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Eine Einigung beim Billigflieger Eurowings ist nicht in Sicht.

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Warnstreik bei Eurowings

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Der Konflikt beim Billigflieger um Arbeitsbedingungen für Flugbegleiter ist verfahren.

Immerhin: Gewerkschaft und Management wollen nächste Woche wieder miteinander reden. Eine Einigung dürfte es sobald aber nicht geben. Der Konflikt beim Billigflieger Eurowings um Arbeitsbedingungen für Flugbegleiter ist verfahren. Nach einem ersten Warnstreik am Dienstag drohen weitere Arbeitsniederlegungen – möglicherweise auch zur Weihnachtszeit.

Die Auseinandersetzung wird verbissen geführt. Bei 13 Verhandlungsrunden kam nichts Greifbares heraus. Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi beschloss schließlich am Montagabend relativ spontan, die Beschäftigten für Dienstag zu einem achtstündigen Warnstreik am Düsseldorfer Flughafen, dem wichtigsten Standort des Billigfliegers, aufzufordern. „Beinahe die komplette Frühschicht hat mitgemacht“, sagte Verdi-Verhandlungsführer Volker Nüsse der FR. Wie viel Flüge genau ausgefallen sind, konnten die Gewerkschafter nicht sagen. Aber mindestens 90 Prozent der geplanten 30 Starts in Düsseldorf hätten gestrichen werden müssen. Der Fachdienst Airliners geht sogar davon aus, dass etwa drei Dutzend Flüge nicht durchgeführt werden konnten. Mehrere hundert Passagiere waren betroffen, die meisten hatten aber offenbar noch rechtzeitig ihre Flüge storniert oder umgebucht.

Der Tarifstreit ist ein Spätfolge der Übernahme großer Teile der kollabierten Air Berlin durch die Lufthansa, die dann Beschäftigte und Maschinen in ihre Billigsparte integrierte, die unter Eurowings firmiert. Dazu gehören insgesamt acht Gesellschaften. Sie fliegen vor allem innerdeutsche und europäische Destinationen, aber auch Ziele in Übersee an. Die hastige Akquisition nebst organisatorischer Probleme hat im Sommer zu massiven Flugausfällen und vielen Verspätungen geführt.

Mit der Air-Berlin-Übernahme wurden Anfang des Jahres auch auf die Schnelle neue Arbeitsbedingungen probeweise eingeführt. Nach einem halben Jahr sollten die Konditionen festgezurrt werden. Doch man konnte sich nicht einigen. Die Gewerkschaft klagt unter anderem über enorm lange Arbeitszeiten. Im Extremfall kann eine Schicht morgens um 5 Uhr mit so genanntem Stand-by-Dienst beginnen: Flugbegleiter müssen sich bereithalten, falls Kollegen ausfallen. Der Arbeitstag kann dann unter Umständen erst gegen 23 Uhr enden. In der Folge verschieben sich Dienstpläne kurzfristig, weil Ruhezeiten eingehalten werden müssen, was dann beispielsweise Probleme bei der Betreuung von Kindern macht. Das ist nur eins von vielen umstrittenen Themen.

Bei einem anderen geht es darum, ob die Stewards und Stewardessen nach der Landung auch noch das Flugzeug sauber machen müssen. „Wir streiken, damit wir inhaltlich bei den Verhandlungen voran kommen“, so Nüsse. Unter Beschäftigten und Gewerkschaftern kursiert die Vermutung, dass das Management auf Zeit spielt und die Arbeitnehmer mürbe machen will – mit dem Ziel, möglichst laxe Regelungen zu erreichen. Betroffen sind insgesamt rund 1300 Frauen und Männer. Insgesamt sind bei Eurowings etwa 6000 Mitarbeiter angestellt. Die Airline bietet an 13 Flughäfen täglich rund 700 Flüge an.

Unmittelbar nach der Streikankündigung signalisierte das Management seine Verhandlungsbereitschaft. Dass dennoch gestreikt werde, sei „für niemanden mehr nachvollziehbar“, so Eurowings-Personalchef Frank Bauer. Verdi verspiele seinen Ruf als verlässlicher Sozialpartner. Bauer betont: „Unser klares Ziel bleibt, auch mit Verdi weitere Perspektiven und Lösungen für unsere Mitarbeiter zu erarbeiten.“

Derweil droht eine Eskalation. Denn auch bei der Unabhängigen Flugbegleiter Organisation (UFO) wächst der Unmut. Zwar habe man bereits neue Tarifverträge ausgehandelt, aber Eurowings verschleppe die Umsetzung, sagte UFO-Chef Nicoley Baublies. Die Geduld der Kollegen sei aufgezehrt.

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