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Wahnsinn made in the USA

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Von: Frank-Thomas Wenzel

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Zugepackt I: In Brasilien ist das Gedränge um die Angebote immens.
Zugepackt I: In Brasilien ist das Gedränge um die Angebote immens. © REUTERS

In Deutschland greifen die Shopping-Phänomene „Black Friday“ und „Cyber Monday“ immer stärker um sich.

Der Wahnsinn hat System. Am heutigen Freitag ist wieder Black Friday – längst nicht mehr nur in den USA der Tag der großen Schnäppchen-Hatz. Einzelhändler schaffen es auch hierzulande, immer mehr Kunden zum Shoppen zu animieren. Doch nicht alles, was preiswert daherkommt, ist billig. Was Kunden am Black Friday beachten müssen.

Was ist genau der Black Friday? In den USA der Tag nach Thanksgiving, dem Erntedankfest, das mit der Familie gefeiert wird. Es ist für viele Arbeitnehmer ein Brückentag, der genutzt wird, um die ersten Weihnachtseinkäufe zu machen und gilt als umsatzstärkster Tag des Jahres. Die ohnehin gesteigerte Kaufbereitschaft der Kunden soll durch Sonderangebote und Werbegeschenke bis zum Anschlag gesteigert werden – in den USA sind tumultartige Szenen garantiert. Gut 50 Milliarden Dollar werden vermutlich an einem Tag umgesetzt.

Wo kommt der Begriff her? Darüber streiten Experten. Die beliebteste Erklärung ist, dass die Straßen in den Städten schwarz von Menschen sind. Eine andere These besagt, dass die Händler einst vom Zählen des Geldes schwarze Hände bekommen haben. Und es wird auch immer wieder behauptet, dass viele Geschäftsinhaber von diesem Tag an schwarze Zahlen schreiben – also die Profitzone erreichen.

Was ist der Cyber Monday? Die Online-Händler – allen voran Amazon – haben vor einigen Jahren als Imitation des Black Friday den Cyber Monday erfunden. Es ist der Montag danach mit besonderen Angeboten im E-Commerce. Inzwischen ist daraus die Cyber-Monday-Woche geworden, die in diesem Jahr vom 21. bis 28. November geht.

Wie kam das alles nach Deutschland? Computerkonzern Apple veranstaltete 2006 erstmals am Freitag Ende November eine spezielle Verkaufsaktion. Inzwischen ziehen viele andere Händler mit. Kaufhof hat eine „Black Week“ mit Angeboten ausgerufen. Auch Elektronikhändler Saturn macht mit. Apple ist nach zwei Jahren Pause ebenfalls wieder dabei. Vermutlich werden Computeruhren, iPhones und andere Geräte mit Nachlässen angeboten. Details will Apple erst am Freitagmorgen bekannt geben. Am aggressivsten geht Amazon die Sache an. In der Cyber-Monday-Woche werden permanent Produkte für nur kurze Zeit zu günstigen Preisen offeriert – das soll das spontane Zugreifen befeuern.

Wie hoch sind die Umsätze? Die Experten der Shoppingplattform Mydealz sprechen von wachsendem Zuspruch. So hätten sich voriges Jahr an den vier Tagen des Black-Friday-Wochenendes samt Cyber Monday knapp 2,6 Millionen Nutzer über aktuelle Angebote auf der Website des Unternehmens informiert – ein Plus von einem Viertel. Allein im Onlinehandel seien insgesamt 924 Millionen Euro umgesetzt worden. Die Mydealz-Leute gehen davon aus, dass in diesem Jahr die Milliarden-Grenze geknackt wird.

Wie hoch sind die Ermäßigungen? Geworben wird mit bis zu 90 Prozent Nachlass. Dabei werden häufig die unverbindlichen Preisempfehlungen der Hersteller (UVP) zugrunde gelegt. UVP gelten längst als Mondpreise, die kaum ein Händler regulär verlangt. Stichproben der Verbraucherzentrale NRW haben ergeben, dass die Reduzierungen an solchen Rabatttagen im Schnitt real unter 20 Prozent lagen.

Lohnt sich die Schnäppchenjagd? Verbraucherschützer sehen durchaus attraktive Sonderangebote. Sie raten aber, vor dem Kauf die Preise zu vergleichen – am besten bei mindestens zwei Online-Preisvergleichsseiten, denn es gibt hier keine hundertprozentig zuverlässige Suchmaschine. Die Verbraucherzentrale rät, sich beim Online-Einkauf nicht von ablaufenden Uhren oder Bestandsbalken unter Druck setzen zu lassen. Diese seien „Folter-Instrumente“.

Und wenn die Zeit für einen Preisvergleich bei einem vermutlich attraktiven Angebot nicht reicht? In Ausnahmefällen könne auch auf Verdacht gekauft werden, so die Verbraucherzentrale NRW. Denn bei Amazon und vielen anderen Onlinehändlern können Käufe auch wieder storniert werden. Zudem haben Kunden die Möglichkeit eines Widerrufs innerhalb von 14 Tagen – ohne Angabe von Gründen. Allerdings fallen dabei in der Regel Kosten fürs Zurücksenden an.

Sind Betrüger unterwegs? Betrügereien im Onlinehandel nehmen rapide zu. Und die Black-Friday-Kampagne wird natürlich von Kriminellen missbraucht. Auch auf dem Marktplatz von Amazon schleichen sich immer wieder Anbieter ein, die gefälschte Technikprodukte zu Spottpreisen offerieren. Deshalb der Rat der Verbraucherschützer: „Waren nur an der sicheren Amazon-Kasse einkaufen und sich nicht in einen gefährlichen Vorkasse-Kauf locken lassen“.

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