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Siemens-Generatorenwerk in Erfurt.

Sanierung

Waffenstillstand bei Siemens

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Der Konzern und die IG Metall einigen sich auf einen Zukunftspakt für die Kraftwerkssparte. Umstritten bleibt, inwieweit Schließungen deutscher Standorte vom Tisch sind. Harte Einschnitte kommen auf die Mitarbeiter in Offenbach zu.

Fast ein halbes Jahr lang standen die Zeichen bei Siemens wegen Radikalplänen zur Sanierung der kriselnden Kraftwerkssparte auf Sturm. Nun erklärte Personalchefin Janina Kugel die interne Konfliktphase für beendet. „Wir haben Eckpunkte festgelegt, die uns den Weg für die erforderlichen Einsparungen ebnen“, sagte die Arbeitsdirektorin. Die Detailverhandlungen könnten jetzt zwar erst anlaufen. Ein erfolgreicher Abschluss der Gespräche binnen weniger Wochen, auf alle Fälle bis Ende des Siemens-Geschäftsjahrs zum 30. September, sei aber möglich. Umstritten bleibt, inwieweit Schließungen einzelner deutscher Standorte wirklich schon komplett vom Tisch sind. Für die IG Metall ist die Lage eindeutig. 

„Die ursprünglich vorgesehenen Standortschließungen finden nicht statt“, erklärt die Gewerkschaft. Unstrittig ist das für das ostdeutsche Werk Görlitz mit seinen 720 Arbeitsplätzen, auf das sich ein Großteil auch des politischen Protests konzentriert hatte. Der Standort werde zum globalen Kompetenzzentrum für das Geschäft mit Industriedampfturbinen aufgewertet, kündigte Kugel an. Das bedeute zwar immer noch Stellenabbau in vorerst unklarer Höhe. Aber der Standort bleibe erhalten. 

Eine Chance gibt Siemens auch dem Leipziger Standort mit seinen 200 Stellen. Die Fabrik soll nun alternativ verkauft werden, erklärte Kugel. Von einer Schließung spricht sie indessen weiter im Fall Offenbach. Hier widerspricht die IG Metall. Zwar werde der alte Standort dichtgemacht. Die betroffenen Arbeitsplätze würden aber in räumlicher Nähe auf andere Siemens-Standorte verteilt. 

„Die Firmenleitung hält am Personalabbau fest“, räumte Gesamtbetriebsratschefin Birgit Steinborn ein. Streichen wolle das Management insbesondere in Berlin, Mülheim, Duisburg und auch Erfurt, nachdem ein Verkauf für den Standort in Thüringen gescheitert ist. Entschärft ist die Lage in Berlin. Statt einer Schließung des dortigen Dynamowerks gebe es eine alternative Planung, sagte Kugel. 

Unnachgiebig bleibt Siemens bei den finanziellen Sparzielen. Es gehe um eine größere dreistellige Millionensumme, sagte die Personalchefin. Wie dieses Ziel erreicht werde, sei nun Gegenstand der Detailverhandlungen. „Wir haben für jeden Standort tragfähige Alternativen vorgeschlagen“, sagte Steinborn und gibt damit eine neue Richtung weg von betriebsbedingten Kündigungen vor. Kugel hält die zwar nicht für komplett ausgeschlossen, wenn auch für deutlich unwahrscheinlicher. 

Kompromisse könne es zudem bei der Anzahl der bislang geplanten Stellenstreichungen geben. Insgesamt deutet alles auf reduzierte Abbaupläne hin. Ursprünglich wollte Siemens im Kraftwerksgeschäft global 6100 Jobs abbauen und weitere 800 in der zweiten Krisensparte Prozessindustrie und Antriebe. In Deutschland standen insgesamt 3400 Stellen auf der Streichliste. 

Schon konkret vereinbart wurde dagegen ein Zukunftspakt für von Strukturwandel betroffene Geschäfte wie die Kraftwerkssparte mit weltweit 30.000 Beschäftigten. In den nächsten vier Jahren will Siemens 100 Millionen Euro in einen Weiterbildungsfonds stecken. So sollen Siemensianer für Jobs auch außerhalb des Konzerns qualifiziert werden, wenn technologischer Wandel wie im Geschäft mit Kraftwerken und dem dortigen Umbruch hin zu erneuerbaren Energien Berufe überflüssig macht. 

Der Weiterbildungsfonds kommt zusätzlich zu der halben Milliarde Euro hinzu, die Siemens bereits jetzt jährlich für interne Fortbildungen zahlt. „Es kommt darauf an, denjenigen eine Perspektive zu geben, deren Arbeitsplatz es in Zukunft möglicherweise nicht mehr geben wird“, betonte Kugel. Das klingt ebenso versöhnlich wie die Worte von Jürgen Kerner, der für die IG Metall im Siemens-Aufsichtsrat sitzt. „Gemeinsam sind wir zu einem für beide Seiten akzeptablen Ergebnis gekommen“, betonte er. Künftig wolle man auch früher auf Veränderungen reagieren. 

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