Kredite

Wann ein Ratenkredit Sinn macht

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Ratenkredite sind derzeit sehr billig. Doch Verbraucher sollten ganz genau hinschauen - in einigen Fällen ist besondere Vorsicht angebracht.

Die niedrigen Zinsen haben nicht nur einen Immobilienboom ausgelöst. Sie verleiten auch viele Menschen, sich lang gehegte Konsumwünsche zu erfüllen und diese durch einen Ratenkredit – auch Verbraucherkredit genannt – zu finanzieren. Denn wohl noch nie waren die Konditionen für Ratenkredite so attraktiv wie derzeit: Bei den meisten Banken liegt der jährliche Zinssatz aktuell zwischen drei und vier Prozent. Einige Anbieter sind sogar noch günstiger und verlangen in bestimmten Fällen sogar weniger als drei Prozent. Die Frankfurter Rundschau erklärt, worauf Verbraucher bei Ratenkrediten achten sollten.

Günstiger Zeitpunkt

Sollten Interessenten jetzt zuschlagen oder lieber noch warten, ob die Zinsen noch weiter fallen? Christian Gründler, Finanzplaner der Finum Private Finance AG in Berlin, glaubt nicht, dass es sich lohnt, auf noch niedrigere Zinsen zu spekulieren. „Noch weiter werden die Zinsen kaum fallen“, sagt er. Eile sei aber genauso wenig geboten: „Aufgrund der jüngsten Entscheidungen der Europäischen Zentralbank werden die Zinsen auch auf nahe Zukunft so niedrig bleiben. Grund zur überhasteten und unüberlegten Kreditaufnahme besteht deshalb absolut nicht.“ Jan Wagner, Vorstandsvorsitzender der CreditPlus Bank, die – wie ihr Name es schon andeutet – vorwiegend von Verbraucherkrediten lebt, sieht es naturgemäß etwas anders: „Auf jeden Fall kann es sich lohnen, die aktuell niedrigen Zinsen zu nutzen, wenn dem Kunden ein gutes Angebot zum Kauf vorliegt, das es zu einem späteren Zeitpunkt nicht mehr geben wird“, lautet sein Rat. Wagner glaubt nicht, dass die niedrigen Zinsen dazu geführt haben, dass sich mehr Menschen unverantwortlich verschulden: Die Verschuldung für Konsumzwecke in Deutschland sei in den letzten beiden Jahren konstant geblieben. „Die Verbraucher und Anbieter in Deutschland nutzen Kredite, auch im europäischen und internationalen Vergleich, maß- und verantwortungsvoll.“

Vorsicht bei „Schufa-frei-Werbung“

Interessenten sollten auf jeden Fall verschiedene Angebote vergleichen, rät CreditPlus- Bank-Chef Wagner. „Vorsicht ist geboten, wenn ein Anbieter mit dem Etikett „Schufa-frei“ wirbt, eine Provision oder gar einen Vorschuss verlangt für einen Vertrag, der vielleicht gar nicht zustande kommt“, warnt Wagner. Um einen Kredit beantragen zu können, müsse der Kunde über ein Einkommen aus einer nichtselbstständigen Tätigkeit verfügen, mit dem er seine monatlichen Raten bezahlen könne. „Eine einfache Gegenüberstellung der monatlichen Einnahmen und Ausgaben hilft dabei, abzuschätzen, wie viel Spielraum für die monatliche Kreditrate vorhanden ist“, rät er.

Richtige Laufzeit wählen: Grundsätzlich gilt bei jeder Kreditaufnahme: Je länger die Laufzeit des Kredites, desto geringer ist der zu zahlende Zins. Allerdings fallen durch die längere Laufzeit insgesamt mehr Zinsen an als bei kürzeren Laufzeiten. „Die Dauer sollte also immer von den eigenen finanziellen Möglichkeiten abhängig gemacht werden“, rät Finanzplaner Gründler. Er empfiehlt Kreditnehmern mit hohem finanziellen Spielraum, eine kurze Laufzeit vorzuziehen, um absolut gesehen Zinsen zu sparen. „Bei dem aktuell niedrigen Zinsniveau fallen die mehr gezahlten Zinsen aufgrund einer längeren Laufzeit allerdings nicht mehr so stark ins Gewicht, so dass auch Kredite über mehrere Jahre keine schlechte Entscheidung sein müssen“, sagt Gründler.

Dispokredit ablösen

Die Inanspruchnahme des Dispokredits sei zwar geeignet, wenn kurzfristige finanzielle Engpässe überbrückt werden sollen, sagt Wagner. „Wenn das Konto aber über einen längeren Zeitraum überzogen wird, ist es in der Regel sinnvoll, den meist deutlich teureren Dispo durch einen günstigeren Ratenkredit abzulösen.“ Denn für Dispokredite verlangen viele Banken trotz der Niedrigzinsphase noch immer mehr als zehn Prozent Zinsen. Das kann schnell sehr teuer werden. Und Ratenkredite haben noch einen weiteren Vorteil: Über die monatliche feste Rate hat der Kunde einen guten Überblick über den Tilgungsfortschritt und die Restschuld. Er zahlt also automatisch ab. Beim Dispo gibt es diese festen Rückzahlungsraten nicht. Viele nutzen ihn deshalb über längere Zeiträume bis zum Anschlag aus.

Angebote der Autobanken

Oftmals werden Ratenkredite aufgenommen, um damit einen Pkw zu finanzieren. Es lohnt sich dabei, erst einmal beim Hersteller nachzufragen, ob er ein günstigeres Finanzierungsangebot machen kann. Denn viele Autohersteller haben ihre eigenen Banken, wie etwa die BMW-Bank oder die Mercedes-Bank. Sie locken oftmals mit besonders günstigen Konditionen, um die Autos an den Mann zu bringen. „Aber nicht nur der Zins allein ist entscheidend. Manche Autobanken haben zusätzliche Kosten oder bestehen auf eine Sicherungsübereignung des Wagens“, warnt Gründler. In jedem Fall sei es wichtig, sich die Vertragsbedingungen genau anzusehen.

Nullzinsangebote des Handels

Einige Händler, wie etwa große Elektroketten, bieten die Finanzierung ihrer Produkte zum Nulltarif an. „Diese Angebote klingen im ersten Moment sehr verlockend, doch auch hier sollten sich Verbraucher unbedingt die genauen Vertragsbedingungen durchlesen“, sagt Gründler. Manche Kredite seien nur im ersten Jahr zinsfrei und darüber hinaus müssten horrende Zinsen gezahlt werden. „Auch verleiten diese Nullzinsfinanzierungen zu unüberlegtem Konsum und können ein erster Schritt in die Schuldenfalle darstellen“, warnt er. Dennoch gebe es auch faire Nullprozentfinanzierungen und Verbraucher sollten sich diese Möglichkeit genau vorrechnen lassen. „Dann lassen sich damit die ohnehin schon niedrigen Zinsen sparen.“

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