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Auch bei unseriösen Schreiben reagieren.

Inkasso

Wächter der Zahlungsmoral

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Inkassofirmen sind verschrien. Welche Rechte haben sie - und welche die Verbraucher?

„Geldeintreiber“ werden sie häufig genannt. Inkassounternehmen, die von Schuldnern nicht gezahlten Rechnungen hinterherlaufen. Post von Inkassofirmen kann jeder bekommen, der Rechnungen nicht begleicht. Die Abmahner arbeiten vor allem für große Wirtschaftsunternehmen. Das liegt auch daran, dass viele schwarze Schafe in der Branche aktiv sind. 

Eine vom Bundesjustizministerium im Mai 2018 veröffentlichte Studie ergab außerdem, dass die Gebühren, die Inkassounternehmen von Schuldnern verlangen, in den letzten Jahren immer weiter gestiegen sind. So sprechen die Autoren der Untersuchung von „eklatanten Kostensteigerungen“. Zum Beispiel gab es Fälle, in denen sich eine 30-Euro-teure Bestellung auf rund 100 Euro summierte, die das Inkassounternehmen aufgrund der nicht bezahlten Rechnung bereits im ersten Mahnschreiben verlangte. 

Auch wurde die Drohkulisse, die aufgebaut wurde, als immens eingestuft. Die große Koalition will daher noch in dieser Legislaturperiode das Inkassorecht verbraucherfreundlicher machen, in dem die Unternehmen beispielsweise stärker beaufsichtigt werden. 

Der Bundesverband deutscher Inkasso-Unternehmen (BDIU) betont im Zuge der allgemeinen Kritik aber auch die wirtschaftliche Notwendigkeit ihrer Dienstleister. Unternehmen müssten sich darauf verlassen können, dass berechtigten Zahlungsansprüchen nachgekommen werde. 
Die FR erklärt, welche Rechte Verbraucher und Inkassounternehmen haben.

Wie häufig kommt es zu unseriösen Forderungen?
Laut der Verbraucherzentrale Brandenburg ist jedes fünfte Anschreiben unberechtigt. Die Verbraucherzentrale stützt sich dabei auf Nutzerangaben, die über das Portal Hilfe gesucht haben. So sei in vielen Fällen die Rechnung bereits bezahlt gewesen, als das Schreiben eines Inkassounternehmens eintrudelte, oder von dem genannten Shop, welcher auf eine ausstehende Rechnung hinweist, sei nie etwas gekauft worden. Die Untersuchung der Verbraucherzentrale stützt sich auf 40 000 Angaben von Nutzern. Die Zahlen des BDIU gehen in eine andere Richtung: Von jährlich mehr als 20 Millionen neuer Forderungen, werde nur in 500 bis 600 Fällen Beschwerde beim Verband eingelegt. Die Wahrheit wird vermutlich irgendwo dazwischen liegen.

Woran lassen sich unseriöse Firmen erkennen?
Der Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv) hat Anfang des Jahres einen „Inkasso-Check“ eingerichtet, mit dem Forderungen kostenlos überprüft werden können. Der BDIU selbst weist darauf hin, dass eine behördliche Registrierung für Inkassofirmen unabdingbar ist. Alle im Bundesverband tätigen Firmen sind gelistet und für jeden im Internet unter dem Link Rechtsdienstleistungsregister.de einzusehen. Findet sich eine Firma, die ein Forderungsschreiben verschickt hat, dort nicht, hat sie auch keine Zulassung.

Welche Forderungen sind gerechtfertigt?
Im Schreiben muss derjenige genannt sein, der das Inkassounternehmen beauftragt hat, also zum Beispiel der Onlineshop, der auf die Bezahlung der Ware wartet. Auch muss das Kaufdatum ersichtlich sein, damit nachvollzogen werden kann, ob die Bestellung tatsächlich getätigt worden ist. Als seriös kann nur eine Firma eingestuft werden, die eine angemessene Frist zum Ausgleich der Forderung setzt, weist der Verbraucherzentrale Bundesverband hin. 

Wie hoch können die Kosten sein?
Nach Ansicht der Verbraucherzentrale sollten bei einem Warenwert bis 500 Euro die erhobenen Gebühren der Inkasso-Firmen 15 Euro nicht überschreiten. Dem entgegen hält allerdings der BDIU, dass eine 15-Euro-Grenze in den allermeisten Fällen unwirtschaftlich sei. In der Regel müssten die Kosten höher ausfallen, da eine Forderung auch zeit- und personalaufwendig sei. Generell vereinbaren Inkassounternehmen mit ihren auftraggebenden Firmen die Kosten. Sie sind nicht an eine gesetzliche Vergütungsordnung gebunden, die Kosten dürfen lediglich eine Höhe nicht überschreiten, die für den gleichen Fall ein Anwalt verlangen würde. Daher kann die Höhe der Forderungen für vergleichbare Fälle sehr unterschiedlich ausfallen.

Welche Konsequenzen drohen einem Verbraucher, der eine Forderung nicht begleicht?
Ist die Forderung berechtigt, und wurde auf diese trotz zweifacher Mahnung nicht reagiert, hat dies neben rechtlichen Schritten auch einen Eintrag bei der Schufa zur Folge. Allerdings nur dann. Bei unberechtigten Forderungen, gegen die widersprochen wurde, darf das Inkassounternehmen keine Informationen an die Auskunftei weitergeben oder weitere Konsequenzen ziehen. Auch Drohgebärden, wie persönliche Besuche oder Telefonanrufe, sind in keinem Fall zulässig. 

Was tun, wenn das Schreiben unseriös erscheint?
Trotzdem reagieren. Zwar sollten keine unberechtigten Forderungen beglichen werden, dennoch empfiehlt der vzbv schriftlich Widerspruch einzulegen, um rechtlich auf der sicheren Seite zu sein. Rat können sich Betroffene bei der Verbraucherzentrale, aber auch beim Bundesverband der Inkassounternehmen holen. Der BDIU unterhält selbst eine Beschwerdestelle. Außerdem vermittelt ein unabhängiger Ombudsmann bei strittigen Fällen.

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