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Ein Pflücker hängt in etwa 40 Metern Höhe im Wipfel einer Douglasie und sammelt Zapfen für die Gewinnung von Samen.

Klimawandel

Dem Wald droht der „Kollaps“

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Dürre, Schädlinge und Unwetter machen dem deutschen Forst zu schaffen. Die Umweltministerin plant einen „Waldgipfel“ für September.

Für die einen ist er die pure Erholung nach einem anstrengenden Arbeitstag, für Jäger oder Förster ist er Lebensmittelpunkt. Vor allem aber ist der Wald wichtig für das ökologische Gleichgewicht und der stille Kämpfer gegen den Klimawandel. Doch Hitze, Dürre und heftige Unwetter setzen dem deutschen Wald schwer zu. Ein Überblick über die momentane Situation.

Wie viel Wald gibt es?
Deutschland ist etwa zu einem Drittel bewaldet. 11,4 Millionen Hektar gibt es in der Bundesrepublik. In den Wäldern stehen über 90 Milliarden Bäume. Bayern ist mit rund 2,6 Millionen Hektar Fläche der „Waldmeister“.

Was macht den Wald bedeutsam?
Der Wald ist die grüne Lunge und der wichtigste Verbündete beim Kampf gegen den Klimaschutz. Die Bäume und Pflanzen speichern Kohlenstoff im Boden und im Holz. Laut dem wissenschaftlichen Beirat für Waldpolitik gleicht der Wald 14 Prozent der gesamten Emissionen in Deutschland aus. Daneben ist er Lebensraum für unzählige Tier- und Pflanzenarten, Erholungsgebiet für die Menschen und Wirtschaftsfaktor für Arbeit und Einkommen in den ländlichen Regionen.

Wie schlecht geht es dem Wald?
Laut Bund Deutscher Forstleute (BDF) steht der Wald vor dem „Kollaps“: „Der Wald ist der Klimaretter schlechthin, aber aktuell ist der Wald selbst Opfer der Klimakatastrophe“. Der BDF fordert eine „auskömmliche Finanzierung der Aufräumarbeiten im Wald“. Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) spricht nach dem Waldsterben in den 80er Jahren bereits vom „Waldsterben 2.0“. Nach Angaben der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) sind seit 2018 120 000 Hektar Wald abgestorben. Besonders Fichten, Kiefern, Buchen und Eichen leiden erheblich unter den Folgen des Klimawandels.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Frau Klöckner ruft in den Wald

Was belastet den Wald?
Brände, Stürme, Dürre und Schädlinge setzen dem Wald zu. Im vergangenen Jahr haben Brände eine Waldfläche von 3000 Fußballfeldern zerstört. Laut Experten betrug 2018 die Menge an Schadholz rund 32 Millionen Kubikmeter, für dieses Jahr wird mit weiteren 35 Millionen gerechnet. Dieses Schadholz verhindert die Neuaufforstung des Waldes. Es ist oftmals vom Borkenkäfer befallen, der sich auf neue Bäume und Setzlinge ausbreitet.

Was plant die Politik?
Julia Klöckner (CDU), Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft, will das Schadholz in großem Stil beseitigen lassen. Dafür sollen betroffene Forstbetriebe weiter steuerlich entlastet werden. Zudem plant Klöckner, die Wälder widerstandsfähiger zu machen und an den Klimawandel anzupassen. Dabei sollen die heimischen Bäume die Basis darstellen. Zudem soll im Zuge der Aufforstung geprüft werden, ob nach Europa eingeführte Baumarten besser mit hohen Temperaturen und Dürren zurechtkommen. Die Ministerin fordert eine halbe Milliarde Euro für die Bewältigung aller aktuellen Waldschäden. Zudem will Klöckner für September einen nationalen Waldgipfel einberufen. Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt reichen die Pläne von Klöckner nicht aus. Sie will die Wälder stärker sich selbst überlassen. „Neben dem Waldumbau braucht es auch eine Urwald-Offensive in Deutschland“, sagte sie der „Rheinischen Post“.

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