeht ist bislang nicht klar – offiziell jedenfalls. Beobachter glauben dennoch nicht, dass der 50-Jährige abgelöst wird. „Ich wäre überrascht, wenn er nicht an der Spitze der Notenbank bleiben würde“, sagt ein Ökonom, der die Szene sehr gut kennt. Nicht nur für ihn ist Weidmann auch der einzige, der dieses Amt weiterführen könnte. Gegenkandidaten? „Ich wüsste nicht wer.“

Im sechsköpfigen Vorstand der Notenbank – zwei Frauen und vier Männer – käme allenfalls Claudia Buch infrage, seit Mai 2014 Vizepräsidentin und damit nach Weidmann Dienstälteste. Johannes Beermann und Joachim Wuermeling sind seit 2016 dabei, Sabine Mauderer und Burkhard Balz erst seit September dieses Jahres.

Kein Name von außen

Die Bundesregierung könnte eine Kandidatin oder einen Kandidaten von außen vorschlagen. Doch auch zu dieser Option macht in Frankfurt kein Name die Runde. Der einzige der führenden Ökonomen mit Notenbank-Erfahrung ist derzeit Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin. Er war von 2001 bis 2012 bis zu seinem Wechsel zum DIW bei der Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt tätig.

Aber die Bundesbank ohne Präsident Weidmann – das ist in Frankfurt derzeit kein Thema. Er genießt in Finanzkreisen und auch bei den Beschäftigten der Bundesbank ein Ansehen wie kaum ein Präsident vor ihm. Auch in Berlin, da ist man sich am Main sicher, hat der 50-Jährige ein sehr gutes Standing, zumal er fünf Jahre lang bis zum Wechsel an die Spitze der Bundesbank im Bundeskanzleramt als Berater von Angela Merkel tätig war. Auch international wird Weidmanns Expertise seit seiner Tätigkeit bei der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) und beim Internationalen Währungsfonds (IWF) geschätzt.

Dass die Bundesregierung zumindest offiziell noch kein Signal für eine Verlängerung seines Vertrages gegeben hat, sieht man in Frankfurt gelassen. Es seien noch fünf Monate Zeit. „Und die Bundesregierung ist immer noch sehr viel mit sich selbst beschäftigt“, sagt ein Ökonom.

Zwar hat sich die Regierung nicht für Weidmann als Nachfolger von Mario Draghi starkgemacht, dessen Amtszeit Ende Oktober 2019 endet. Doch das hatte offenbar politische Gründe – die Regierung legt mehr Wert auf einen Deutschen an der Spitze der EU-Kommission. Aber viele Beobachter sind sich sicher, dass alle drei Koalitionspartner Weidmann gerne für weitere acht Jahre an der Spitze der Bundesbank sehen würden.

Nachdem die Tür für den Spitzenjob bei der EZB für Weidmann wohl zu ist, sind andere hochrangige Aufgaben für ihn eher rar gesät. Wer Weidmann kennt, wird kaum erwarten, dass er wie sein Vorgänger Axel Weber zu einer privaten Bank wechselt. Passen würde Weidmann dagegen an die Spitze des Internationalen Währungsfonds (IWF) in Washington, der traditionell von einer Europäerin oder einem Europäer geleitet wird. Allerdings stünde der Job als geschäftsführender Direktor frühestens Mitte 2021 zur Disposition. Dann endet die Amtszeit von Christine Lagarde. Ab April noch zwei weitere Jahre an der Spitze der Bundesbank, dann der Wechsel nach Washington – das könnte für Weidmann eine Option sein. Mit Horst Köhler war immerhin schon einmal ein Deutscher Chef des IWF.

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