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Die Akropolis in Athen ist für viele Reiselustige ein Traumziel.

Türkei wird stärker

Der Wachstumsmotor stottert

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Nach sechs Rekordjahren zeichnet sich im Griechenland-Tourismus eine Flaute ab

Die griechische Fremdenverkehrswirtschaft ist erfolgsverwöhnt. Seit 2013 stiegen die Gästezahlen ununterbrochen. Heute begrüßt das Land doppelt so viele Urlauber wie vor Beginn der Krise. Der Tourismus war die Lokomotive, die das Land aus der Rezession zog. Aber jetzt stottert der Wachstumsmotor.

Dabei hätte das vergangene Jahr besser für die griechische Tourismuswirtschaft kaum zu Ende gehen können. Im Dezember 2018 stieg die Zahl der ankommenden Besucher gegenüber dem Vorjahr um fast 17 Prozent. Nach Berechnungen der griechischen Zentralbank wuchsen die Einnahmen aus dem Reiseverkehr im letzten Monat des Jahres sogar um 40 Prozent.

Der Schub im Dezember bescherte Griechenland einen neuen Reiserekord: Erstmals kamen im vergangenen Jahr mehr als 30 Millionen Besucher ins Land. Das war ein Plus von knapp elf Prozent gegenüber 2017. Die deutschen Urlauber hatten daran einen besonderen Anteil, ihre Zahl stieg sogar um 18 Prozent. Auch die Einnahmen aus dem Reiseverkehr erreichten mit 16,1 Milliarden Euro einen neuen Höchststand.

Aber der neuen Saison sehen die hellenischen Hoteliers mit gemischten Gefühlen entgegen. Giannis Retsos, selbst Besitzer von fünf Hotels und Präsident des Verbands der griechischen Touristikunternehmen (Sete), erwartet für 2019 „eine Stagnation oder einen leichten Rückgang“ im Griechenland-Tourismus. „Die Erfahrung zeigt, dass nach sechs bis sieben Jahren Wachstum die Dynamik nachlässt“, sagt Retsos.

Dafür gibt es tatsächlich Anzeichen. Die Marktforscher des griechischen Touristikverbandes melden, dass die Linien- und Charterfluggesellschaften in diesem Jahr sieben Prozent weniger Sitze im Griechenlandverkehr anbieten. Das Angebot aus Deutschland reduzieren die Airlines nach der bisherigen Planung sogar um 16 Prozent. Auch der Urlaubs-Monitor des Reiseportals Holidaycheck zeigt ein rückläufiges Interesse an Griechenlandreisen: Bei den Frühbuchungen lag Griechenland im Zeitraum November 2018 bis Januar 2019 um fünf Prozent unter dem Vorjahr.

Für die sich abzeichnende Flaute nennen Marktbeobachter fünf Gründe: Erstens dämpft die sich abschwächende Konjunktur in der Eurozone die Reiselust. Zweitens hat der Rekordsommer 2018 dazu geführt, dass viele europäische Urlauber das eigene Land wieder als Ferienziel entdecken. Drittens spürt Griechenland in diesem Jahr vor allem auf dem deutschen Markt das Comeback der Türkei, die mit günstigen Preisen lockt und bei den Frühbuchungen laut Holidaycheck 43 Prozent im Plus liegt. Auch die Pleite der Fluggesellschaft Germania, die im vergangenen Jahr 381 000 Sitze nach Griechenland anbot, trifft die Griechen.

Der fünfte Grund hat sechs Buchstaben: Brexit. Er verunsichert viele britische Urlauber. Sie stellen nach den Deutschen die zweitgrößte Urlaubernation in Griechenland.

Wie sich die Saison für die griechischen Hoteliers wirklich entwickeln wird, wird man allerdings erst im Frühsommer absehen können. Schon Anfang 2018 gab es in der Branche die Sorge vor einem drohenden Einbruch. Tatsächlich stiegen dann die Urlauberzahlen aber weiter an. Branchenexperten verweisen darauf, dass die Airlines bei wachsender Nachfrage ihre Flugpläne kurzfristig anpassen können. Überdies hat das Jahr gut begonnen: Im Januar stieg die Zahl der ausländischen Passagiere auf den griechischen Flughäfen um 10,8 Prozent.

Selbst wenn die von vielen erwartete Konsolidierung eintritt: Langfristig bleibt die griechische Reisebranche auf Wachstumskurs. Die Entwicklung neuer Ziele, die zeitliche Streckung der Saison und die Erschließung neuer Märkte, allen voran China, sollen für Zuwachs sorgen. Der Tourismusverband Sete rechnet bis 2022 mit einem Bedarf von 24 000 weiteren Betten, vor allem im Fünf-Sterne-Segment.

Im vergangenen Jahr trug der Tourismus 20 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt Griechenlands bei. Nach einer Prognose des World Travel and Tourism Council (WTTC) wird dieser Anteil bis 2028 auf fast 23 Prozent steigen.

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