Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Die Europäische Zentralbank wird langsam unruhig: Die Jagd nach Renditen wird zur Jagd nach dem Risiko.
+
Die Europäische Zentralbank wird langsam unruhig: Die Jagd nach Renditen wird zur Jagd nach dem Risiko.

Aktienmärkte

Warnung vor dem Absturz

  • VonStephan Kaufmann
    schließen

Die Jagd nach Rendite beunruhigt jetzt auch die Europäische Zentralbank. Da sichere Anlagen wie Bundesanleihen kaum noch Ertrag abwerfen, wird diese Jagd nach Rendite zur Jagd nach dem Risiko.

Alles steigt: Nicht nur die Kurse an den Aktienmärkten legen seit Monaten zu, auch der Wert anderer Investments erreicht immer neue Höhen. Das sorgt für Unruhe. Es mehren sich die Stimmen an den Märkten, die vor einer neuen Spekulationsblase warnen. Nun kommt die Mahnung von höchster Stelle: Die Europäische Zentralbank (EZB) stellt eine „intensive Suche nach Rendite“ bei den Finanzanlegern fest. Ein plötzlicher Stimmungsumschwung jedoch könnte „weitreichende Konsequenzen für die globalen Finanzmärkte haben“. Die Gefahr, vor der die Zentralbanker warnen, ist jedoch ein Ergebnis ihrer Politik.

Die Erfolge EU-kritischer Parteien bei der Europawahl haben es gezeigt: Die Folgen der jüngsten Wirtschaftskrise sind noch längst nicht überwunden. Millionen Menschen sind arbeitslos. Löhne sind gesunken, ebenso wie Sozialleistungen. Immer noch verlieren tausende Familien ihre Wohnungen, weil sie die Hypothekendarlehen nicht bedienen können. Die Banken der Euro-Zone sitzen auf einem riesigen Haufen fauler Kredite. Der alles erlösende Wirtschaftsaufschwung deutet sich bislang nur an.

Im Kampf gegen die Krise hat die EZB die Leitzinsen auf Rekordtief gesenkt und – wie die Zentralbanken Japans, der USA und Großbritanniens auch – Milliarden in den Finanzsektor gepumpt. Das hat die globale Geldbasis in die Höhe getrieben. Ein Teil des Geldes ist an die Finanzmärkte geflossen und feuert dort die „Jagd nach Rendite“ an. Da sichere Anlagen wie Bundesanleihen kaum noch Ertrag abwerfen, wird diese Jagd nach Rendite zur Jagd nach dem Risiko.

Investoren auf der ganzen Welt stürzen sich auf alles, was zwar riskanter ist, dafür aber ein paar mehr Prozente Rendite verspricht: Aktien, vor allem aber Hochzinsanleihen oder Schuldscheine von Banken, Unternehmen oder den Ex-Krisenstaaten Südeuropas. Das treibt die Preise in die Höhe.

Als Problem gelten dabei weniger die Aktienmärkte. Hier sieht die EZB in ihrem jüngsten Finanzstabilitätsbericht „keine klaren Anzeichen für eine Überbewertung“. Anders ist dies bei vielen Anleihen. Hier sind die Preise sehr hoch gestiegen, spiegelbildlich ist die Rendite gesunken. So liegt der Zins für spanische Staatspapiere inzwischen auf einem Rekordtief. „Das individuelle Risiko der Euro-Länder wird von den Investoren nicht mehr berücksichtigt“, mahnt Stefan Bielmeier, Chefvolkswirt der DZ Bank.

Fragiler Konjunkturaufschwung

Schuldner profitieren von der Entwicklung. So musste ein Unternehmen aus Europa mit mittelmäßiger Kreditwürdigkeit – also einem Rating von BBB – vor zwei Jahren noch im Durchschnitt einen Zins von mehr als vier Prozent zahlen. Derzeit ist es die Hälfte. „Die Risikoprämien sind teilweise abnormal niedrig“, so Patrick Artus von der französischen Bank Natixis. Die Renditen von Bankanleihen Südeuropas spiegelten nicht mehr das Risiko wider, dass die Anleihen ausfallen. Schließlich litten die Geldhäuser Spaniens zum Beispiel unter einer wachsenden Last unbedienter Kredite.

Die EZB hat diese Renditejagd durch ihre Niedrigzinspolitik angetrieben. Doch inzwischen wird sie unruhig: Die gute Stimmung an den Märkten hänge an einigen Faktoren, die nicht unbedingt stabil sind, schreiben die Zentralbanker. So basiere das Vertrauen der Investoren auf einem Konjunkturaufschwung in Europa, der noch immer fragil sei und „deutliche Abwärtsrisiken beinhaltet“, so die EZB. Noch gebe es wenige Firmenpleiten in Europa. Doch dies könnte sich ändern, wenn erst die Zinsen wieder stiegen.

Zudem könnte der große Risikoappetit der Investoren gedämpft werden durch politische Spannungen – siehe Ukraine-Krise –, Probleme in den Schwellenländern oder durch einen unerwarteten Anstieg der globalen Zinsen. Hier spielt vor allem die kommende Zinswende in den USA eine Rolle. Sollte sich die Situation in den Schwellenländern hingegen verbessern, so könnte es zu einer Umkehr des Geldstroms in Richtung Asien und Lateinamerika kommen. „All diese Entwicklungen“, warnt die EZB, „könnten zu einer deutlichen Neubewertung des Risikos führen.“

Die Folge wären höhere Zinsen für Europa, mehr Firmenpleiten, Geldmangel und Konjunkturschwäche. In solch einem Umfeld könnte es für Investmentfirmen schwierig werden, an Geld zu kommen. „Beunruhigenderweise sind die Liquiditätsrisiken für Investmentfonds hoch und sie steigen“, so die EZB. Da die große Mehrzahl von ihnen offene Fonds seien, seien sie dem Risiko einer Investorenflucht ausgesetzt.

Zwar sendet die Zentralbank eine starke Warnung an die Finanzmärkte. Eine Lösung jedoch gibt sie nicht: „Ich habe keine Empfehlung für die Investoren“, sagte EZB-Vizepräsident Victor Constancio der Nachrichtenagentur Reuters, „aber sie sollten sich dieser Risiken bewusst sein und versuchen, sich zu schützen.“

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare